|
Zurück zur Übersicht (Porträts und Berichte über Leichtathleten) / Zurück zur vorherigen Seite / Zurück zur Startseite ----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Jana Sussmann LG Nordheide (22.8.2008) Hanna Hübner LC Hansa Stuhr (23.8.2008) Helmut Frenzel Bremer LV (14.9.2008) Jana Sussmann LG Nordheide (19.9.2008) Deborah Brodersen LG Weserbergland (29.10.2008) Birgit Niemann-Scheffel LC Hansa Stuhr (6.11.2008) Ingrid Eilers Norder TV (20.11.2008) David Karl SV Werder Bremen (20.11.2008) Laura Boss LG Hanstedt/Wellendorf/Wriedel (21.11.2008) Anna Klimek TSV Wiepenkathen (22.11.2008) Franz Albers VfL Germania Leer (27.11.2008) Isabell Hartmann LG Eichsfeld (17.12.2008) Adelheid Rosenberg LG Peiner Land (20.12.2008) Bruno Schminke NLV-Kreis Delmenhorst (20.12.2008) Kim-Michelle und Mike Schwenke LG Delmenhorst/Diepholz (24.12.2008) Mareike Witt LG Delmenhorst/Diepholz (30.12.2008) Gerd Prüsmannn LG Nordheide (3.1.2009) Lisa Sauerwald und Familie LG Bremen-Nord (5.1.2009) Fabian Brunswig / Luca Bode LG Braunschweig (8.1.2009) Jennifer Meyer LG Delmenhorst/Diepholz (9.1.2009) Karl Spieler SV Lemwerder (10.1.2009) Czeslaw Pradzynski LAV Zeven (10.1.2009) Hans-Joachim Blecher LG Lüneburg Stadt-Land (14.1.2009) Renate Kohle TuS Eintracht Hinte (15.1.2009) Inga Reschke LG Bremen-Nord (21.1.2009) Pia Nikoleit Emder LG (5.2.2009) Jens Kösters LG Papenburg-Aschendorf (10.2.2009) Marie Dannenberg LG Wennigsen/Egestorf (13.2.2009) Sven Knipphals VfL Wolfsburg (14.2.2009) Inga Maria Müller LG Hannover (18.2.2009) Alexander Teuteberg Eintracht Hildesheim (18.2.2009) Wolfgang Lehmann TSV Wehdel (20.2.2009) Relef Saul TSV Wanna (23.2.2009) Sylvia Kuhlenkamp LG Nienburg (1.3.2009) Sebastian Bayer Bremer LT (4.3.2009) ----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- HAMBURGER ABENDBLATT / HARBURGER RUNDSCHAU vom 22. August 2008 Der Traum von Olympia Leichtathletik: Jana Sussmann gilt als Talent auf der Mittelstrecke Von Norbert Scheid Winsen. Jana Sussmann saß vor dem Fernseher, verfolgte mit ganz besonderen Gefühlen und Fantasien im "Vogelnest" in Peking die Vorläufe über 1500 Meter der Frauen bei den Olympischen Spielen. In vier Jahren in London möchte die 17-Jährige aus Winsen-Tönnhausen am Start stehen. Jana Sussmann von der LG Nordheide gehört zu den hoffnungsvollen Nachwuchs- läuferinnen, ist WM-Siebte der Juniorinnen. Über ihre Ziele und Hoffnungen sprach die Harburger Rundschau mit dem Mittel- strecken-Talent. Harburger Rundschau: Jana, bist Du gerade von einem Wettkampf nach Hause gekommen? Jana Sussmann: Ja, wir haben in Winsen eine kleine Laufserie, da bin ich über 3000 Meter in 9:34 oder 9:35 Minuten gelaufen, so genau weiß ich das nicht. Mein Trainer André Prüsmann hat mit zugerufen, das ist deutsche Jahresbestzeit, natürlich bei den Juniorinnen. HR: Bei der Juniorinnen-WM in Polen bist du über 1500 Meter Siebte geworden. Damit hast du das Tor zum großen internatio- nalen Sport aufgestoßen. Willst du bei den Olympischen Spielen 2012 in London dabei sein? Sussmann: Auf jeden Fall. Dann bin ich 21, das beste Alter für eine Mittelstrecklerin. HR: Das heißt aber auch, du wirst dein Leben auf London hin ausrichten, und auf viel Schönes verzichten müssen. Wie häufig trainierst du? Sussmann: Dreimal in der Woche sehr intensiv anderthalb bis zwei Stunden, zweimal zusätzlich etwas lockerer. HR: Ist das nicht zu wenig? Sussmann: Das weiß ich. Aber mein Trainer sagt, wir müssen Schritt für Schritt aufbauen. Es macht ja keinen Sinn, das Training plötzlich gewaltig anzuziehen. Dann würde mein Körper streiken. Bisher hatte ich noch nie eine ernsthafte Verletzung. Die Trai- ningspläne sind für diesen Winter mit 50 bis 60 Kilometern in der Woche auf den nächsten Sommer und nicht auf 2012 ausge- richtet. HR: Wer in London dabei sein will, muss mindestens zweimal am Tag trainieren, muss die Leichtathletik zum Beruf machen. Sussmann: Dazu bin ich ja auch bereit, aber noch nicht in den nächsten zwei Jahren. Seit gestern bin ich auf dem Gymnasium in Winsen in der 12. Klasse, in zwei Jahren mache ich mein Abitur. HR: Bei all den Lehrgängen, nationalen und internationalen Wettkämpfen, wie läuft es in der Schule? Sussmann: Der Rektor gibt mir frei, wenn meine Starts das erfordern. Meine Leistungen sind besser geworden. HR: Wie hast du dich über 1500 Meter verbessert? Sussmann: Ich habe mich auf 4:29,75 Minuten *) verbessert, damit bin ich 17 Sekunden schneller als im Vorjahr. HR: Und wie schnell rennt die Weltelite zurzeit in Peking? Sussmann: So um die 3:50 Minuten denke ich. HR: Also musst du noch rund 30 Sekunden aufholen, um bei den Olympischen Spielen anzukommen. Sussmann: Nur ahnen Außenstehende nicht, wie lang und hart der Weg dahin ist. HR: Man kann ja nicht mehr über Hochleistungssport reden, ohne nach Doping zu fragen. Bist du auch schon getestet worden? Sussmann: Nein, aber ich bin bei der Nada, der Anti-Dopingkommission registriert. Die haben mir eine Liste mit verbotenen Medi- kamenten zugesandt. Die muss ich beim Arzt vorzeigen. HR: Trotzdem musst du dich darauf einstellen, immer häufiger bei internationalen Wettkämpfen auf Gegnerinnen zu treffen, die durch verbotene Hilfsmittel Vorteile haben. Sussmann: Gerade erst sind ja zwei russische Mittelstrecklerinnen aufgeflogen, die in meinem Alter sind. HR: Macht es denn Sinn, so hart zu trainieren, dem Sport seine Jugend zu opfern und doch zu wissen, dass man in London ver- mutlich chancenlos ist? Sussmann: Auf jeden Fall ist das eine große Ungerechtigkeit. Ich hoffe, dass man in vier Jahren beim Kampf gegen Doping große Fortschritte gemacht hat. Für mich ist entscheidend: Du willst dabei sein. Allein beim Gedanken daran bekomme ich schon eine Gänsehaut. *) = Anmerkung Webmaster: Die Zeit wurde seitens der Redaktion falsch wiedergegeben. Richtig ist 4:19,75 Minuten, gelaufen am 30. Mai in Dessau.
REGIONALE RUNDSCHAU / SYKER KURIER vom 23. August 2008 Hübners Maße? 5,80 - 1,60 - 12,40 ! Die Leichtathletin ist deutschlandweit eine feste Größe Von Micha Bustian Stuhr/Klein Köhren. "Hanna Hübner ist ein offener Mensch, hübsch, kultiviert und intelligent." Das sagt jemand, der es wissen muss, "weil ich Hanna ja schon ein paar Jahre kenne": Klaus Düerkop. Was Hübners Trainer dabei vergessen hat: Sein Schütz- ling ist eine überaus talentierte Leichtathletin. Und damit die letzte Sportlerin in unserer kleinen Olympia-Serie. 15 Jahre alt ist die junge Frau vom LC Hansa Stuhr, und die ersten Sprossen auf er Karriereleiter hat sie schon erklommen. Jüngst erst nahm die B-Jugendliche an den Deutschen Meisterschaften im Blockwettkampf teil, holte trotz eines Infektes Rang acht - und war bitter enttäuscht. "Wenn man an Zwei gemeldet wird, hat man natürlich andere Ansprüche", gibt Hübner zu. "Letztes Jahr hätte ich mich noch gefreut, aber so . . ." Da konnte auch Betreuer Klaus Düerkop nicht trösten. Und auch die Tatsache, dass sie nach dem Wettkampf 39 Grad Fieber hatte, wirkte sich nicht seelenschmerzlindernd aus. "Unter normalen Umständen hätte Hanna den Wettbewerb gewonnen", mutmaßt Düerkop. Und das ist dann auch das nächste Ziel der Hanna H.: "Nächstes Jahr will ich bei den Deutschen Meisterschaften in den Weitsprung-Endkampf", schaut die Gymnasiastin positiv nach vorn. Und wenn man schon soweit gekommen ist, dann darf es auch eine Medaille werden. In ihrem Jahrgang ist Hanna Hübner deutschlandweit eine Nummer. 5,80 Meter im Weitsprung, 1,60 Meter im Hochsprung und 12,40 Sekunden über die 100-Meter-Strecke - das sind ihre Maße. Dass sie damit von Olympischen Spielen "noch ganz weit weg" ist, weiß sie selbst. Dennoch: Sie tut einiges, um als Weitspringerin den größtmöglichen Erfolg herauszuholen. In der Sommersaison wird dreimal pro Woche trainiert und am Wochenende geht es auf ein oder zwei Wettkämpfe. Im Winter verbringt Hübner ihre Freizeit zweimal wöchentlich mit Techniktraining, je einmal mit Übungen für Kraft und Ausdauer. Und am Wochen- ende finden die Einheiten mit dem NLV-Kader statt. "Hanna ist sehr trainingsfleißig", findet ihr Coach Klaus Düerkop. "Sie setzt Vorgaben hervorragend um, zudem läuft es in der Schule hervorragend, und ihre Eltern sind sehr kooperativ." Beste Voraussetz- ungen also. Zumal Mutter und Vater Hübner "keinen Druck ausüben", so Düerkop. Die Zehntklässlerin wurde einst von ihrer Grundschullehrerin Angelika Fecker für die Leichtathletik entdeckt und schloss sich zuerst einem Harpstedter Verein an. Als dieser Club geschlossen wurde, landete sie über Bekannte beim LC Hansa Stuhr. "Hier haben wir eine gesunde Mischung aus Spaß und Erfolg", weiß Hübner um die Vorzüge des LC Hansa. "Unsere Trainingsgruppe ist zwar klein, aber das sind inzwischen alles gute Freunde." Hanna Hübner scheint mit ihrem Leichtathletikleben hochzufrieden zu sein. "Der Erfolg macht es natürlich noch schöner", sagt sie. Doch die Ansprüche steigen. "Für die deutsche Spitze müsste sie um die 6,50 Meter springen", weiß Klaus Düerkop und ist sich nicht sicher, "ob sie das erreichen kann". Vier, fünf Zentimeter an Körperlänge müsse "meine Vorzeige-Dame" dafür noch zulegen, schneller werden und an ihrer Landung arbeiten. Aber Düer- kop sieht Hanna Hübners Stärken eigentlich eher in der Vielseitigkeit. "Schade, dass sie sich nicht für den Siebenkampf be- geistern kann, findet er. Ob sie damit größere Chancen auf die Olympia-Teilnahme hätte?. . . .
KURIER AM SONNTAG (Weser Kurier) vom 14. September 2008 Mister Laufabzeichen kann’s nicht lassen Auch mit 89 Jahren engagiert sich Helmut Frenzel noch für die Bremer Leichtathletik Von Marc Hagedorn Bremen. Das Herz des Deutschen Laufabzeichens schlägt in Sebaldsbrück. In einem sieben Quadratmeter großen Kämmer- chen an der Semmelweisstraße. Es ist alles da: Computer, Fax, Drucker, tragbares Telefon. Hier arbeitet Helmut Frenzel für den Bremer Leichtathletik-Verband, gibt Bestellungen raus, verschickt Laufabzeichen und Ausweiskarten, die sich fein säuberlich ab- gepackt in einem Schrank türmchenhoch stapeln. Helmut Frenzel ist 89 Jahre alt. An der Wand hängt eine Urkunde des Deutschen Sportbundes. Als Dank für die Verdienste, die sich Helmut Frenzel um das Laufabzeichen erworben hat. Auch der Deutsche Leichtathletik-Verband hat Frenzel schon ausgezeichnet - mit dem Carl-Diem- Schild, das in Bremen sonst nur noch Marion Poppen und Hermann Dressel erhalten haben. Gegenüber eine Tafel. Hier hat Frenzel Erinnerungsstücke gesammelt. Plaketten, Schleifen, Anhänger, Medaillen. Mehr als 250 Stück hat er in Zweier- und Dreierreihen festgepinnt. Souvenirs von Volksläufen, an denen er teilgenommen hat. In Hamburg, Kiel, Mainz, Ratzeburg oder Kassel. Hier die Urkunde vom Sportbund, dort die Medaillen von den Rennen. Zwischen diesen beiden Polen - zwischen der Arbeit als Funktionär und zwischen dem aktiven Sport - hat er sich stets bewegt. Helmut Frenzel hat in jungen Jahren Faustball und Hand- ball gespielt und natürlich Leichtathletik betrieben. Als 20-Jähriger läuft er die 100 Meter in 11,3 Sekunden. Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Rückkehr aus der Gefangenschaft dauert es bis 1964, ehe Helmut Frenzel wieder mit dem Sport anfängt. Parallel beginnt er als Breitensportwart für den Bremer Leichtathletik-Verband zu arbeiten, 24 Jahre lang laufen auch in Sachen Sportabzeichen bei ihm die Fäden zusammen. Erst 1988, da ist er schon 69, hört er mit dem aktiven Laufen auf. Nach einem Rennen in Schmallenberg im Sauerland. "In den Bergen also", schmunzelt Frenzel, der seit 1949 im "Flachland" Bremen heim- isch ist. Hier in Bremen hat er das Laufabzeichen eingeführt. Ein Jahr zuvor, 1973, hatte der Deutsche Sportbund bei einer Tagung in Mainz beschlossen, für den Laufsport ein Gegenstück zum damals bereits etablierten Schwimmabzeichen einzuführen. Ein Abzeichen fürs Laufen: ein graues "L" auf grünem Grund (15 Minuten ohne Pause), ein graues "L" auf rotem Grund (30 Minuten ohne Pause), ein graues "L" auf blauem Grund (60 Minuten ohne Pause). Später kamen weitere dazu: für 90 und 120 Minuten sowie für die Marathonstrecke. Um die Leute dafür fit zu machen, gründete Helmut Frenzel am 16. Dezember 1973 den ersten Lauftreff in Bremen, am Marcus brunnen im Bürgerpark. Der bekannte Bremer Sportreporter Helmut Poppen drehte für Radio Bremen wenig später einen Film darüber - da hatte das Deutsche Laufabzeichen auch in Bremen längst seinen Siegeszug angetreten. Nicht von ungefähr hängt in Helmut Frenzels Büro deshalb eine Collage, die mit dem Titel "...dem Vater der Lauftreffs in Bremen" überschrieben ist. Damit nicht genug der Ehre: Im Bürgerpark, dem Treffpunkt vieler Läufer in der Stadt, ist sogar ein Pavillon nach ihm benannt. Das alles erzählt er mit einer gehörigen Portion Stolz in der Stimme. Noch wichtiger als persönliche Anerkennung ist ihm aber der Sport an sich. Und deshalb kümmert er sich auch jetzt noch um das Laufabzeichen. Verschickt Broschüren und Anmelde- zettel an Schulen zum Beispiel. "Weil ich es unheimlich wichtig finde, dass die Menschen Sport treiben, dass sie sich bewegen", sagt Helmut Frenzel und geht mit seinen 89 mit gutem Beispiel voran. Jeden Morgen steigt er aufs Ergometer, das er auf seinem Balkon deponiert hat, und trifft 20 Minuten lang in die Pedale. Er könnte auch Walking oder Nordic Walking machen. Diese Sportarten, für die es inzwischen auch das Laufabzeichen in drei Stufen gibt, reizen ihn indes nicht so sehr. Wenn er selbst heute noch einmal die Wahl hätte zwischen Walking und Laufen, wäre die Entscheidung schnell getroffen. "Walking oder Laufen?" fragt er. "Natürlich Laufen."
Quelle: www.leichtathletik.de Jana Sussmann - Mit Trainingsplan zum Erfolg „Jana rennt“ könnte in Anlehnung an einen Spielfilm der Titel für die vergangene Saison von Jana Sussmann (LG Nordheide) lauten. Fünf persönliche Bestleistungen über alle Strecken von 400 bis 5.000 Meter, vier Top-Zwei-Platzierungen in der deutschen A-Jugend-Bestenliste sowie ein siebter Platz bei der Junioren-WM in Bydgoszcz (Polen) über 1.500 Meter stehen für sie derzeit zu Buche. Ihre Erklärung dafür: Die Trainingspläne des neuen Trainers. Seit Oktober vergangenen Jahres wird Jana Sussmann von A-Lizenz-Inhaber André Prüsmann... [weiter] (PDF) ==> Ein weiterer Bericht über Jana Sussmann vom 22.8.2008
SCHAUMBURGER NACHRICHTEN vom 29. Oktober 2008 Nächster Schritt für Supertalent Brodersen Rinteln (olz). Den Spagat beherrscht die erfolgreiche 15-jährige Leichtathletin Deborah Brodersen, die Deutsche Vizemeisterin im Siebenkampf der Schülerinnen von der LG Weserbergland, eigentlich ganz ordentlich. Nur wollte sie ihn nicht mehr täglich zwischen Schule und Training machen. Deshalb ist sie von ihrem Wohnort in Rinteln und der Trainingsstätte in Hameln zum Schuljahresbeginn in das Vollzeitsportinternat des Landessportbundes (LSB) nach Hannover gewechselt. “Täglich zwei Stunden habe ich für den Weg von und zum Training gebraucht, das war einfach zu viel”, erzählt Brodersen in ihrem schönen Zimmer auf dem Internatsgelände im Sportpark Hannover, das sie mit der ein Jahr älteren Weitspringerin Neele Eckhardt vom TSV Asendorf teilt. “Wir gehen beide in die gleiche Klasse des Gymnasiums Humboldtschule in unmittelbarer Nähe, werden hier gut verpflegt - und nach den Schularbeiten sind wir in fünf Minuten beim Training nebenan im Sportleistungszentrum.” Damit hat sie Schule und Sport, so sagt sie, unter einen Hut bekommen und - was ihr wichtig war - für die Schule wieder mehr Zeit zur Verfügung. Im Internat lebt sie mit 32 Sportlern zusammen, sieben davon sind Leichtathleten. “Ich fühle mich hier sehr wohl. Es ist alles sehr familiär, und alle sind hier sehr nett.” Gewöhnen musste sie sich an die Belastung von nun sechs statt bisher vier Trainingsein- heiten. Hohe Belastungen, allerdings auch viel Spaß, brachten kürzlich die vier Tage beim DLV-Kaderlehrgang in Heidelberg zu- sammen mit der deutschen Siebenkampf-Elite der Frauen und ihrer zukünftigen Trainerin Beatrice Mau. Lob gibt es auch vom Landestrainer Frank Reinhardt, der sie bisher in Hannover betreut: “Deborah hat sich hier gut eingelebt und in die Trainingsgruppe eingebracht. Ihre Defizite vor allem im sprung-koordinativen Bereich hat Deborah seit August erheblich verbessert.” Besonders der Transfer gelinge ihr sehr schnell. “Sie ist in der Lage, Gesagtes sehr schnell umzusetzen, und ist mit dieser Fähigkeit auch beim Bundes-Kaderlehrgang positiv aufgefallen.” Mit dem Übergang von der Schüler- zur B-Jugend-Klasse wird es für sie einige Umstellungen in den Disziplinen des Sieben- kampfes geben. So wird die Kugel um ein Kilogramm schwerer, die Hürdenabstände verändern sich - und die Sprintstrecken werden länger. “Aber ich traue mir auch zu, in der neuen Klasse wieder vorn mitzumischen”, gibt sich Brodersen selbstbewusst. “Wir wollen mal schauen - im nächsten Jahr ist die U-18-Weltmeisterschaft im italienischen Brixen, und wenn ich mich dafür qualifizieren kann, wäre ein internationaler Auftritt auch sehr schön”, hat die Rintelnerin klare Ziele im Auge. Durchaus gute Chancen für eine Qualifikation sieht auch ihr Trainer Frank Reinhard, der sie jedoch behutsam aufbauen möchte. Allerdings wäre er Brodersen nicht böse, wenn es bei der “Quali” im nächsten Jahr in Ratingen, wo sie 5200 Punkte erreichen muss, nicht klappt. Ihre Defizite sieht sie realistisch und will daran arbeiten. Leistungssteigerungen hält sie vor allem im Speerwurf, Sprint und in der allgemeinen Technik für möglich. Die längeren Hürdenabstände kommen ihr bei ihrer Körpergröße von 1,80 Meter entgegen. Im Hochsprung gilt es, den eigenen Landesrekord von 1,80 Meter zu bestätigen oder zu optimieren - und im Weitsprung ist auch noch mehr drin. Ihr ganz großes Ziel, die Olympischen Spiele 2012 in London, hat die Rintelner Sportlerin des Jahres 2007 auch weiterhin fest im Kopf, besonders deshalb, weil sie durch ihren britischen Vater dort Verwandtschaft hat. In den nächsten zwei Wochen steht für “Debbie”, wie sie von ihren Freunden gerufen wird, erst mal ein Berufspraktikum an. Danach steht ihre neue Mehrkampftrainerin Beatrice Mau, die ab Januar beim NLV fest angestellt wird und sie auch bei Wettkämpfen betreuen wird, ganz zu ihrer Verfügung. Es werden noch weitere niedersächsische Mehrkämpfer zu dieser Gruppe stoßen und einen neuen Landes- kader bilden. In ihrer Freizeit, davon hat sie im Internatsleben in der Landeshauptstadt inzwischen auch mehr als bisher, spielt sie gern Gitarre und schaut sich die Geschäfte der hannoverschen Innenstadt an - und von der neuen Ernst-August-Galerie ist sie echt begeistert. Heimweh verspürt sie nicht: “Aber meine Freundinnen und Trainingskameradinnen Monja, Marie, Vera, Julia und meine alten Schulfreunde aus Rinteln vermisse ich schon, auch wenn wir oft telefonieren.”
REGIONALE RUNDSCHAU / SYKER KURIER vom 6. November 2008 Auf altbewährte Art zu neuen Erfolgen Läuferin Birgit Niemann-Scheffel so gut wie nie zuvor Von Jens Hoffmann Stuhr. Es sind oft die kleinen Zufälle des Lebens, die große Auswirkungen und Veränderungen nach sich ziehen. Bei Birgit Niemann-Scheffel ist das ähnlich gewesen. Sie war schon seit langem eine ambitionierte Läuferin gewesen, die bevorzugt am Werdersee ihre Runden drehte. Meistens alleine. Doch bei einer dieser Nur-für-sich-Trainingseinheiten wurde sie unvermittelt an- gesprochen - von Hartmut Selz, Trainer beim LC Hansa Stuhr. Fortan lief Birgit Niemann-Scheffel nur noch selten alleine, denn Selz erkannte ihr großes Potenzial und bot ihr eine individuelle, leistungsorientierte Betreuung ein. Die ehemalige Handballerin ließ sich überzeugen. Gut für sie. Es folgten viele gemeinsame Kilometer in Brinkum auf der Bahn, entlang der Ochtum, am Werdersee - wo auch immer. Die Erfolge stellen sich rasch ein - und das auf ganz bewährte Art. Denn der 60-jährige Selz ist ein Vertreter der alten Schule - zumindest was das Laufen anbelangt. Er arbeitet nach traditionellen Methoden und verzichtet bewusst auf Leistungsdiagnostik oder Herzfrequenz-Laktatmessungen. Motto: "Was vor zwanzig Jahren gut war, ist heute auch noch gut." Bei Birgit Niemann-Scheffel war es in jedem Fall gut, was sich besonders im laufenden Jahr gezeigt hat. Die 44-Jährige wurde Niedersächsische Cross-Meisterin der Seniorinnen 40. Sie war beste Lokalmatadorin beim Bremen-Mara- thon in sehr guten 3:19:55 Stunden - eine neue persönliche Bestleistung. Nicht ihre einzige in 2008. Auch über die 3000 Meter (11:34 Minuten), 5000 Meter (19:56 Minuten) und 10 000 Meter (41 Minuten) war sie so schnell wie nie zuvor. Deshalb fällt ihr Fazit nicht sonderlich überraschend aus: "2008 war ein super Jahr für mich", sagt sie und kündigt gleichzeitig eine kleine Wett- kampfpause an - bis zum Silvesterlauf in Fahrenhorst. Das Jahr ist noch nicht vorbei . . .
OSTFRIESEN ZEITUNG vom 20. November 2008 Ein Leben für die Leichtathletik 80-jährige Ingrid Eilers ist seit über 30 Jahren Trainerin beim Norder TV Von Maike Duis Norden. Sie steht mindestens zweimal pro Woche in der Sporthalle oder auf dem Sportplatz. Sie hat noch immer ein geschultes Auge für Talente und versucht, diese an die Spitze zu bringen. Und das auch noch nach mehr als 30 Jahren. Die 80-jährige Ingrid Eilers aus Norden ist Trainerin, wenn nicht sogar “die” Trainerin des Turnvereins Norden (NTV). Seit 1947 ist sie mit kurzen Unter- brechungen Mitglied des NTV und machte sich in ihrer aktiven Zeit als Sprinterin und Mehrkämpferin einen Namen. Sie trat zu- sammen mit der Leeranerin Lena Stumpf, Weltrekordlerin und Deutschlands Sportlerin des Jahres 1949, in der Staffel an. 1975 entschied sich Ingrid Eilers, ihre sportliche Laufbahn zu beenden und ihr Wissen als Trainerin weiterzugeben. Seitdem hat sie un- zählige Kinder und Jugendliche für die Leichtathletik begeistert und angeleitet. Viele Top-Athleten des NTV genossen bei ihr eine vielseitige Ausbildung. Unter ihnen unter anderem Frank Müller, Weltklasse-Mehrkämpfer und zweifacher Teilnehmer bei den Olympischen Spielen oder Mareike Blum, Deutsche Jugendmeisterin im Hochsprung. Zurzeit trainiert Ingrid Eilers, deren Sohn und Schwiegertochter auch als Trainer tätig sind, zweimal pro Woche Schülerinnen im Alter von zehn bis 14 Jahren in der Sport- halle Wildbahn, montags und donnerstags von 17 bis 19 Uhr. Im Notfall hilft sie auch am Dienstag und Freitag bei den Jungen aus. Auf die vielen Auszeichnungen und Preise, die sie mit der Zeit erhielt, legt Eilers nicht so viel Wert. Stolz ist sie aber auf die Ver- leihung des “Grünen Bandes” an den NTV für hervorragende Talentförderung in der Leichtathletik im Jahr 1988 und die damit ver- bundene Auszahlung von 10 000 Mark. “Damit haben wir damals einiges bewirken können”, so Eilers. Es ist ihr Anerkennung ge- nug, wenn die Schüler Spaß an der Leichtathletik haben und dem Sport treu bleiben. “Dann macht es auch mir Spaß.” Und die Schüler kommen immer wieder gerne. Beim Training am vergangenen Montag turnten 30 Mädchen in der Wildbahnhalle. Davon träumen Leichtathletiksparten anderer Vereine. Doch ganz so rosig läuft es auch beim Norder TV nicht. Vor fünf Jahren hat Ingrid Eilers die Abteilungsleitung Leichtathletik abgegeben, doch es fand sich kein Nachfolger. So ist die Seniorin immer noch für viele Ansprechpartnerin, organisiert und delegiert. Die Hauptaufgabe ihrer ehrenamtlichen Arbeit ist und bleibt aber: Schüler zum Sport zu motivieren, damit sie etwas für ihren Körper tun und Erfolgserlebnisse haben, “die sehr wichtig für die Entwicklung sind”. Dafür sei die Leichtathletik genau richtig, weil sie eine faire Sportart ist, die den ganzen Körper trainiert. “Sie ist nie einseitig, sondern vielseitig und ergänzt den Schulsport. Die Leichtathletik ist einfach gut”, so Ingrid Eilers.
WESER KURIER vom 20. November 2008 Der Beruf geht vor Langstreckenläufer David Karl plant trotz grandioser Zeiten keine Profilaufbahn Von Tobias Dohr Bremen. Man stelle sich vor: Ein hoch talentierter Nachwuchsradfahrer kommt in eine fremde Stadt. Er darf aufgrund einer Ver- letzung nicht mehr Radeln. Deshalb fängt er das Laufen an. Privat und eigentlich nur so für sich. Irgendwann meldet sich dieser junge Mensch für einen Marathon an - und läuft die lokale Konkurrenz in Grund und Boden. Geht nicht? Geht doch. David Karl ist das perfekte Beispiel dafür. Und was darüber hinaus nahezu unglaublich anmutet: Der gebürtige Unterfranke hegt keinerlei Ambi- tionen, sein offensichtlich extrem ausgeprägtes Lauftalent für weitere Bestzeiten zu fördern. Doch zunächst die Fakten: David Karls Laufbahn begann vor zehn Jahren mit dem Fußball. Mit 18 entdeckte der heute 22-Jährige seine Leidenschaft für das Moun- tainbiking. Innerhalb von zwei Jahren wurde er Sechster bei der Deutschen Meisterschaft und schaffte es bis in den bayerischen Landeskader. Nach einem schlimmen Sturz musste ihm ein Schleimbeutel im Knie entfernt werden, das Ende der Fahrrad- karriere. David Karl kam dann im Zuge seiner Piloten-Ausbildung Anfang 2007 nach Bremen und fing hier zum Ausgleich mit dem Aus- dauerlaufen an. Im Frühjahr meldete er sich für den Hamburg-Marathon an. Und es begann die "Bremer Laufbahn" dann erst so richtig für den Bayer. "Nach dem Hamburg-Ergebnis wurde ich von der Leichtathletik-Abteilung von Werder angesprochen", er- innert sich David Karl. Er musste nicht lange überlegen, perfekte Trainingsmöglichkeiten, dazu eine leistungsstarke Laufgruppe waren gute Argumente. Seitdem trägt er die Werder-Raute auf der Brust und drehte sogar schon seine Runden in unmittelbarer Nähe zu Frings und Diego. "Eigentlich bin ich ja Bayern-Fan", gibt Karl zu, aber mittlerweile habe er auch "eine große Sympathie für Werder. Das ist einfach ein unheimlich familiärer Verein". Doch zurück zu den harten Fakten, die belegen, wie stark David Karl zuletzt lief. Persönliche Bestzeiten stehen mittlerweile auf der Tagesordnung, wenn der Langstreckler an den Start geht. In Berlin brauchte er für die 42,2 Kilometer 2:30:31 Stunden. Wenn man bedenkt, dass die Siegerzeit des aktuellen Deutschen Meisters Martin Beckmann bei 2:18:30 Stunden liegt, wird deutlich, wie nah Karl schon an der deutschen Spitze dran ist. Seine Bestzeit über zehn Kilometer liegt bei 33:57 Minuten. Vor wenigen Wochen lief er beim Halbmarathon in Amsterdam nach 1:10:16 Stunden als Zweiter der Gesamtwertung (!) über die Ziellinie - bei immerhin 15 000 Startern. In der Teamwertung der deutschen Jahresbestenliste wird er mit seinen Werder-Kollegen Jan Oude- Aost und Tim Krüger einen Platz unter den Top 15 einnehmen. Und dabei darf nie vergessen werden: David Karl ist erst seit rund eineinhalb Jahren ein mehr oder weniger ambitionierter Läufer Aber trotz dieser unglaublichen Fortschritte und Erfolge hegt der junge Sportler nicht einen einzigen Gedanken an eine Profilauf- bahn. "Der Beruf ist mir wesentlich wichtiger. Es war immer mein Traum Pilot zu werden", sagt er. Eine durchaus gesunde Ein- stellung, wenngleich sich so mancher Sportler ob dieser Einstellung möglicherweise an den Kopf fassen wird. Denn wer kann schließlich schon von sich behaupten, in einer Sportart innerhalb von zwei Jahren bis an die nationale Spitze herangestürmt zu sein.
ALLGEMEINE ZEITUNG UELZEN vom 21. November 2008 Ihr Ziel: Starten bei Olympia Für Laura Boss geht erfolgreichstes Wettkampfjahr zu Ende / Im C-Kader des DLV Uelzen. Für die Dreispringerin Laura Boss von der LG Hanstedt/Wellendorf/Wriedel geht ihr bisher erfolgreichstes Wettkampfjahr zu Ende. Zuletzt berief sie der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) in den C-Kader Sprung. Die noch 16-Jährige gehört 2008 zu den besten Wettkämpferinnen der Region. Die von den AZ-Lesern im Februar zur "Sportlerin des Jahres" gekürte Laura Boss verbesserte in der Hallensaison ihren eigenen Kreisrekord um 20 Zentimeter auf 11,52 Meter. Auf Bezirks- und Landesmeister- schaften belegte sie stets Podestplätze. Ihren bis dato größten sportlichen Erfolg erzielte Boss bei den Deutschen Jugend- meisterschaften in Berlin. Sie gewann im Dreisprung der weiblichen Jugend B die Bronzemedaille und stellte mit 11,99 Metern einen neuen Kreisrekord auf. Der Lohn: Sie trug beim U18-Länderkampf gegen Polen die bundesdeutschen Farben. Im AZ-Inter- view spricht Laura Boss über Erfolge und Träume. AZ: Laura, wie würden Sie den Saisonverlauf beschreiben? Laura Boss: Am Jahresanfang habe ich mich gefreut, bei den Deutschen Jugendmeisterschaften starten zu können. Für mich war dies schon ein riesiger Erfolg. Obwohl meine Trainingsbedingungen nicht optimal sind, ist es mit Hilfe meines Trainers gelungen, meine Saisonziele, das Finale bei der Deutschen Jugendmeisterschaft im Dreisprung zu erreichen und zwölf Meter zu springen, zu verwirklichen. Dass dabei auch noch eine Bronzemedaille heraussprang, ist um so schöner. Sie sprachen die Trainingsbedingungen an. Was meinen Sie damit? Es wäre schön, wenn mein Erfolg dazu beiträgt, dass wir endlich die lang ersehnte Sportanlage bekommen. Ich hoffe, dass die Stadt dieses Projekt endlich in Angriff nimmt. Dies würde nicht nur mich, sondern auch andere Athleten aus unserer Region weiter voranbringen. Haben Sie mit einer Berufung in den C-Kader gerechnet? Nein, ich war völlig überrascht. Aber irgendwie ist es ein tolles Gefühl, zu den besten Nachwuchsleuten in Deutschland zu ge- hören. Bereits für Deutschland beim Länderkampf zu starten, war etwas ganz Besonderes. Was möchten Sie in Ihrem Sport noch erreichen? Immer vorausgesetzt, ich bleibe von Verletzungen verschont, ist mein größtes Ziel die Teilnahme an Olympischen Spielen. Doch das ist noch ein schwerer und trainingsintensiver Weg bis dahin.
STADER TAGEBLATT vom 22. November 2008 Anna will noch besser werden Hürdenlauf und Studium: Anna Klimek verfolgt beides ehrgeizig und bleibt der Heimat treu Von Claudia Chwialkowski Himmelpforten. “Ich würde gern mal internationale Norm laufen", sagt Anna Klimek vom TSV Wiepenkathen, als die Redakteur- in sie nach ihrem sportlichen Traum fragt. Und für diese eine Sekunde, die ihr noch fehlt und die im Hürdensprint eine kleine Ewigkeit bedeutet, will die 20-Jährige aus Himmelpforten in ihrer Heimat weiter trainieren. Anna Klimek geht nicht nach Lever- kusen oder anderswo, wie andere Sportler, damit sie bessere Trainingsbedingungen hat. “Ich hab hier ja alles: Trainer, Freund, Pferd." Außerdem seit Oktober einen Studienplatz für Physiotherapie an der Buxtehuder Hochschule 21. “Ich hab Glück gehabt, dass ich hier bleiben konnte." Denn dort werden jährlich nur 48 Studierende angenommen. Und Physiotherapie sollte es unbe- dingt sein, schließlich solle die Arbeit später ja Spaß machen. Also könnte Anna ihr Ziel erreichen: “Arbeiten und weitermachen." Weitermachen mit dem Leistungssport. “Deutsche Spitze wäre schon klasse", platzt es aus ihr heraus, obwohl sie sich eigentlich nicht so viel vornehmen möchte, um nicht enttäuscht zu werden. Einem ihrer Ziele ist Anna aber schon ganz nahe: “Schön wäre es, wenn ich konstant unter 14 laufen würde." Das hat sie mit 13,88 sec. über 100m Hürden im Sommer bei den Deutschen Juniorenmeisterschaften schon einmal geschafft. Dafür, dass das öfter klappt, will Anna viel tun. Am Ende ihrer Studientage geht es für zwei Stunden zum Sport, die Sportschuhe hat sie immer im Gepäck. Und abends wird eine Stunde lang gelernt, derzeit Anatomie. “Wir müssen immer lernen, sonst schaffen wir's nicht." Aber obwohl Anna nicht gern liest, ist sie im Studium genauso ehrgeizig wie im Sport. Zum Training muss sie sich hingegen kaum zwingen. Am liebsten mag sie das Hürdentraining. Die Hürdenüberquerung muss optimiert werden, möglichst wenig Zeit beanspruchen, außerdem wird der Sprint zwischen den Hürden trainiert. Annas Trainer Gerd Prinzler vom TSV Wiepenkathen achtet ferner darauf, dass sie ihre Sprintausdauer trainiert, weil sie “nach 70m schwächelt". Lange Läufe über 800 oder 1000 m mag Anna nicht. Zumal sie nicht mit Kopfhörer laufen darf, damit sie sich auf ihre Atmung konzentrieren kann. Ihr Kommentar: “Langweilig." Das ist auch der Grund, warum Anna lieber Hürden- als Flachsprint mag, bei dem es ja “nur geradeaus" gehe, und warum sie zusätzlich Mehrkampf macht Im Gegensatz zu ihren großen Brüdern, mit denen sie schon als Dreijährige in die Weitsprunggrube gehüpft ist, ist Anna bei der Leichtathletik geblieben. Und ungefähr mit zwölf sei ihr klar geworden, dass sie mehr will. Bei ihrem ersten Trainer Jörg Rainer Gast in Oldendorf habe sie gemerkt: “Wenn man hart trainiert, wird man immer besser." Mittlerweile sei es schwieriger geworden, sich weiterzuentwickeln. “Aber ein bisschen geht noch." Die Olympia-Norm lag dieses Jahr bei 12,89 sec.
OSTFRIESEN ZEITUNG vom 27. November 2008 70 Marathon-Läufe mit 70 sind kein Zufall Leichtathlet Franz Albers von Germania Leer feierte am Dienstag runden Geburtstag Von Günther Czempiel Leer. 70 Marathon-Läufe hat Franz Albers bislang absolviert. Das ist kein Zufall. Der Leichtathlet von Germania Leer sorgte mit Hinblick auf seinen 70. Geburtstag am Dienstag dafür, dass die Zahlen übereinstimmten. “Man fühlt sich körperlich und geistig frischer”, erklärt Albers, warum ihm sportliche Betätigung so am Herzen liegt: “Und man lernt viele Menschen kennen.” Der ehe- malige Gerichtsvollzieher treibt täglich Sport und steigert sein Trainingspensum auf 100 Kilometer in der Woche, wenn er sich auf einen Marathon vorbereitet. Denn einfach nur mitmachen reicht Albers nicht. Er ist ehrgeizig und wollte lange Zeitam liebsten jedes Mal die 42,195 Kilometer lange Distanz in weniger als drei Stunden zurücklegen. Inzwischen hat Albers akzeptiert, dass es trotz intensiver Vorbereitung und bewusster Ernährung Leistungsgrenzen gibt. Sein Ehrgeiz leidet darunter jedoch nicht. So belegte er in diesem Frühjahr bei den Deutschen Marathon-Meisterschaften den dritten Platz in der Altersklasse M 70. Seine Zeit: 3:39:36 Stunden. Als Albers mit Mitte 30 immer mehr Probleme mit dem Treppensteigen bekommen hatte, begann er zu joggen. Der kürzlich ver- storbene Leichtathletik-Obmann von Germania Leer, Werner Ostermeyer, ermunterte ihn, sich auf die Marathon-Strecke zu wagen: “Werner war immer für seine Läufer da und hinterlässt eine Riesenlücke, die so schnell nicht zu schließen ist.” Im April 1983 bewältigte der Germane in Bremen erstmals die Marathon-Distanz und erreichte in 3:01:58 Stunden das Ziel. Erst zwei Jahre später bestritt er den zweiten Marathon. “Die große Zeitspanne kann ich heute nicht mehr erklären”, gibt Albers zu, der alle Strecken von 1500 Meter an aufwärts in Angriff nimmt. Crossläufe im Winter dienen ihm dazu, Wettkampf-Härte zu erlangen. “Man muss sich schon überwinden, um bei Eis und Schnee durch den Wald zu laufen”, bekennt er. Der Spaß am Laufen und am Reisen führte Albers durch die ganze Welt. Häufig war Vereinskollege Wolf Trabert mit von der Partie. Der Berlin- Marathon 1990 nach dem Mauerfall, das Rennen in Barcelona ein Jahr vor den Olympischen Spielen oder Starts in den USA zählt Albers zu den Höhepunkten. “Von alleine wäre ich nicht so schnell in diese Länder gefahren”, bekennt er. “Der Sport hat mich dazu gebracht.” Dabei stellte er auch fest, dass “Laufen ein hervorragendes Mittel ist, um durch schwierige Lebenssituationen zu kommen - egal, welcher Art”. In unangenehmer Erinnerung hat Albers den Innsbruck-Marathon 2004. Die Strecke ging nur bergab bei einem Höhenunterschied von 800 Metern. “Das war brutal”, erzählt Albers. “Bei jedem Tritt spürte ich einen Schlag in den Oberschenkeln. Nach dem Wettkampf war ich nicht mehr in der Lage, zur Siegerehrung zu gehen.” Die Freude an seinem Sport verlor Albers, der auch gerne liest oder im Garten arbeitet, dadurch nicht. “Das Laufen ist eine wunder- bare Nebensache, aber nicht das Wichtigste im Leben”, nennt der 70-Jährige seine Einstellung. Bei sportlichen Zielen hält sich Albers allerdings zurück: “Ältere Läufer sind dankbar, dass sie überhaupt laufen können.” Doch ein drittes Mal in Los Angeles möchte er schon starten: “Das Sonnenwetter ist herrlich und die Stadt breit gefächert. Die Erinnerungen sind noch nach 17 Jahren da, weil es einfach schön war.”
EICHSFELDER TAGEBLATT vom 17. Dezember 2008 Isabell Hartmann wechselt zur LG Weserbergland Sprinterin Isabell Hartmann sieht bei der Leichtathletik-Gemeinschaft (LG) Eichsfeld keine Perspektive mehr zur persönlichen Leistungssteigerung. Deshalb wechselt die 19-jährige Bilshäuserin zum Saisonende zu Beginn des neuen Jahres zur LG Weser- bergland. Seit ihrem achten Lebensjahr geht Hartmann für die LG Eichsfeld beziehungsweise den TV Germania Gieboldehausen an den Start. Sie hält nach Auskunft ihres Trainers Hartmut Hublitz im Sprintbereich alle Eichsfeld-Rekorde in sämtlichen Nach- wuchsaltersklassen. Mit 24,78 Sekunden über 200 Meter und 12,31 Sekunden über 100 Meter zählte sie zu den besten 20 Sprinterinnen in der weiblichen Jugendklasse, ehe sie in den vergangenen zwei Jahren durch Verletzungspech in ihrer Leistungs- entwicklung gebremst wurde. Nach der nun überstandenen langwierigen Verletzungspause will die Abiturientin jetzt zu ihrer alten Leistungsstärke zurückfinden. Da sie bei der LG Eichsfeld im Training jedoch mangels Konkurrenz nicht stark genug gefordert wird, hat ihr Hublitz den Vereins- wechsel vorgeschlagen. Im Trikot der LG Weserbergland gehen in der kommenden Saison allein vier junge Sprinterinnen der Jahr- gänge 1986 bis 1989 ins Rennen, mit denen sich die Eichsfelderin künftig messen muss. Die höheren Anforderungen im Training, hofft Hartmann, könnten ihr dabei helfen, ihre alten Bestzeiten so rasch wie möglich wieder zu erreichen und letztlich auch zu toppen. Ihr Ziel ist es, sich bei den Juniorinnen und vielleicht sogar auch bei den Frauen für die 4x100-m-Staffel der LG Weser- bergland zu qualifizieren. Bei der LG Eichsfeld gab es zuletzt keine Staffel mehr, da mehrere Sprinterinnen nach und nach mit dem Sporttreiben aufgehört hatten. Neben der Konkurrenz (aus Hartmanns Altersgruppe ist nur noch die Duderstädterin Vera- maria Merten für die LG Eichsfeld aktiv) fehlte laut Hublitz auch ein persönlicher Sponsor für die hochtalentierte Sprinterin. Zwar hätten Hartmanns Stammverein TVG Gieboldehausen und der LGE-Förderverein die Fahrt- und Übernachtungskosten für ihren Start bei Meisterschaften übernommen, aber alle übrigen Kosten (Ausrüstung, Fahrtkosten zum Training und weiteren Wett- kämpfen) hätten von Hartmanns Eltern und von ihm getragen werden müssen, berichtete Hublitz. Unterstützung habe die Bils- häuserin bei der Rehabilitation allerdings durch das Therapiezentrum Müller in Gieboldehausen und Bilshausen sowie durch das Fitness-Studio Kunze in Mingerode erhalten, lobte ihr Trainer. Hublitz wird auch weiterhin als Hartmanns Trainer fungieren. Dazu wurden, wie beide erläuterten, in den Gesprächen mit Werner Scharf, Trainer bei der LG Weserbergland und beim Niedersächsischen Leichtathletik-Verband, entsprechende Vereinbarungen getroffen. Es sei ihr wichtig, auch weiterhin mit Hublitz an der Fortentwicklung ihrer Sprintkarriere arbeiten zu können, betonte Hartmann: “Der Wechsel ist nach gut zehn Jahren schon etwas komisch - ich brauche darum auch die Anbindung.” Scharf und Hublitz sollen in Zukunft gemeinsam ihren Trainingsplan gestalten, erklärte die 19-Jährige. Wochentags werde sie vornehmlich unter Hublitz’ Anleitung trainieren, erzählte sie, und am Wochenende stehe jeweils das Staffeltraining im Sportleistungszentrum in Hannover auf dem Programm. Hartmann freut sich auf die guten Trainingsbedingungen in der Landeshauptstadt sowie das neue Gruppengefühl im Training und Wettkampf - beides werde ihre Motivation neu anstacheln, ist sie überzeugt. Trotz aller Zielsetz- ungen (“Ich will meine alten Topleistungen und die besseren Sprinterinnen erreichen”) ist Hartmanns größter Wunsch jedoch ganz bescheiden: “Ich möchte endlich wieder verletzungsfrei durchkommen...”
PEINER ALLGEMEINE ZEITUNG vom 20. Dezember 2008 Auch mit 74 Jahren noch “kugelsicher” Von Christian Meyer Selbst in der Winterpause kann sich Adelheid Rosenberg (LG Peiner Land) von ihrem Drei-Kilo-Liebling nicht trennen. Die Metall- kugel liegt immer griffbereit für ein paar Lockerungsübungen neben dem Fernsehsessel. Auch mit 74 Jahren ist die Vöhrumerin noch ein Ass im Kugelstoßen - und will es möglichst noch lange bleiben. “Mir würde es sehr, sehr fehlen, wenn es mal heißt, es geht nicht mehr”, betont die erfolgreiche Senioren-Leichtathletin. Vor 60 Jahren startete Adelheid Rosenberg ihre Leichtathletik-Laufbahn. Den Anschub gab ihre Englischlehrerin an der Grund- schule Groß Lafferde. "Sie hat mich beim Weitsprung beobachtet und mir zur Leichtathletik geraten”, erzählt Adelheid Rosen- berg. Die Lehrerin hatte ein Blick für das Talent. Noch im selben Jahr erreicht die junge Sportlerin bei den Vereinsmeisterschaften des MTV Groß Lafferde unter ihrem Geburtsnamen Loebner im Dreikampf den ersten Platz. Ihre erste Urkunde hat bis heute einen Ehrenplatz. Viel trainiert hat Adelheid Rosenberg anfangs noch nicht. “Das war die Nachkriegszeit. Da war Bucheckern sammeln oft wichtiger als Sport”, erinnert sie sich. Als Flüchtling aus Oberschlesien war sie 1945 nach Groß Lafferde gekomm- en. 1952 zog sie mit ihrer Familie nach Peine und trat dem MTV Vater Jahn bei. Dort entwickelte sie sich zunehmend zur Wurf- spezialistin, schleuderte den Diskus und stieß die Kugel. Nur der Speerwurf lag ihr nicht. “Dabei habe ich mir mal den Arm ver- dreht”, erklärt sie ihre Abneigung. Zuneigung empfand sie hingegen für Dieter Rosenberg. Bei einer Tanzveranstaltung über dem Deli-Kino in Peine lernte die ge- lernte Sparkassenkauffrau den gebürtigen Göttinger kennen und lieben. Heute feiern beide ihren 45. Hochzeitstag. “Dieter ist mein Kugelputzer”, sagt sie scherzhaft. Er ist weitaus mehr. Ehemann, Motivator, Chronist. Sauber hat er alle Erfolge seiner Frau seit 1948 aufgelistet. Es ist einiges zusammengekommen. 40-mal holte sie einen Kreismeistertitel, 21-mal eine Bezirksmeisterschaft, 13-mal einen Landestitel, 11-mal eine Norddeutsche Meisterschaft. Und auch bei den Deutschen Meisterschaften der Senioren stand sie auf dem Treppchen, erkämpfte dreimal Silber und viermal Gold. “Von 121 Wettkämpfen, die sie bestritten hat, hat sie 96 gewonnen”, berichtet Dieter Rosenberg stolz. Zwei- bis dreimal pro Woche trainiert sie im Sommer. Ganz früh morgens zieht es die Rosenbergs zum Jahn-Sportplatz. “Der Kuckuck wartet schon immer auf uns”, berichtet Adelheid Rosenberg von der morgendlichen Trainings-Idylle. Nach der Aufwärm- gymnastik absolviert sie rund 20 Trainingsstöße. Die Kugel fliegt an die acht Meter heran. Sportabzeichen-Teilnehmer wissen, dass das eine starke Leistung ist. Zum Vergleich: 18 bis 29-jährige Frauen müssen mit der Vier-Kilo-Variante “nur” 6,50 Meter stoßen, um die Abzeichen-Anforderungen zu erfüllen. “Ich lebe von meiner Technik”, sagt Adelheid Rosenberg. Und von ihrem Elan. Im Winter hält sie sich mit dem Trimm-Rad und Hanteln fit, damit sie im Sommer bei den Senioren-Wettkämpfen wieder vorne mitmischen kann. Wichtig ist ihr allerdings nicht nur eine gute Platzierung. “Ich mag die Geselligkeit bei den Senioren- Wettkämpfen. Vor einigen Jahren bei den Deutschen Meisterschaften in Weinstadt ging es zu wie beim Oktoberfest”, verdeutlicht sie. Die Rosenbergs sind gerne unter Menschen, gehen essen und besuchen Jazz-Konzerte. Selbst bei einem Konzert vom Erfinder der singenden Gitarrenriffs, Carlos Santana, war Adelheid Rosenberg jüngst noch mit ihrem Sohn. Ihre Energie hat sie vererbt. Sohn Olaf ist Leiter Energiewirtschaft bei den Stadtwerken Peine und ebenfalls ein guter Kugelstoßer. Bei den Senioren-Landes- meisterschaften im Sommer erkämpfte er in der M35 den Vizetitel. “Als kleiner Junge haben ihn meine Wettkämpfe gar nicht interessiert. Da hat er lieber mit anderen Kindern in der Weitsprung-Anlage gespielt”, erzählt Adelheid Rosenberg. Inzwischen genießt sie es, gemeinsam mit ihrem Sohn bei Meisterschaften anzutreten und die Kugel fliegen zu lassen.
DELMENHORSTER KREISBLATT vom 20. Dezember 2008 “Mr. Leichtathletik” erhält Lohn für außerordentliche Verdienste NLV-Präsidentin Rita Girschikofsky überreicht Bruno Schminke Ehrenmedaille Von Klaus Erdmann Delmenhorst. Bruno Schminke besitzt sehr viele Auszeichnungen. Schließlich übernahm er 1952 seinen ersten Übungsleiter- Posten, der den Anfang eines beachtlichen Werdeganges als Funktionär markierte. Eine Karriere, die mit der Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen 1972 ihren Höhepunkt erlebt hat. Besagte Auszeichnungen wurden nun um ein ganz besonderes Exemplar bereichert. Im würdigen Rahmen der Verbandsratssitzung des Niedersächsischen Leichtathletik-Verbandes (NLV) in Hannover nahm Schminke, der dieser Tagung gemeinsam mit seiner Frau Christel und Wolfgang Budde, Vorsitzender des NLV- Kreises Delmenhorst, einen Besuch abstattete, die Ehrenmedaille in Empfang. Es handelt sich um eine der höchsten Auszeich- nungen, die NLV-Präsidentin Rita Girschikofsky vergibt. Mit dieser Medaille werden Personen geehrt, die “sich um die Entwick- lung und Förderung der Leichtathletik in Niedersachsen außerordentlich verdient gemacht haben”. Das trifft auf Bruno Schminke, der sich den Titel “Mr. Leichtathletik” erworben hat, zweifelsohne zu. Der bekannte Multi-Funktio- när, der am 2. Dezember 1929 in Ganderkesee das Licht der Welt erblickt hat, begann seine aktive Karriere 1946 in der Leicht- athletik-Abteilung des SSV Delmenhorst. Später startete er für die Vereine Werder Bremen, KTSV Preußen Krefeld, SC Rot- Weiß Oberhausen und Delmenhorster LC (DLC). Seine Bestleistungen konnten sich sehen lassen: 100 Meter in 10,7 Sekunden und 200 Meter in 22,2 Sekunden. In den Einzelwettbewerben und als Staffelmitglied avancierte Schminke zum mehrfachen Bremer Meister sowie zum Titelträger auf Niederrhein- und westdeutscher Ebene. Von 1952 bis 1978 fungierte er in verschieden- en Vereinen als Übungsleiter. Am 1. Januar 1971 erfolgte die komplette Überführung des DLC in den Delmenhorster TV. “Das war eine meiner intelligentesten Taten”, blickt der 79-Jährige zurück. Starts bei Senioren-Wettkämpfen waren seine Sache nicht. “Ich konnte aus beruflichen Gründen schließlich keine Verletzungen riskieren”, betont er, der 1968 eine Firma übernahm, die er bis 1999 führte. Dafür arbeitete er “nebenbei” um so mehr als Funktio- när und die regen Aktivitäten beschränkten sich keineswegs “nur” auf Vereinsebene. Von 1966 bis 1993 führte er den Leichtath- letik-Kreis Delmenhorst, dessen Führungsgremium er heute als Ehren-Vorsitzender angehört. Schminke blickt auf 85 nationale und internationale Einsätze als Kampfrichter zurück. Er fungierte unter anderem als Starter-Obmann des NLV (1975 bis 1995), ist seit 1965 stellvertretender Vorsitzender des Bezirks bzw. Unterbezirks Oldenburg und verweist ferner auf verschiedene Ämter innerhalb des Stadtsportbundes Delmenhorst (SSB), dessen Ehrenmitglied er ist. Das Stichwort “Kampfrichter” weckt natürlich Erinnerungen an die Olympischen Spiele 1972 in München. Ein Sport-Spektakel, das zunächst das Etikett “heiter” trug, ehe ein Attentat, das palästinensische Terroristen durchführten und das insgesamt 17 Menschenleben forderte, lange Schatten warfen. Nach einem Trauertag ließ IOC-Präsident Avery Brundage die Spiele mit dem legendären Satz “The Games Must Go On!” fort- führen. Schminke war seinerzeit in München als Starter tätig. Er erinnert sich gerne an die hervorragende Vorbereitung, an die Eröffnungsfeier und das Rahmenprogramm, an dem er gemeinsam mit seiner Frau Christel, die seit Anfang der sechziger Jahre als Kampfrichterin tätig ist, teilnahm. Seit über 40 Jahren werden Schminkes Verdienste mit Auszeichnungen gewürdigt. Den Anfang machte 1967 die Silberne Ehren- nadel des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV). Es folgten viele Ehrennadeln und Plaketten und - im Jahre 1993 - das Bundesverdienstkreuz am Bande. Die Ehren-Medaille des Niedersächsischen Leichtathletik-Verbandes nimmt innerhalb der imponierenden Sammlung sicherlich einen ganz besonderen Platz ein.
DIEPHOLZER KREISZEITUNG vom 24. Dezember 2008 "Die beiden sind ein eingespieltes Pärchen" Mike Schwenke ist behindert, seine Schwester Kim-Michelle nicht - und trotzdem laufen sie bei Wettkämpfen stets Seite an Seite Von Malte Rehnert Drentwede. Der Startschuss erschallt, die Jungs rasen los. Und einer fällt sofort auf. Nicht wegen seiner Schnelligkeit, sondern wegen des Laufstils - alles andere als elegant, stattdessen wild und unkontrolliert, die Arme schaukelnd, ein Bein leicht hinkend. "Ganz übel. Er ist gelaufen wie Quasimodo", sagt Sandra Schwenke aus Drentwede über ihren Sohn Mike. Klingt gemein, ist aber nicht böse gemeint. Die Mutter ist sogar unheimlich stolz auf ihren zehnjährigen Filius. Schließlich hat er das Down-Syn- drom und musste das "normale" Joggen erst lange lernen. Mittlerweile hat Mike sich "rapide gewandelt", ist "für seine Verhält- nisse ein guter Sportler". Er hält auch in Wettkämpfen der Nicht-Behinderten toll mit, darf sich sogar Mannschafts-Kreismeister im Dreikampf nennen. Die sicher nicht leichte Integration ist in diesem Fall hervorragend gelungen. Dank der Unterstützung seiner Mutter, seines Vaters Frank und vor allem seiner hoch talentierten Schwester Kim-Michelle (9), die vor dreieinhalb Jahren der Auslöser dafür war, dass die Schwenke-Kinder überhaupt in einen Verein eintraten. "Kim war nicht ausgelastet. Immer, wenn ich gesagt habe: ‘Hol' mal bitte dies oder das', ist sie gelaufen, nicht gegangen - sogar in den Kindergarten", erinnert sich Mutter Sandra. Da drängte sich Leichtathletik im Verein geradezu auf. "Aber wenn", ergänzt die 39-Jährige, "dann sollten es beide ge- meinsam machen. Das ist organisatorisch einfacher - und Mike tut die Bewegung sowieso gut." Die Suche nach einem Verein, in dem der behinderte Bruder und die gesunde Schwester zusammen trainieren können, war je- doch alles andere als einfach. In der Umgebung fand sich kein Club, der beide aufnahm. Wütend war Sandra Schwenke darüber allerdings nicht: "Die Leute waren dabei nicht fies, sondern wirklich nett. Sie haben es sich eben nicht zugetraut." Nach einigen Absagen hatte sie dann die Idee, beim TSV in Barrien nachzufragen. Dort war sie aufgewachsen, dort leben ihre Eltern, dort hatte sie früher selbst unter Helmut Mönch trainiert. Sie wandte sich an dessen Tochter Ute Bier - "und die hat gleich gemeint: Kommt her, wir versuchen's und schauen, wie's läuft. Das war toll", erzählt Sandra Schwenke. Beim ersten Besuch in Barrien fühlten sich beide Kinder sofort wohl: "Mike hat gesagt: ‘Mir auch' - und damit war klar, dass wir es dort probieren." Seither chauffiert sie Tochter und Sohn meistens zwei Mal pro Woche die gut 30 Kilometer nach Barrien. "Am Anfang war die Eingewöhnung nicht leicht", erinnert sich die Mutter, "die anderen Kinder hatten Probleme mit Mike, weil er manchmal arg wild ist." Doch die Hemmschwelle wurde schnell abgebaut. "Jetzt sind alle superlieb zu ihm. Sie wissen: Mit ihm wird nicht getobt." Bei der schrittweisen Integration halfen vor allem die Trainerinnen der LG Delmenhorst/Diepholz, zu der auch die Leichtathletik- sparte des TSV Barrien inzwischen gehört. Ute Bier, Gisela Bormann, Imke Müller und Edith Heckmann "kümmern sich liebevoll um alle Kinder", schwärmt Sandra Schwenke. Einige in der Gruppe sind motorisch etwas weiter zurück als andere, der einzige Behinderte ist jedoch Mike. Und der braucht besonders viel Zuwendung, um die für ihn ungewohnten Bewegungen beim Laufen, Werfen und Springen zu verstehen und zu erlernen. Beim Weitsprung lief er früher zum Beispiel bis zur Sandkiste und hüpfte dann hinein, das Absprungbrett interessierte ihn gar nicht. "Wir haben dann einen Rucksack zwischen Brett und Sand gelegt und ihm gesagt: Spring' da rüber. Seitdem klappt es", freut sich Mutter Schwenke. Mindestens genauso schwierig wie das Verbessern der motorischen Fähigkeiten - und dazu noch psychisch sehr belastend - war anfangs die Eingliederung in die Wettkämpfe. "Da saßen Erwachsene und haben ihn ausgelacht, das war echt doof. Ein Mal ist Mike auch von einem anderen Jungen getreten worden, weil er beim Werfen nicht schnell genug war", sagt Sandra Schwenke. Die Traurigkeit in ihrer Stimme verschwindet aber schnell, denn mittlerweile lacht und tritt niemand mehr: "Es gab ein Mal klare Worte, seitdem nie wieder. Jetzt kennen uns alle bei den Wettkämpfen im Kreis Diepholz und in Bremen. Es sprechen mich Leute an, die ich gar nicht kenne. Wir fallen aber ja auch extrem auf: Kim ist beim Laufen fast immer Erste, Mike fast immer Letzter", schmunzelt die Mama. Allein am Start ist Mike eigentlich nur bei den "Down-Syndrom-Sportfesten" in Frankfurt und in Bremerhaven, wo er mit den Klassenkameraden der Syker Erlenschule (sechste Klasse) hinfährt. Ansonsten gibt's die Schwenkes meistens im Doppelpack. Kim-Michelle läuft bei den Mädchen in der Altersklasse W9 mit - und dann noch mit ihrem Bruder in der M10. "Es ist eben ein eingespieltes Pärchen", sagt Sandra Schwenke. Dass die beiden unzertrennlich sind, liegt hauptsächlich an Mike, der seine Schwester immer dabeihaben will. "Früher bin ich mitgelaufen, jetzt macht es Kim-Michelle. Und wenn nicht, ist Holland in Not. Dann macht er Alarm", berichtet die Mutter. Mehr als etwa einen Kilometer schafft Mike meistens nicht, weil Sport für ihn sehr anstrengend ist. Seine Lungenprobleme schränken ihn ein. "Wenn ihm alle weglaufen, weint er manchmal. Aber trotzdem steht er nächstes Mal wieder tapfer am Start", lobt Sandra Schwenke. "Ich will alle überholen", wirft Mike plötzlich ein. Vorher war er total in sich gekehrt, hat lieber die Katze beobachtet und ist während des Gesprächs sogar mal nach draußen verschwunden. Dass er sich nun doch zu Wort meldet, ist ein seltener, aber sehr emotionaler Moment. Denn seine Aussage wird begleitet von einem herzlichen Lachen, das verdeutlicht - der Zehnjährige ist glücklich, die Leichtathletik macht ihm großen Spaß. Allerdings droht bald die sportliche Trennung von seiner Schwester. Kim-Michelle gehört zu den Top-Talenten im Kreis Diepholz, der rosa Ordner mit ihren Urkunden und Medaillen platzt schon fast. Sogar Edgar Itt, ehemaliger Spitzenläufer über 400 Meter, ist bei einem Sportfest schon auf sie aufmerksam geworden. "Er wollte ein Versprechen von mir. Wenn Kim-Michelle mit zwölf Jahren unter 2:30 Minuten über 800 Meter läuft, muss sie gefördert werden. Da musste ich ihm meine Hand drauf geben", sagt Sandra Schwenke. Ihre neunjährige Tochter, vierfache Kreismeisterin und seit September Kreisrekordlerin über 800 Meter (2:50,64), ist auf dem besten Weg, diese Marke zu knacken. Und dann, weiß die Mutter, "haben wir ein Problem. Dann kann Mike wohl nicht mehr mit ihr mitkommen." Zunächst aber wollen Schwenkes abwarten, wie sich alles entwickelt. Fest steht nur: Mike soll weiterhin im Verein aktiv sein. "Er braucht den Sport für Lunge und Muskeln", betont Sandra Schwenke. "Und viel- leicht", so hofft sie, "kann er ja doch weiter mit seiner Schwester trainieren. Das wäre natürlich das Beste." => Lesen Sie auch das Interview mit Wilfried Becker (Vorsitzender KLV Diepholz) zum Thema ‘Sportliche Integration Behinderter’
DIEPHOLZER KREISZEITUNG vom 30. Dezember 2008 Bei Witt purzelten in Hannover die Bestleistungen Von wegen Trauer über "Blech" - Syker Siebenkämpferin stolz auf Platz vier bei Mehrkampf-DM / Dank an Trainer Meyer Syke (el). Seit vielen Jahren zählt Mareike Witt zu den besten Siebenkämpferinnen in Niedersachsen. Etliche Male schaffte sie dank ausgezeichneter Ergebnisse die Qualifikation für die Deutschen Meisterschaften. So gut wie in diesem Jahr lief es für die im Trikot der LG Delmenhorst/Diepholz startende Athletin noch nie: Mit 5226 Punkten sicherte sich Witt bei den Deutschen Mehr- kampfmeisterschaften in Hannover im Siebenkampf der Frauen den vierten Platz. Mareike Witt sammelte schon früh erste Erfahr- ungen in der Leichtathetlik. Vater Eckhard hatte seine kleine Tochter mit ins Delmenhorster Stadion zur Sportabzeichenabnahme genommen. Mareike machte mit, schaffte die geforderten Leistungen und bekam das heiß ersehnte Abzeichen dennoch nicht. Sie sei zu jung dafür, hieß es. "Ich war echt traurig", erinnert sich Mareike Witt noch gut. Abonnement auf Landestitel Als Schülerin bestritt Witt ihre ersten regulären Wettkämpfe, als B-Jugendliche den ersten Siebenkampf. Vom TV Jahn Delmen- horst wechselte sie zum Delmenhorster TV. Witt zog von Delmenhorst nach Syke. Vor rund zehn Jahren schloss sich die Fi- nanzbeamtin dem TuS Syke an. Für ihren Syker Verein, der seit einigen Jahren Mitglied der LG Delmenhorst/Diepholz ist, sammelt sie seitdem Jahr für Jahr Landesmeistertitel im Fünf- und Siebenkampf. Für Mareike Witt ist die bereits in Delmenhorst begonnene Zusammenarbeit mit Trainer Udo Meyer mit entscheidend für den sportlichen Erfolg: "In den Vorbereitungswettkämpf- en denke ich oft: ,Was bist du schlecht.' Aber dann schafft es Udo doch immer wieder, dass ich auf den Punkt topfit bin." So war es auch in diesem Jahr. Von der ersten bis zur letzten Disziplin passte bei der DM in Hannover alles. Mareike Witt stellte gleich fünf Saisonbestleistungen auf und bewies zudem auch noch im abschließenden 800-Meter-Lauf ihre Kämpferqualitäten, obwohl der Rückstand auf die Drittplatzierte eigentlich nicht einzuholen war. Einen Medaillenrang hatte die Sykerin ohnehin nicht im Visier gehabt. Als Vierte hatte Witt nicht etwa eine Medaille verpasst, sondern ihre bislang beste Platzierung erreicht. Grund zum Feiern gaben auch die gezeigten Leistungen: Mit 14,69 Sekunden über 100 Meter Hürden, 1,66 Metern im Hochsprung, 11,49 Metern mit der Kugel, 26,13 Sekunden über 200 Meter, 5,57 Metern im Weitsprung, 37 Metern mit dem Speer, und 2:21,96 Minuten über 800 Meter kam Witt bis auf vier Zähler an ihre vor sieben Jahren aufgestellte Bestmarke heran. Im nächsten Jahr wird Mareike Witt 30 Jahre alt und gehört damit zu den Senioren in der Leichtathletik. Einen Grund, die Spikes an den berühmten Nagel zu hängen, sieht die Sykerin darin nicht: "So lange es so gut läuft, mit Ergebnissen um 5200 Punkten, ist genügend Motivation zum Weitermachen da."
HAMBURGER ABENDBLATT / HARBURGER RUNDSCHAU vom 3. Januar 2009 "Kinder sollen kindgerecht geführt und aufgebaut werden" Leichtathletik: Gerd Prüsmann aus Winsen blickt auf 20 erfolgreiche Jahre als Lauftrainer zurück Winsen. Im gerade zu Ende gegangenen Kalenderjahr 2008 hat in Winsen einer der prägenden Männer der Leichtathletik ein kleines Jubiläum gefeiert, das er selbst kaum beachtete. Es war 1988, als der ramponierte Fußballer Gerd Prüsmann sich ent- schloss, von nun an Mädchen und Jungen das Laufen beizubringen. Das richtige Laufen, versteht sich. Längst ist der 66-Jährige, der die Mittel- und Langstreckler der Leichtathletik-Gemeinschaft (LG) Nordheide aufbaut und für seine Leistungs- und Talent- förderung vom Kreissportbund Harburg-Land unterstützt wird, als Lauf-Guru in ganz Niedersachsen bekannt. In der Rundschau schaut Gerd Prüsmann heute einmal auf das zurückliegende Wettkampfjahr und seine 20-jährige Arbeit zurück. Rundschau: Herr Prüsmann, wie ist es 2008 für Sie und Ihre Athleten gelaufen? Gerd Prüsmann: Wenn Sie nach den Erfolgen fragen, da überragt natürlich der siebte Platz von Jana Sussmann über 1500 Meter bei den Junioren-Weltmeisterschaften in Polen. Erst vor wenigen Tagen war übrigens ein Bundestrainer des deutschen Leichtath- letik-Verbandes hier bei uns in Winsen. Er wollte einmal die Trainingsbedingungen und das ganze Umfeld von Jana unter die Lupe nehmen. Sie soll ja langfristig als Top-Athletin aufgebaut werden. Rundschau: Stehen denn die Großmächte der deutschen Leichtathletik-Szene, speziell aus dem westdeutschen Raum, nicht schon Schlange und wollen das hoffnungsvolle Talent aus Winsen weglocken? Prüsmann: Die nächsten zwei Jahre wird Jana uns wegen ihrer schulischen Ausbildung auf jeden Fall noch treu bleiben. Im Sommer 2010 wird sie ihr Abitur am Gymnasium Winsen machen. Rundschau: Sie wäre ja nicht das erste Talent, das Sie über viele Jahre trainiert, betreut und aufgebaut haben, und das dann seine sportliche Zukunft in den finanzkräftigeren Leistungszentren sucht. Prüsmann: Das ist richtig. Da war Klaudia Neubauer, unsere 800-Meter-Spezialistin. Die ist nach Hannover ins Sportinternat ge- wechselt, hat dort aber den Spaß am Leistungssport verloren. Jala Gangnus, die 200- und 400-Meter-Läuferin, startet inzwischen für die LG Weserbergland und 800-Meter-Mann Sören Ludolph seit einem Jahr für die LG Braunschweig. Rundschau: Zurück zu den Erfolgen des vergangenen Jahres. Wer hat der LG Nordheide außer Jana Sussmann noch Ansehen gebracht? Prüsmann: Da ist die 3 x 800-Meter-Staffel der A-Schülerinnen. Carlotta Meyer-Ranke, Lea Madlen Meyer und Sophia Machill wurden nicht nur Niedersachen-Meister, sie belegen auch den vierten Platz in der deutschen Bestenliste. Und unsere U23-Juni- oren Nils Lasse Gutzeit, Torsten Heitmann und Daniel Freund wurden mit der 3 x 1000-Meter-Staffel Achte bei den Deutschen Meisterschaften. Das ist doch auch schon etwas. Rundschau: Einmal überspitzt gefragt: kann man heutzutage eigentlich nur noch in kleinen Orten Kinder für die Leicht- athletik begeistern? Prüsmann: Tatsächlich wachsen die meisten Talente in kleineren Vereinen und Leichtathletik-Gemeinschaften heran. Bei uns werden die Mädchen und Jungen doch noch nicht ganz so stark abgelenkt wie in den Großstädten. Zur LG Nordheide haben sich 14 Vereine zusammen geschlossen. Und fast jeder dieser Vereine bietet noch Leichtathletik für Kinder an. Rundschau: Und wenn die dann richtig laufen können, werden sie zu Gerd Prüsmann nach Winsen gebracht, damit der Meister aus ihnen macht? Prüsmann: Nein, manche Kinder können nicht einmal mehr rückwärts laufen. Selbst die Begabtesten müssen dann erst noch zwei Jahre lang mindestens zwei Mal in der Woche trainieren und lernen, ehe man sagen kann: Jetzt können sie es. Rundschau: Aber bei all den vielen Volksläufen sind doch tausende Freizeitsportler unterwegs... Prüsmann: ...und wenn ich sehe, wie die herumtippeln und stampfen, dann kommt mir das Grausen. Die fressen Kilometer um Kilometer und haben dabei längst ihre Muskeln ruiniert. Rundschau: Was muss ein Lauftalent denn mitbringen? Prüsmann: Zum ersten die Beweglichkeit des gesamten Körpers, dass sie die Lauffrequenz beherrschen, also richtig schnell laufen können. Das muss bis spätestens zum 13. Lebensjahr fest im Kopf einprogrammiert sein, sonst lernt man das nie wirklich. Rundschau: Sind nicht auch ein gesunder Ehrgeiz und Verbissenheit entscheidende Vorraussetzungen für den Erfolg? Prüsmann: Nein, bei mir ist das gar nicht so gefragt. Ich bin auch nicht böse oder verärgert, wenn die Kinder mal zu spät zum Training kommen. Die stehen heute schon so unter Druck, die sollen einfach Spaß am Sport haben, sich auf jedes Training freuen. Kinder sollen kindgerecht geführt und aufgebaut werden, das ist mein Motto seit 20 Jahren. Interview: Norbert Scheid.
DIE NORDDEUTSCHE (Weser Kurier) vom 5. Januar 2009 In der "Krachmacherstraße" geht es oft nicht leise zu Die Sauerwald-Sisters sind nicht nur bei der LG Bremen-Nord im Einsatz / Mutter Silvia unterstützt den Bewegungs- drang Von Marc Gogol Bremen-Nord. "Krachmacherstraße". Diese Adresse an der Grenze Bremen-Nords zu Beckedorf steht in keinem Stadtplan und ist in keinem Straßenverzeichnis zu finden. Dennoch ist dieses Straßenschild vielen aus der Nachbarschaft und auch einigen Leichtathleten aus Bremen-Nord bekannt: Hier wohnt Familie Sauerwald mit vier fröhlichen, sportlichen Kindern. Lisa (17), Sandra (13), Kim (10) und Lotta (7) haben die Nachbarn der Sauerwalds dazu animiert, das einem Kinderbuch von Astrid Lindgren nach- empfundene Straßenschild anfertigen zu lassen. Damit gleich allen Besuchern klar ist: Hier geht es oft nicht gerade leise zu. Damit ist auch schon der Bogen zum Sport geschlagen. Alle vier Sauerwald-Kinder sind bei der Leichtathletik-Gemeinschaft Bremen-Nord aktiv. Nach dem Kinderturnen ist dies die zweite Sportart für Lisa, Kim und Lotta, nur Sandra sprach zwischendurch mal dem Fußball zu, hat sich mittlerweile aber auch ganz dem Laufen, Springen und Werfen verschrieben. "Von uns Eltern haben die Kinder das nicht", sagt Vater Torsten Sauerwald, der ehemals Leistungsschwimmen beim TV Grohn betrieben hat. "Aber auch bei der Bundeswehr habe ich Laufen weiterhin gehasst. Ich fahre lieber Fahrrad, als dass ich zu Fuß gehe", läßt Torsten Sauerwald keine erbliche Verbindung erkennen. Mutter Silvia hat außer dem Schulsport beim LGN-Vorsitzenden Wilhelm Brand, der lange Jahre Sportlehrer am Vegesacker Gerhard-Rohlfs-Gymnasium war, auch keine Ansatzpunkte für ein Weiterreichen sportlicher Ambitionen zu nennen. Also muss der Bewegungsdrang den Sauerwald-Kindern wohl auf andere Art und Weise zugeflogen sein. Ein Anhaltspunkt ist Maja Damaschke (11). Mit den Damaschkes sind die Sauerwalds gut befreundet, und Anja Glaeske- Damaschke hat mittlerweile ebenfalls vier Kinder in der LG Nord. Aber nun mal der Reihe nach: Lotta Sauerwald ist natürlich in der Kinder-Leichtathletikgruppe der LGN zu Hause. Sie hat neben dem Sport noch ein anderes Hobby: Blockflöte spielen. Ihre knapp drei Jahre ältere Schwester Kim zieht es fast immer nach draußen zum Spielen, somit ist der Löhpark als Trainingsort für Kim natürlich optimal. "Kim will immer die Natur entdecken, das kommt auch von ihrer Lehrerin", weiß Silvia Sauerwald zu be- richten. Frösche über die Straße tragen und Unkraut benennen sind Aufgaben von Kim - wenn sie nicht gerade mit LGN-Kinder- trainer Gerold Christen über und manchmal auch in die Becke springt. Was Mutter Silvia dazu bringt, den Bewegungsdrang ihrer Kinder wieder einmal auf ihre Weise zu unterstützen: Mit Wäsche waschen und Kuchen backen … Sandra Sauerwald gehört 2009 schon zu den A-Schülerinnen. Wie auch ihre beiden jüngeren Schwestern spielt die 13-Jährige neben dem Sport noch Theater in der Kirchengruppe. Im kommenden Jahr steht auch die Konfirmation an. Alle drei jungen Sauer- wald-Schwestern verbindet außerdem, dass sie bei der ältesten, Lisa, durchaus mittrainieren können. Lisa trainiert in der LG Nord bereits eine Nachwuchsgruppe, wenn es denn die Zeit neben ihren eigenen sportlichen Ansprüchen erlaubt. "Ich trainiere jetzt rund sechsmal in der Woche. Nach der verkorksten Hallensaison im vergangenen Winter hoffe ich für 2009 auf ein besseres Ab- schneiden und habe mir wieder einige Bestzeiten für die Strecken zwischen 800 und 5000 Metern und die 2000 Meter Hindernis vorgenommen", sagt die A-Jugendliche. Mit ihrem Sport-Leistungskurs, dem eigenen Training und der LGN-Nachwuchsgruppe ist Lisa Sauerwald eigentlich schon gut ausgelastet, dennoch warten auf sie bald neue Herausforderungen: Schwimmen und Fußball müssen für gute Zensuren an der Eggestedter Straße trainiert werden. Der Sport der Kinder bestimmt die Planungen der Familie Sauerwald. Kinderleichtathletik-Sportfest im Burgwallstadion (da ist meist auch Silvias selbstgebackener Kuchen zu finden), Vegesacker Citylauf oder Nikolaus-Crosslauf - alle vier waren 2008 stets dabei. Das wird auch 2009 voraussichtlich nicht anders sein. In der ruhigen Phase des Jahres, zwischen Weihnachten und Neu- jahr, gab es im Hause Sauerwald natürlich auch keine sportliche Pause. Lisa fuhr am zweiten Weihnachtstag zum "Schoko- Cross auf den Stadtwerder, und die drei Schwestern tobten draußen herum. Irgendwo in der Nähe, beim bekannten Straßenschild in der "Krachmacherstraße".
BRAUNSCHWEIGER ZEITUNG vom 8. Januar 2009 Aus Braunschweig in die Spitze rennen Die Leichtathletik-Talente Luca Bode und Fabian Brunswig weisen Werben des Sportinternats Hannover ab Von Ute Berndt Ihr Elan wurde jäh am Eingangstor gestoppt. Trotz Schlüssels kamen Luca Bode und Fabian Brunswig in den Ferien nicht ins Eintracht-Stadion - keine guten Trainingsbedingungen für die Spitzenleichtathleten der Stadt. "Und wenn Schnee liegt, geht fast nichts", klagt Bode. Doch die 15-jährigen Braunschweiger lassen sich nicht verdrießen. Top-motiviert plaudern die Freunde über ihr so erfolgreiches Jahr 2008, in dem beide mit ihren Leistungen in die deutsche Spitze vorstießen, und schmieden ehrgeizige Pläne. Dann brechen sie notgedrungen zum Ausdauertraining um den Ölper See auf. Fabian Brunswig läuft die Wettkampfstrecken jenseits der 3000 Meter. "Es macht mir am meisten Spaß", sagt der Schüler, der die zehnte Klasse am Gauß-Gymnasium besucht. "Man muss an seine Grenzen gehen, das mag ich." Dass er die fünf Kilometer unter 17 Minuten lief und über 3000 Meter Landesmeister geworden ist, waren seine Höhepunkte 2008. Luca Bode, der hervor- ragend sprinten und springen kann, erzählt gern die Geschichte, wie er bei den Norddeutschen Titelkämpfen überredet wurde, erstmals über 300 Meter zu starten und prompt gewann. Einer, der ihn bekniete, war der eigentliche Favorit des Rennens. "Das ist das Tolle an der Leichtathletik, wir sind alle Freunde und genießen tolle Wettkampf-Wochenenden zusammen", schwärmt der Zehntklässler der Ricarda-Huch-Schule. "Meine Mitschüler dagegen kommen vom Fußball zurück und sind meist sauer auf die Gegner." Beide träumen davon, in den Nationalkader zu kommen, internationale Wettkämpfe zu bestreiten. "Eigentlich ist es nicht nur ein Traum, sondern ein Stück weit schon ein Ziel für mich", sagt Bode, und Langstreckler Brunswig weiß: "Ich müsste dafür noch mehr Glück haben als Luca, oder ein Afrikaner sein." Aber wie sein Vorbild Dieter Baumann setzt er auf sein Kämpfer- herz. Fünfmal pro Woche trainieren die beiden und finden ihre Bedingungen bei Eintracht ganz gut - zumindest im Sommer. Dann kann 1,90-Meter-Athlet Bode im Stadion Sprints, Weit- und Hochsprung sowie alle technischen Voraussetzungen gut üben, und Bruns- wig braucht ohnehin nur die Laufbahn. Das Eintracht-Trainerpaar Simone Hübner und Ralf Weber betreut die beiden. Dazu kommen weitere Trainer wie der zweifache Olympia-Teilnehmer im Kugelstoßen, Michael Mertens, der das Krafttraining koordi- niert und den Jungs ein bisschen vom Leben eines Spitzenathleten erzählt. Der Landestrainer in Hannover betreut sie alle paar Wochen bei Kaderlehrgängen und schickt Trainingspläne, scheiterte aber bei dem Versuch, das Braunschweiger Duo ins Sport- internat in die Landeshauptstadt zu locken. Dort hätten sie ihre Probleme nicht. Perfekte Trainingsbedingungen auch bei Schnee und Eis bietet Hannover in der Leichtathletikhalle, dazu die Abstimmung der Schule auf das Training. In Braunschweig hingegen haben die beiden Schwierigkeiten, alles unter einen Hut zu bringen, wie sie zugeben. Der Nachmittag ist vollgepackt mit Unter- richt, weil ihr Jahrgang nach zwölf Schuljahren Abitur macht. Dann folgt das Training und für Brunswig, der in Veltheim wohnt, eine lange Heimfahrt. Zeit zum Lernen bleibt kaum. Doch die beiden haben sich vorerst noch gegen das Leben als Spitzensportler entschieden. "In unserem Alter schon mit zehn Einheiten pro Woche voll am Limit zu pumpen, ist zu früh", argumentiert Bode, er bevorzuge einen langsamen Leistungsaufbau und wolle schließlich erst mit Mitte 20 Weltklasse sein. Und der andere Grund: "Wir haben in Braunschweig einen so tollen Freundeskreis, den zu verlassen das nicht wert ist."
REGIONALE RUNDSCHAU / SYKER KURIER vom 9. Januar 2009 Zwischen Polizeidienst und Siebenkampf Jennifer Meyer ist dem TuS Syke beigetreten und strebt in diesem Jahr eine Titelverteidigung an Von Jens Hoffmann Syke. Die Pressemitteilung war betont kurz gehalten und beinhaltete im Prinzip nur die Basisinformation: Jennifer Meyer, 2007 deutsche Polizeimeisterin im Siebenkampf, wechselt zum TuS Syke. Das, was für den Laien eher unspektakulär klingen mag, sollte alle Sportinteressierten zumindest hellhörig machen. Denn: Nationale Titelkämpfe für Polizeibeamte sind seit jeher von einer hohen Qualität geprägt - nicht nur, aber auch in der Leichtathletik. Wer sich in diesem Bereich durchsetzt, ist mit Sicherheit ein Guter beziehungsweise eine Gute. Dass Jennifer Meyer eine solche ist, daran besteht spätestens dann kein Zweifel mehr, wenn man sich ein bisschen mit ihr unterhält und ein wenig über ihre sportliche Vergangenheit erfährt. Als Heranwachsende zählte sie zu den großen Mehrkampfhoffnungen Deutschlands. Jennifer Meyer erinnert sich: "Als 14-Jährige war ich deutsche Schüler-Vizemeisterin im Fünfkampf und führte die Bestenliste an." Die gebürtige Twistringerin schien auf dem Weg nach ganz oben zu sein. Der Sport bestimmte ihre Jugend. Kein Wunder, dass das Talent in dieser Zeit mit einer professio- nellen Laufbahn spekulierte. Die Voraussetzungen waren günstig und die Betreuung optimal. "Mein damaliger Trainer Bernhard Keller vom MTV Barnstorf hat mich hoch gebracht", denkt Jennifer Meyer gerne an ihren einstigen Lehrmeister zurück. Mittler- weile sind einige Jahre ins Land gezogen, und aus dem Profi-Plan ist eine - sagen wir mal - ambitionierte und vom Zeitaufwand her mindestens semi-professionelle Geschichte geworden. Die aktuellen Fakten: Jennifer Meyer ist eine 23 Jahre junge Polizei- kommissarin, die ihren Dienst in Bremen verrichtet und vor kurzem nach Syke gezogen ist. Ihre Ambitionen als Mehrkämpferin erhielten noch im Teenageralter einen leichten Dämpfer. "Mit 16 Jahren nahm ich an einem Schüleraustausch teil und bin für ein Jahr in die USA gegangen", erzählt sie. Dort habe sie sich beim Training diverse Verletz- ungen zugezogen - mit unliebsamen Konsequenzen. "Meine Sportkarriere musste ich erst mal auf Eis legen." Wobei die Beto- nung in diesem Fall eindeutig auf dem Zusatz "erst mal" liegt. Denn Jennifer Meyer kämpfte sich zurück. Auch, weil sie ihren Beruf gut mit ihrer sportlichen Leidenschaft kombinieren konnte. "Nach einem Praktikum bei der Polizei stand für mich fest, dass ich das machen wollte", sagt sie. Gleich nach dem Abitur im Jahre 2004 begann sie mit ihrer Ausbildung. Fortan trainierte sie im Verein in Bremen-Huchting und individuell bei der Polizei, wann immer die Möglichkeit dazu bestand. Das ist im Prinzip bis heute so der Fall. Zwar ist der sportliche Ehrgeiz nicht immer wie selbstverständlich mit dem Schichtdienst zu vereinbaren, aber irgend- wie funktioniert es dann doch. "Wenn’s geht, trainiere ich fünfmal pro Woche", berichtet Jennifer Meyer. Alleine dieses Pensum beweist, dass der Neuzugang des TuS Syke mehr ist als eine Nur-Hobbysportlerin. Viel mehr. Bei ihrem Sieg bei den deutschen Polizeimeisterschaften erzielte sie 4500 Punkte, was ihr bei der regulären DM wohl einen Platz unter den besten 15 beschert hätte. Und: Hätten ihr vor einigen Jahren nicht erwähnte Blessuren einen Strich durch die Rechnung gemacht, wer weiß, was alles möglich gewesen wäre? Stichwort: Maren Schwerdtner. Mit ihr startete Jennifer Meyer einst gemeinsam für die LG Hannover und hat sie bei Wettkämpfen auch einige Male besiegt. Jetzt bewegt sich Maren Schwerdtner jenseits der ma- gischen 6000-Punkte-Marke und ist einer der Top-Athletinnen in Deutschland. Und Jennifer Meyer? Sie muss zurzeit auf Grund einer Leistenverletzung kürzer treten, aber ihre Ziele für 2009 sind dennoch klar umrissen: Titelverteidigung bei den deutschen Polizeimeisterschaften und Teilnahme an den offenen deutschen Titelkämpfen. "Vielleicht zusammen mit Mareike Witt", hofft sie. Mareike Witt, gleichfalls Siebenkämpferin, startet auch für die Leichathletik- Gemeinschaft Delmenhorst/Diepholz, die unter anderem den TuS Syke unter seinem Dach weiß. "Über Mareike ist der Kontakt zum TuS zustande gekommen", ergänzt Jennifer Meyer, die sich von der Zusammenarbeit mit TuS-Spartenleiter und -Trainer Udo Meyer (weder verwandt, noch verschwägert) einiges verspricht. "Sein Trainingskonzept hat mich sofort überzeugt." Umgekehrt dürften die sportlichen Meriten Jennifer Meyers Udo Meyer mindestens ebenso schnell überzeugt haben.
DIE NORDDEUTSCHE (Weser Kurier) vom 10. Januar 2009 Karl Spieler: Wir wollen nicht bei den Volksläufen abgrasen Leichtathletik-Coach des SV Lemwerder hält nichts von "einfachen" Trainingsplänen und widmet sich mit viel Engagement dem Nachwuchs Mit den jungen Läufern wie Christian Eichinger und Waldemar Trudrung verfügt der SV Lemwerder über viel versprechende Lauf- talente. Christian Eichinger erzielte in seinem letzten A-Jugendjahr 2008 in Niedersachsen über 10 000 Meter auf der Bahn die zweitbeste Zeit und im Halbmarathon die Bestzeit. Waldemar Trudrung rangierte zum Jahresabschluss jeweils auf Position drei. Hinter den erfolgreichen Aktiven steht der Trainer Karl Spieler. Mit dem engagierten Coach über die Ziele in 2009 und dem dafür nötigen Aufwand sprach unser Mitarbeiter Matthias Thode. Frage: Wie groß ist die Lemwerderaner Läufergruppe, die Sie betreuen? Karl Spieler: Neben Christian Eichinger und Waldemar Trudrung zählen Carsten Ammermann aus der männlichen Hauptklasse, der 15-jährige Julian Groll sowie die beiden Jugendlichen Schwestern Mona und Malena Dietel dazu. Welche Höhepunkte stehen bei Ihren Athleten auf dem Jahresplan für 2009? Als erstes die Landesmeisterschaften im Straßenlauf bei uns in Lemwerder am 22. März. Dann am 5. April die deutschen Halb- marathon-Meisterschaften in Aichach in Bayern und im September die DM im Straßenlauf in Otterndorf. Welches Ergebnis streben Sie denn bei ihrem Heimspiel in Lemwerder an? Mit der Männermannschaft wollen wir unter die ersten drei kommen. In der Hauptklasse gibt es mit Göttingen, Leer und Braun- schweig allerdings auch starke Konkurrenz. Christian sehe ich bei einer 32er Zeit für die zehn Kilometer, bei Waldemar eine 33er und bei den Mädels eine 42er. Was ist die Triebfeder für Sie und Ihre Schützlinge? Die Athleten wollen nach oben. Dazu haben wir ein komplettes Team um sie herum aufgebaut - mit Anke Eichinger als Fitness- Trainerin, Helmut Eichinger fürs Management und meiner Frau für die Massage. Die Eltern sind besonders wichtig, sie fahren mit und bezahlen die Fahrt- und Reisekosten neben einigen Sponsoren, die wir für die Trainingslager gewinnen konnten. Welche langfristigen Ziele haben Sie sich gesetzt? Ziel ist, in mindestens vier Jahren bei den "Deutschen" vorne mitzumischen. Wir wollen nicht bei den Volksläufen abgrasen. Wie wollen Sie dieses hochgesteckte Ziel erreichen? Mit umfangreichen Trainingsplänen? Trainingspläne werden den Athleten nicht gerecht, den kann jeder in ein paar Minuten aufstellen. Trainingspläne gehen nicht auf den Athleten ein. Was passiert bei einem festen Plan nach einer Erkältung eines Athleten? Dann ist anschließend Anpassungs- training nötig und der gesamte Plan schon überholt. Ich arbeite mit individuellen Trainingsrastern für jeden Athleten. Das ist na- türlich aufwendig für mich, aber das sind die Jugendlichen wert. Die Trainingspläne aus den Laufzeitschriften spiegeln auch das deutsche Problem wider. Es werden immer noch viel zu viele Tempoeinheiten gemacht, 70-Stunden-Pausen sind auch nie vorge- sehen. Wir machen viele lange Läufe mit niedriger und mittlerer Frequenz, dazu jeweils zehn Prozent Tempo- und Supersauer- stoffläufe. Insgesamt kommen wir dann auf 140 bis 180 Kilometer pro Woche. Wie ist es überhaupt dazu gekommen, dass Sie sich als Trainer so stark engagieren? Ich habe es dem damals zwölfjährigen Christian Eichinger nach einem Lauf versprochen. Und wie sah Ihre frühere sportliche Karriere aus? Ich war Ringer und Gewichtheber und bin aufgrund der Raucherentwöhnung nach dem Kraftsport zum Laufen gekommen. Als Aktiver war ich auch schon immer leistungsorientiert und mit 30 Jahren immerhin eine Marathonzeit von 2:40 Stunden gelaufen.
ZEVENER ZEITUNG vom 10. Januar 2009 Polnischer Wirbelwind rast von Erfolg zu Erfolg Czeslaw Pradzynski geht für die LAV Zeven an den Start - Rekord von 1990 noch ungebrochen Von unserem Mitarbeiter Manfred Krause Zeven. Der Olympia-Boykott der Sommerspiele 1984 in Los Angeles des Ostblocks traf Czeslaw Pradzynski (48) mitten ins Herz. Der Sprinter hatte das Ticket für die 4x100-Meter-Staffel der Polnischen National-Mannschaft in der Tasche. Statt der Teil- nahme an den Spielen in den Vereinigten Staaten, ging er mit seinem Team in Moskau fast zeitgleich an den Start und holte dort Bronze (38,82 Sekunden). Den Umzug nach Bremervörde vollzog er auf Wunsch seiner Frau Eva 1989 und wechselte nur zwei Jahre später zur LAV Zeven. “Czeslaw hat mittlerweile viele Titel für uns geholt. Er gehört immer noch zu den besten Sprintern in Deutschland. Die 100 Meter Hürden bewältigt er schneller, als manch ein anderer in seiner Altersklasse die flache Strecke", sagt Hans-Hermann Neblung. So war es der sportliche Leiter, der dem Sprinter den Wechsel zu den Leichtathleten des TuS Zeven schmackhaft machte. “Die Per- spektiven waren für mich in Zeven einfach besser. Die LAV ist mittlerweile zu meiner zweiten Heimat geworden, hier fühle ich mich sehr wohl. Das Klima ist einfach prima", sagt Czeslaw Pradzynski, der sich auf Bezirksebene in der M30 unsterblich machte. Die Rekordzeit von 10,74 Sekunden bei den Meisterschaften in Wunstorf (1990) ist bis heute ungebrochen. Für die LAV raste der polnische Wirbelwind in den Einzeldisziplinen über 100 und 200 Meter oder in der 100-Meter-Staffel von Erfolg zu Erfolg und stand stets auf dem Treppchen. Die Gold-Medaillen bei den Deutschen Meisterschaften 1995 (11,06 Se- kunden) und 1996 (11,31) wurden zum Höhepunkt und sind der Lohn seiner intensiven Trainingsarbeit und seiner hohen läufer- ischen Klasse. “Ich war nicht so talentiert wie andere, ich musste mir alles hart erarbeiten", sagt der Bremervörder. Entdeckt wurde der in Piece (50 Kilometer südlich von Danzig) geborene Athlet von seinem Sportlehrer Novak. “Er animierte mich für die Leichtathletik und ich entschied mich für die 400 Meter. Im Sommer habe ich täglich trainiert, im Winter bis zu acht Mal. Wenn ich heute darüber nachdenke, war es vom Umfang her zu viel. Da fehlte es an der Dosierung und den wichtigen Erholphasen. Doch es stellten sich Erfolge ein. Mit 15 Jahren bin ich in meiner Kategorie in 51,07 polnischen Rekord gelaufen", erzählt Pradzynski. Das war der erste Schritt auf dem Weg ins Nationalteam. Die erste Berufung für die Junioren erfolgte 1977. “Wir wurden stets für eine Woche zusammengezogen und haben sehr leist- ungsorientiert trainiert. Der erste Auftritt im National-Trikot beim Länderwettkampf mit Rumänien und Bulgarien war eher schwach. Ich war vor dem Start nervös und lief keine gute Zeit." Die erfolgreichste Zeit erlebte er von 1979 bis 1989, als er für den Tradi- tions-Verein Gdingen startete. Durch die guten Resultate erhielt er eine staatliche finanzielle Unterstützung. “Ich war damals Profi und erhielt vom polnischen Verband ein Stipendium. Das lief immer über ein Jahr. Danach wurden die Leistungen neu geprüft, um weiterhin Geld zu bekommen", sagt Pradzynski, der sogar den Kampf mit US-Star Carl Lewis aufnahm. Bei den Weltmeister- schaften in Helsinki (1983) traf das polnische Quartett auf die USA-Boys. Abstimmung und Harmonie “Bei der WM waren gut 20 Staffeln am Start. In den Vorläufen konnten wir uns souverän gegen die Konkurrenz durchsetzen. Beim Staffellauf ist es wichtig, mit den schnellsten Leuten an den Start zu gehen. Doch wichtig ist unter anderem die Abstimmung bei den Wechseln. Eine gute Harmonie in der Truppe ist nicht zu unterschätzen. Wir waren ein verschworener Haufen und schafften den Finaleinzug. Wir haben uns immer gut verstanden und uns am Rande der Wettkämpfe getroffen", resümiert Pradzynski. Doch an der Lewis-Crew kam das polnische Quartett nicht vorbei. “Wir erreichten Platz sechs und das war eine tolle Geschichte", sagt Pradzynski, der es auf stolze 13 nationale Meister-Titel brachte und Carl Lewis als sportliches Vorbild hatte. In der LAV Zeven gibt er seit langem seine Erfahrungen weiter und trainiert den Nachwuchs. Der lizenzierte Coach betreut junge Talente im Alter von 12 und 13 Jahren in der Disziplin Sprint und Hürden. Neblung: “Czeslaw hat einen sehr guten Draht zu den Jugendlichen, die viel Spaß an seinem Training haben. Er hat früher die harte polnische Leichtathletik-Schule durchlaufen und weiß leistungsorientiert zu arbeiten." Einen schweren Schicksalsschlag erfuhr die Bremervörder Familie mit den Kindern Agata (20) und Christoph (23) vor neun Jahren. “Erst verstarb mein Schwiegervater und nur siebzehn Tage später traf uns der plötzliche Tod von meiner Frau Eva schwer. Bei ihr hatte sich ein Blut-Gerinnsel im Kopf gebildet", so Czeslaw Pradzynski, der als Laborant in einem Zevener Milchunternehmen arbeitet und überlegt, ob er nicht in die Stadt am Walde umsiedelt. Der Kontakt zur polnischen Heimat ist derweil ungebrochen. So reist Czeslaw Pradzynski regelmäßig in die 2000-Seelen-Gemeinde Piece, in der er seine Jugend erlebte und zunächst den Crosslauf zum Hobby machte. In seinem Geburtsort leben die Mutter und sein Bruder, die er gern besucht.
Hamburger Abendblatt (Lüneburger Rundschau) vom 14. Januar 2009 Mit 66 Jahren, da hat man noch Spaß am Sport Leichtathletik: Konsequenter Trainingsaufbau wird mit zwei Niedersachsentiteln belohnt Von Markus Steinbrück Lüneburg/Vögelsen. Ganz ruhig und konzentriert, die Füße parallel zueinander, steht er auf der roten Anlaufbahn im Sportpark an der Uelzener Straße, den rechten Arm mit dem beachtlichen Bizeps weit nach hinten gestreckt. Dann setzt er sich mit kleinen, seitlichen Schritten in Bewegung, wird immer schneller. Es folgen der typische Impulsschritt und die von Trainern ge- forderte Explosion im Wurfarm - und schon fliegt der Speer, der sich eben noch am langen Arm befunden hatte, 30 Meter durch die Luft. Schließlich steckt das 600 Gramm schwere Gerät im satten Grün der Sportanlage des MTV Treubund Lüneburg. Der, der ihn geworfen hat, ist in Lüneburg und Umgebung kein Unbekannter - weder sportlich noch politisch. Hans-Joachim Blecher (66) hat seit 1972 Spuren hinterlassen. Er kam als Berufssoldat, blieb seinem Wohnort Vögelsen auch treu, als er als technisch- er Brigadeingenieur nach Wentorf versetzt wurde. 1993 quittierte er den Dienst bei der Bundeswehr, machte sich als Kfz-Sach- verständiger selbstständig. "Ein 16-Stunden-Arbeitstag war da fast schon die Regel", blickt Blecher zurück. Zuvor hatte er von 1980 bis 1988 als Vorsitzender die Geschicke des Kreissportbundes Lüneburg gelenkt, sich auf politischer Ebene zwischen 1978 und 1991 als Bürgermeister und Gemeindedirektor für die Gemeinde Vögelsen engagiert. Seine drei Kinder Volkmar (36), Andreas (34) und Dorothee (29) haben ihm drei Enkelkinder geschenkt, das jüngste erst im Oktober. In all den Jahren blieb wenig Zeit für die geliebte Leichtathletik. Dabei war Hans-Joachim Blecher in jungen Jahren ein richtig Guter. Seine ersten Spikes schnürte der geborene Emsländer für den VfL Lingen, nach dem Umzug der Familie wurde er 1962 für die TG 1846 Göttingen deutscher Juniorenmeister mit der Zehnkampf-Mannschaft. Blechers Weitsprungrekord steht bei 7,44 Meter, den Männerspeer schleuderte er auf Weiten um die 55 Meter. Noch heute hält er den M30-Weitsprung-Bezirksrekord mit 7,10 Meter. Zeit für eines seiner liebsten Hobbys, auch Gartenarbeit und Philatelie stehen hoch im Kurs, hat der stets gut ge- bräunte Blecher - dafür seien einzig und allein die vielen Stunden im Garten verantwortlich, betont er - erst seit seiner Pensionier- ung Ende 2005. Doch Hans-Joachim Blecher wäre nicht Hans-Joachim Blecher, wenn er sich bereits nach ein paar Wochen Vorbereitung für ein Sportfest anmelden würde. Er widmete das gesamte Jahr 2006 dem kontinuierlichen Aufbau, stieg erst bei den Bezirksmeister- schaften 2007 ins Wettkampfgeschehen ein. Nach einigen Anfangserfolgen trainierte der in der Altersklasse M65 startende Senior konsequent an drei Tagen pro Woche weiter, im Winterhalbjahr auch zweimal im Fitnessstudio, wurde 2008 mit den Nieder- sachsentiteln im Weitsprung und internationalen Fünfkampf belohnt. In der Landesbestenliste wird er in neun Disziplinen unter den Top-Ten notiert, dazu nennt er fünf Lüneburger Kreisrekorde sein Eigen. Seine wahre Leidenschaft gilt dem Fünfkampf. Einige Wochen vor dem in Wilhelmshaven errungenen Landestitel war er Fünfter bei den deutschen Meisterschaften in Darmstadt geworden. Im Werfer-Fünfkampf, zu dem auch Hammer- und Gewichtswurf zählen, steht für ihn Platz sieben in Deutschland zu Buche. Der als Vereinsmitglied im MTV Treubund Lüneburg für die LG Lüne- burg Stadt und Land startende Doppel-Landesmeister hat keinen Trainer und ist daher für jeden Tipp dankbar. Wenn sich die Ge- legenheit bietet, fährt er zum Hammerwurf-Training auch mal nach Wolfsburg - die Steigerung um zwölf auf 34 Meter gibt ihm Recht. "Ich bin schon recht ehrgeizig, bin aber auch lockerer geworden", beschreibt sich Blecher selbst. Ebenso wie Hans-Joachim Blecher an sich selbst arbeitet, versucht er auch Veränderungen in seinem sportlichen Umfeld anzu- regen. So hat er die Erfahrungen eines Wiedereinsteigers in einem Brief an den Seniorenwart des niedersächsischen Leichtath- letik-Verbandes (NLV), Wilhelm Köster aus Sulingen, dargelegt. Die Darstellung der Vorbildfunktion des Seniorensports in der Öffentlichkeit, die Abschaffung altersuntypischer Disziplinen, die Bereitstellung medizinischer Hinweise für die Athleten und der Kampf gegen Doping auch im Seniorensport liegen Blecher besonders am Herzen. Die gelegentlich belächelten Leistungen der Seniorensportler empfindet er wie einen Stich ins Herz. Ähnlich, als wenn sich sein Speer in den Rasen des Treubund-Sportparks bohrt.
OSTFRIESEN ZEITUNG vom 15. Januar 2009 Renate Kohle entspannt sich beim Sport Lehrerin kümmert sich seit mehr als 25 Jahren um den Leichtathletik-Nachwuchs des TuS Hinte Von Theo Gerken Hinte (tg). Seit mehr als 25 Jahren engagiert sich Renate Kohle aus Hinte für den leichtathletischen Nachwuchs in ihrer Ge- meinde. Jetzt wurde die 55-jährige Berufsschullehrerin, die mit ihrer Familie im Ortsteil Osterhusen wohnt, mit dem Dr.-Schaum- burg-Preis der ostfriesischen Leichtathletikregion geehrt. “1983, als unser Sohn Thomas drei Jahre alt war, wurde ich zunächst Helferin beim Mutter- und Kind Turnen. Zur Leichtathletik kam ich erst, als die Leistungsturngruppe mit unserer Tochter Janna aufgelöst wurde”, erzählt die neue Preisträgerin. Hans-Albin Jacob, unter anderem früher auch Trainer von Silvia Rieger, hatte sie angesprochen: “Du kannst das wohl!” Mit zunächst nur fünf Kindern begann die kaum erwartete Erfolgsserie. “Wer zweimal trainiert, springt weiter und höher, läuft schneller und wirft weiter”, vermittelte Renate Kohle den Kindern und Jugendlichen und entdeckte dabei einige Talente. Bis zu fünfmal in der Woche traf sie sich schnell mit ihren Schützlingen zu den Übungsstunden. Der Erfolg blieb nicht aus. Ihre eigenen Kinder fanden den Weg in die deutsche Spitzenklasse im Hoch- und Dreisprung, und viele andere zählten und zählen zu den Spitzenläufern in Niedersachsen. “Ich war zu meiner Schulzeit in Cloppenburg wohl eine ganz gute Weitspringerin. Aber dort gab es keinen Verein, sondern nur den Schulsport”, berichtet sie über ihre eigenen sportlichen Aktivitäten, die sie im Interesse der Kinder und Jugendlichen zurück- gestellt hat: “Ich laufe nur noch so zum Spaß.” Die Änderungen in der Gesellschaft spiegeln sich auch im Übungsangebot der Leichtathletik-Sparte des TuS Eintracht Hinte wider. “Bei dem breiten Angebot der Freizeitaktivitäten bleibt kaum einer länger bei einer Sportart”, weiß Kohle, die inzwischen noch zweimal nachmittags zur Sporthalle nach Hinte fährt, um an einem Tag die sechs- bis zehnjährigen und am nächsten Tag die bis zu 14-jährigen Kinder zu trainieren. “Die Älteren spielen danach meistens Fußball oder etwas anderes, für nur wenige lohnt sich der Aufwand nicht. Bei vielen, zu- meist nicht ganz so Leistungsstarken, fehlt auch der Biss, um durch vermehrtes Training die Schwächen auszugleichen”, hat die Trainerin festgestellt. Sie gibt die größten Talente wie die Läuferinnen Pia Nikoleit und Angela Eden an die Emder LG weiter. Mit den Eltern der von ihr trainierten Kinder traf sie sich zum Boßeln. Daraus entstand später der Lauftreff des TuS Eintracht Hinte, dessen Mitglieder inzwischen bei vielen Lauf-Veranstaltungen dabei sind. Die Erfolge ihrer Schützlinge hat Renate Kohle seit Jahren dokumentiert: Drei dicke Ordner mit Bildern und Berichten seit 1995 können viel erzählen. “Für mich”, sagt Renate Kohle, “ist der Sport immer eine Entspannung.”
DIE NORDDEUTSCHE (Weser Kurier) vom 21. Januar 2009 Höhenflug folgt der Einbruch Sportlich läuft es für Inga Reschke nicht rund / Haus der Großeltern umgebaut Von Per Thomas Blumenthal. Es ist die Sitzgarnitur in der Ecke am Fenster, die das Wohnzimmer von Inga Reschke ungewöhnlich erscheinen lässt. Kaktusgrün leuchtet es den Besucher in dem kleinen Blumenthaler Reihenhaus an. "Tja", sagt Inga Reschke, "das ist nun einmal meine Lieblingsfarbe." Die Diskuswerferin der LG Bremen-Nord ist trotz des noch nicht ganz eingerichteten Wohnzimmers guter Dinge, auch noch den Rest des Hauses fertig zu bekommen. "Eigentlich war dies das Haus meiner Großeltern", erzählt sie, "das haben meine Familie und ich dann gemeinsam umgebaut." Die Tapete - ebenfalls in einem zarten grün - ist schon an den Wänden. "Und hier vorne soll noch ein Esstisch hin", erklärt die 29-Jährige ihr Einrichtungskonzept. Dort, vor dem Fenster hinter dem der kleine Garten zu sehen ist, klafft eine Lücke. Provisorisch ausgefüllt von einem großen schwarzen Trimmrad und einem grünen Medizinball. Hier wird es offensichtlich: Inga Reschke liebt ihren Sport. Das wird ihr in letzter Zeit nicht einfach gemacht. 1987 schloss die Diskuswerferin sich der LG Bremen-Nord an und glänzte stetig durch Bestleistungen. Als 17-Jährige begann Inga Reschke mit dem Diskuswurf. Die ersten beiden Jahre unter Anleitung eines Coaches, danach musste sie allein trainieren. "Technik, Sprint und alles was dazu gehört, über die ganze Woche verteilt." Die Belohnung folgte Jahre später: 2006 wurde sie Landesmeisterin mit einer Weite von 42,62 Metern - und erzielte damit einen neuen Bremer Landesrekord. "Die alte Bestmarke bestand schon seit 32 Jahren", fügt Inga Reschke triumphierend hinzu. Danach kam der Einbruch: Ein Fersensporn zwang die Diskuswerferin monatelang zur Trainingsaufgabe. "Da dachte ich daran, aufzuhören", sagt sie leise. Erst im März 2008 sei es dann wieder so richtig weitergegangen, mit einem neuen Trainer bei der LG Bremen-Nord: Steffen Reumann, DLV-A-Trainer und selbst einmal unter den besten zehn Hammerwerfern Deutschlands, nahm Inga Reschke ("Da trat bei mir sofort eine Leistungssteigerung ein") unter seine Fittiche. Im September warf Inga Reschke 44,62 Meter - ihre aktuelle Bestleistung - und errang damit gleichzeitig Platz 39 unter Deutschlands besten Diskuswerferinnen. Das sportliche Glück währte allerdings nicht lange. Bald darauf wurde Trainer Steffen Reumann aus beruflichen Gründen versetzt. Nun muss Inga Reschke nach Sachsen fahren und es drängt sich das Gefühl auf, dass nicht nur das Haus eine Bausstelle ist, sondern ebenso die sportliche Karriere. "Die Fahrt nach Sachsen kann ich mir nur einmal im Monat leisten", erklärt sie, "den weiteren Trainingsablauf besprechen wir telefonisch." Der Grund hierfür ist schnell gefunden: Die studierte Medieninformatikerin ist seit September 2008 arbeitssuchend, die befristete Stelle bei einer großen Werft wurde nicht verlängert. Jetzt ist der Weg nach Sachsen doppelt schwierig. Zum Mangel an sportlicher Betreuung vor Ort hat sich der Mangel an finanziellen Mitteln gesellt. "Ich versuche mir trotzdem den Kopf frei zu halten", sagt sie. Sie besitzt nicht einmal einen weiteren Trainingsdiskus - wobei es mit einem einfachen Gerät nicht getan wäre. "Es muss ein Diskus mit variablen Gewichten sein, sonst kann ich nicht wirklich gut trainieren", erklärt Inga Reschke. Verzagt wirkt sie deshalb noch lange nicht. Wer früher vor der Arbeit schon in der heimischen Garage trainiert hat, weiß offenbar einiges einzustecken. Und wenn sie den Kopf wirklich mal frei haben will, "dann gehe ich raus zum Fotografieren, das ist mein Lieblingshobby nach dem Sport." Die Motive sind dabei klar umrissen: "Am liebsten was Maritimes, mein Fokus liegt aber auf Makroaufnahmen." Auch der Videoschnitt habe sie schon immer interessiert, bekennt sich die Diskuswerferin als Technikfan. "Ich mag es einfach, die Bilder in Einklang zu bringen und mit Musik zu unterlegen." Harmonie erzeugen, etwas was in dieser Zeit schwer zu fallen scheint. Inga Reschke gibt sich trotz allem optimistisch und weiß, was sie erreichen möchte: "Ich will an den deutschen Meisterschaften teilnehmen." Eine große Hürde gilt es dafür allerdings zu nehmen - die Qualifikationsweite liegt bei 49 Metern. Dass dafür eine gewaltige Leistungssteigerung erforderlich ist, weiß Inga Reschke selber. "Natürlich kann ich nichts versprechen. Versuchen werde ich es aber auf jeden Fall.”
OSTFRIESEN ZEITUNG vom 5. Februar 2009 Die ewig Kleinste ist immer öfter die Größte 14-jähriges Leichtathletik-Talent Pia Nikoleit aus Emden wurde zweifache Landesmeisterin Von Sören Siemens Emden. Wenn Pia vor dem Start nach links und rechts schaut, sieht sie immer nur Größere. “Das macht mir nichts. Ich war schon immer die Kleinste”, sagt die 14-jährige Emderin. Haben ihre 162 Zentimeter jedoch die Ziellinie überquert, blickt die Kon- kurrenz immer häufiger zu ihr hinauf: Weil sie mal wieder die Schnellste war. So geschah es auch am Wochenende in Hannover, als Pia Nikoleit bei den Schülerinnen A über 800 und 3000 Meter den Landesmeistertitel gewann. Zwei Starts, zwei erste Plätze: “Das war ein tolles Erlebnis”, sagt Pia, die seit dem 1. Januar für die Emder LG startet und seit einem halben Jahr bereits dort trainiert. Zuvor fuhr sie über Jahre zum TuS Eintracht Hinte. Wie ihre drei älteren Geschwister lernte sie dort die Leichtathletik- Grundlagen und mit zunehmendem Alter vieles mehr. “Renate Kohle war eine tolle Trainerin”, sagt Vater Andreas Nikoleit. Den Wechsel zur Emder LG empfahl die Übungsleiterin, weil Pia in Hinte aufgrund einer fehlenden Trainingsgruppe nicht weiter ge- fördert werden konnte. Renate Kohle weiß, welchen Rohdiamanten sie abgegeben hat. “Pia ist ein kleines Mädchen, das dem Wind wenig Widerstand zu geben hat”, sagt sie. “Aber sie ist eine tolle Läuferin, sehr ehrgeizig und sehr akribisch.” Als Pia im Sommer eine dreiwöchige Trainingspause verordnet bekam, wurde die Achtklässlerin des Gymnasiums am Treck- fahrts tief fast wahnsinnig. “Das habe ich nicht ausgehalten”, gesteht die auch in vielen Schulfächern begabte 14 Jährige. Bei der Emder LG hat sie nun ein neues sportliches Zuhause gefunden. “Drei- bis viermal die Woche trainiere ich. Wenn es nach mir geht, könnte es sogar ein bisschen mehr sein.” Der Vater will sie nicht verheizen. “Wir bremsen sie manchmal aus”, gesteht er. Als er am Wochenende mit ELG-Trainer Friedhelm Peters und fünf Nachwuchssportlern bei den Landesmeisterschaften weilte, war auch er von seiner Tochter überrascht. Kaum gezeichnet von den beiden Finalläufen erreichte sie das Ziel. “Wenn ich die Distanzen im Training gelaufen bin, kam mir das viel anstrengender vor”, sagt Pia, die zwei neue Bestzeiten aufstellte: 2:21,66 Minuten über 800 Meter und 11:02 Minuten über 3000 Meter. Lange dürften die Bestzeiten nicht bestehen bleiben. Dazu ist sie viel zu jung und ehrgeizig. “Wenn ich nicht laufen gehe, fühle ich mich so faul”, berichtet sie und kann dabei aus dem Fenster einen ihrer Trainingsorte erblicken: den Emder Wall. Dort begegnet sie ab und an Erwachsenen, die sie schon bei manchem Volkslauf überholt hat. In ihrer Altersklasse lässt sie die größere Konkurrenz auch immer häufiger hinter sich. “Ich hoffe, dass zu ihren 162 Zentimetern noch einige hinzukommen”, sagt Vater Andreas. Aber auch wenn sie dann immer noch die Kleinste wäre, dürfte eines zur Regel werden: Nach dem Rennen schauen alle zu ihr hinauf.
NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG vom 10. Februar 2009 Nächste Hürde: Die EM Papenburg (fa). Er nimmt so gut wie jede Hürde: Jens Kösters gehört zu den großen emsländischen Leichtathletik-Hoffnungen. Mit dem dritten Platz bei den Deutschen Jugend-Meisterschaften im vergangenen Jahr in Berlin machte der 18-jährige Sportler der LG Papenburg-Aschendorf den Bundestrainer auf sich aufmerksam, der ihn in den Nationalkader berief. Die Hauptstadt ist ihm aber nicht nur aufgrund der Treppchenposition in guter Erinnerung geblieben. Im Vorlauf der Meisterschaften steigerte Jens Kösters seine Bestzeit über 110-Meter-Hürden auf 14,05 Sekunden. Und auch ein Trainingslager des Nationalkaders vor gut drei Monaten fand in der Nähe von Berlin statt. Nur vier Jugendliche aus ganz Deutschland gehören zu diesem elitären Aufgebot, dem C-Kader der männlichen Jugend. Kösters ist sich der Ehre bewusst und trainiert hart dafür, weiterhin nominiert zu werden. Zurzeit überspringt der Auszubildende zum Industriekaufmann während der Übungsstunden nicht nur die einen Meter hohen Hürden der Jugendklasse, sondern gewöhnt sich auch schon an die sechs Zentimeter höheren Hindernisse der Männer, die er ab dem näch- sten Jahr überspringen muss. Doch vorher hat er noch Großes vor: In diesem Jahr will Jens Kösters bei der Europameisterschaft der Jugend in Slowenien an den Start gehen. Darüber hinaus strebt der 18-Jährige bei den Ein-Meter-Hürden eine Zeit unter 14 Sekunden an. Große Ziele, die nur mit viel Training zu erreichen sind. Fünfmal in der Woche stehen Einheiten auf dem Programm. Nur mittwochs und samstags streift der amtierende Landesmeister nicht das Trikot über, wenngleich der Sport auch dann ein Thema ist - zum Beispiel am Frühstückstisch, denn auch Zwillingsbruder Sven ist Leichtathlet. Er war es, der Jens zur LG Papenburg-Aschendorf gebracht hat. “Mit elf Jahren hat mich mein Bruder zum ersten Mal mit zum Training genommen”, erzählt Jens. Zu diesem Zeitpunkt spielte er noch Fußball, konzentrierte sich aber bald auf die Leichtathletik. “Nach der ersten Teilnahme an einer Landesmeisterschaft habe ich mich schnell entschieden”, sagt Jens Kösters. “Im Fußball wäre ich vermutlich nicht so weit gekommen.” ==> Ein weiterer Bericht über Jens (und Sven) Kösters vom 1.8.2007
NEUE DEISTER-ZEITUNG vom 13. Februar 2009 Schmuddelwetter soll kein Hindernis sein Marie Dannenberg startet Sonntag bei Cross-LM Leichtathletik (jab). Es gibt um diese Jahreszeit schönere Orte als einen Radweg an der L390 kurz vor Wennigsen. Das Wetter wechselt zwischen Sonne und Schneeregen, es herrschen Temperaturen um den Gefrierpunkt. Sonntag in Ostercappeln bei Osnabrück dürfte es nicht wesentlich schöner sein. Doch da will Marie Dannenberg Landesmeisterin im Crosslauf werden. Also trainiert die 14-jährige Bennigserin, die für die LG Wennigsen/Egestorf startet, mit fünf weiteren Lauftalenten bei dem Sauwetter neben der Landstraße. Ihr Trainer hat es nicht besser. Während seine Schützlinge sich immerhin bewegen können, steht Ernest Radulian dick eingepackt mit der Stoppuhr an der Straße und gibt Anweisungen. Zwischendurch sagt er: "Es erfordert Disziplin, bei diesem Wetter rauszugehen und zu trainieren. Aber ohne Disziplin erreichst du nichts." Bei Marie Dannenberg stimmte die Disziplin nicht immer. "Aber im Januar hat sie alles richtig gemacht", sagt Radulian. "Und schon stimmten die Ergebnisse." Marie gewann beim Sichtungswettbewerb die 800 Meter der Schülerinnen W14, wurde drei Wochen später über die gleiche Strecke auch Hallen-Landesmeisterin - und verbesserte ihre Zeit dabei um sechs Sekunden auf 2:22,49 Minuten. Erst seit zwei Jahren macht die Sechstklässlerin Leichtathletik. Angefangen hat sie als 800-Meter-Läuferin, mittlerweile läuft sie auch die 2000 Meter. "Im Moment sogar lieber, weil ich die 2000 Meter zuletzt mehr trainiert habe", sagt Marie. Mit Erfolg. Auch auf der längeren Strecke wurde sie Landesmeisterin. Radulian traut ihr noch mehr zu: "Über 2000 Meter könnte sie unter die besten drei, vier in Deutschland kommen", glaubt der Trainer. Marie selbst denkt so weit nicht. Erstmal will sie den Cross-Titel auf der 2,3-Kilometer-Strecke gewinnen. Zur Deutschen Meisterschaft wäre sie gerne gefahren, die gibt es in ihrer Altersklasse aber noch nicht. Vorbilder? Hat sie nicht. "Ich kenne aber auch gar keine", sagt sie. Nebenbei reitet Marie. Auch das ist ein Freiluftsport. Sich bei Schmuddelwetter aufzuraffen, um zu trainieren "ist aber schon schwer", gibt sie zu. "Aber wenn ich erstmal laufe, geht's." Dreimal in der Woche rafft sie sich derzeit auf. Das hat sich gelohnt. Mittlerweile gehört sie zum Landeskader. Und für ihren Trainer ist sie die Favoritin auf den Titel bei der Cross-LM. "Ich weiß gar nicht, ob ich das bin", sagt Marie bescheiden.
WOLFSBURGER NACHRICHTEN vom 14. Februar 2009 "Manchmal esse ich auch Pizza und Schokolade" Leichtathletik: Sprinter Sven Knipphals vom VfL Wolfsburg will bei den deutschen Leichtathletik-Meisterschaften ins Finale Wolfsburg. Schon als kleiner Junge flitzte Sven Knipphals den meisten in seinem Alter davon. Nun will der 60- und 200-Meter- Sprinter des VfL Wolfsburg auch bei der deutschen Meisterschaft die Konkurrenz abhängen. Im WN-Gespräch mit Tiny Peter spricht der Leichtathlet über seine Ziele und sportlergerechte Ernährung. Herr Knipphals, Sie starten übernächste Woche bei den deutschen Meisterschaften in den Disziplinen 60- und 200-Meter- Sprint. Was haben Sie sich für diesen Wettkampf vorgenommen? Ich möchte auf jeden Fall auf beiden Strecken das Finale erreichen. Leider hatte ich bei den vergangenen Wettkämpfen Waden- krämpfe bekommen und dementsprechend enttäuschend abgeschnitten. Aus diesem Grund kann ich meinen Leistungsstand momentan sehr schlecht einschätzen. Doch ich bin guten Mutes, dass ich das Finale erreichen werde. Wie sieht Ihre Wettkampfvorbereitung aus? Das Training direkt vor einem Wettkampf ist meistens das schönste Training. Man trainiert weniger, dafür aber effektiver. Manch- mal reichen in einer Trainingseinheit vier Sprints aus, die ziehe ich dann mit voller Power durch. Sie studieren seit zwei Jahren in England an der Universität Bournemouth Chiropraktik. Wie lässt sich solch ein Studi- um mit dem Leistungssport vereinbaren? Es ist manchmal mit Sicherheit nicht leicht, beides unter einen Hut zu bekommen, da mein Studium viel Zeit in Anspruch nimmt. Doch meistens enden die Vorlesungen genau passend zu meinen Trainingszeiten, sodass ich jeden Abend trainieren kann. Sie starten sowohl für die Universität Bournemouth als auch für den VfL Wolfsburg bei Wettkämpfen. Wie oft trainieren Sie in Wolfsburg? Momentan bin ich wieder etwas länger in Deutschland. Beim VfL habe ich im Winter bessere Trainingsbedingungen, da es hier eine Halle gibt. In England musste ich in den vergangenen Tagen bei Minusgraden draußen trainieren - das sind natürlich keine guten Voraussetzungen. Ich versuche, in jeden Ferien nach Wolfsburg zu kommen. Achten Sie als Leistungssportler besonders auf die Ernährung? Generell achte ich immer darauf, was ich esse. Durch die richtige Ernährung kann ich noch mehr aus meinem Körper heraus- holen. Ich kaufe viele Bio- und Vollkornprodukte ein und esse wenig Fleisch, da es die Muskeln schnell übersäuert. Doch manch- mal gibt es natürlich auch mal eine Pizza und Schokolade. Haben Sie ein besonderes Ritual vor einem Wettkampf? Vor jedem Lauf brauche ich eine gesunde Mischung aus innerer Aggressivität und Entspanntheit. Um mich richtig heiß zu machen, höre ich gerne ein paar Stunden vor Wettkampfbeginn etwas härtere Musik. Direkt vor einem Lauf helfen aber auch et- was entspanntere Klänge, um die nötige Lockerheit zu bekommen. ==> Ein weiterer Bericht über Sven Knipphals vom 8.12.2007
STADER TAGEBLATT vom 18. Februar 2009 Trainingshund sorgt für Spaß und guten Start Inga Maria Müller hat ein tierisches Erfolgsrezept Von Miriam Fehlbus Ruschwedel. Annis nasse Hundenase schreckt vor dem Metall zurück. Für sie ist die Silbermedaille von den Deutschen Jugend-Hallenmeisterschaften noch ein Fremdkörper im Wohnzimmer in Ruschwedel. Gerade erst ist die 19 Jahre alte Inga Maria Müller aus Neubrandenburg zurückgekommen. Im Gepäck die Vizemeisterschaft im 400-Meter-Lauf. “Wenn ich allein trai- niert habe, war Anni oft dabei", sagt Inga Maria Müller. So eine richtige Konkurrentin war der Briard-Australian-Shepard-Mix zwar nicht. “Anni hat immer Fehlstarts hingelegt", sagt die Gymnasiastin lachend. Aber jetzt, wo bald die Abiturprüfungen warten und sechsmal die Woche Training ist, sorgt die Hündin zumindest für den nötigen Spaß. Außerdem war sie die Erste, mit der Inga Maria Müller überhaupt einen Pokal gewonnen hat. Vor vielen Jahren, im Geländelauf mit Hund über 2000 Meter. Über Stock und Stein geht es für Inga Maria Müller jetzt nicht mehr. Ihre Hindernisse stehen auf der Laufbahn. Die Paradediszi- plin der Bundeskader-Leichtathletin ist der Hürdenlauf über 400 Meter. Der gehörte bei den Deutschen Hallenmeisterschaften nicht zum Programm, aber sie sollte dort starten, um in der Wettkampfvorbereitung zu bleiben, erzählt die 1,78 Meter große Ath- letin. Das hatte ihr Landestrainer Edgar Eisenkolb geraten. Um die Trainingseinheiten mit ihm besser abstimmen und in einer starken Staffel starten zu können, ist sie Anfang des Jahres auch vom TSV Wiepenkathen zur LG Hannover gewechselt. In der Woche trainiert Inga Mafia Müller jetzt allein in Harsefeld. “Montags bekomme ich immer die Trainingspläne für die Woche per E-Mail", sagt die Athenaeum-Schülerin, die in naher Zukunft in Hannover studieren möchte. “Wirtschaftsingenieurwesen oder Maschinenbau", sagt sie. Mathe, Chemie und Physik, das sind ihre Lieblingsfächer. Wen wundert es, dass die Vizemeisterin, die auf den letzten Metern in Neubrandenburg Dauerrivalin Christiane Klopsch aus Friedberg den Vortritt lassen musste, weiß, wie viele Schritte ein 400-Meter-Lauf mit Hürden hat. “Bis zur ersten Hürde sind es 22", sagt Inga Maria Müller. Und zwischen den Hürden entscheidet die Schrittzahl, mit welchem Bein die Sportlerin abspringt. “Bei geraden Zahlen muss ich das Bein wechseln", sagt die Leichtathletin, die in diesem Sommer ein Ticket zur Junioren-Europa- meisterschaft in Serbien lösen will. “Aber wenn man anfängt zu denken, ist eigentlich schon alles vorbei", sagt sie. Zögern geht nicht im Kampf gegen die Stoppuhr, wenn diese über 400 Meter Hürden möglichst bei der Qualifikationsnorm stehen bleiben soll. Da hilft nur viel Training und Wettkampferfahrung. “Mein Traum ist die Olympia-Teilnahme 2012", sagt Inga Maria Müller; die mit acht Jahren in der Leichtathletikabteilung des TuS Harsefeld begonnen hat, dann für zwei Jahre nach Wiepenkathen wechselte. Eine gute Voraussetzung hat die leidenschaftliche Saxophon- und Klarinettenspielerin schon: Sie gehört mit ihren Leistungen bereits in ihrem letzten Jahr der Jugend-Startklasse zu den zehn besten Starterinnen im Frauenbereich. “Und da geht noch was", sagt sie kämpferisch. Erst einmal sind Höchstleist- ungen am Mittwoch gefragt, in der Physikklausur: Auch die zählt fürs Leben - es geht ums Abitur.
HILDESHEIMER ALLGEMEINE ZEITUNG vom 18. Februar 2009 (Hier veröffentlicht am 20. Februar 2009) Der Kämpfer vom Moritzberg Hildesheim (wgk). Die Moritzberger sind als ein kämpferisches Völkchen in die Geschichte Hildesheims eingegangen. Ein echter Junge vom Moritzberg scheint sich diese Eigenschaft bewahrt zu haben. Er kämpfte nach einem anfänglichen Rückschlag, konzentrierte sich und wurde mit seinem fünften Versuch deutscher Jugendmeister im Speerwerfen: Alexander Teuteberg, wohn- haft in der Zierenbergstraße, schulisch aktiv in der 10. Klasse der Albertus-Magnus-Schule, sportlich beheimatet bei Eintracht Hildesheim, errang bei den 41. Deutschen Jugend-Hallen- und Winterwurfmeisterschaften in Neubrandenburg mit einem neuen Landesrekord von 69,94 Meter den Titel in seiner Altersklasse Jugend B. "Alexander hat bei den Deutschen Meisterschaften alles perfekt gemacht", sagte der Disziplintrainer Speer beim Niedersächsischen Leichtathletik-Verband (NLV), Marek Schulz aus Hannover. "Aber dass er diese Weite erzielen würde, das hätte ich nicht gedacht." Er sieht den Hildesheimer auf einem guten Weg. "Aber", fügte er an, "im Sommer werden die Karten neu gemischt. Alex wird bestimmt vorn mit dabei sein." Bei den Winterwurf-Titelkämpfen in Neubrandenburg begann der 16-Jährige den Wettkampf mit einem Paukenschlag. Den 700g- Speer schleuderte er mit technisch perfekter Fußstellung und gewaltigem Armzug auf über 70 Meter, wurde dann aber Opfer einer extensiven Regelauslegung. Das Kampfgericht monierte, er habe zu früh die Abwurfzone verlassen. Doch der Hildesheimer legte nach. Mit 69,94m steigerte er seine persönliche Bestleistung um nahezu zehn Meter und ließ sich in seiner eher zurückhalten- den Art als neuer Deutscher Jugendmeister feiern. Der Zweite, Christian Ebert vom SC Potsdam, hatte mit 67,47m mehr als zwei Meter Rückstand. Teuteberg: "Nach der Siegerehrung wollte ich aber schnell zurück nach Hildesheim. Das war mir hinterher zu viel Stress da." Zu den ersten Gratulanten vor Ort zählten der Bundestrainer, der Landestrainer und nicht zuletzt sein Heimtrainer. Und das ist seit vielen Jahren sein Vater. Uwe Teuteberg begleitet seinen Sohn zu allen Wettkämpfen und fährt mit ihm an drei Tagen in der Woche nach Hannover zum Kader-Training im Sportleistungszentrum (SLZ) am Maschsee, an den übrigen Tagen in die Halle der Robert-Bosch-Gesamtschule oder auf den Eintracht-Platz. "Die Erfolge entschädigen mich für den zeitlichen Aufwand", so Uwe Teuteberg. Er selbst war ein guter Hürdenläufer, musste den Sport aber wegen einer Bänderdehnung im Knie an den Nagel hängen. "Alex ist pflegeleicht", sind sich Vater und Mutter Ariadne, eine gebürtige Argentinierin, einig. "Er braucht jeden Tag seine Portion Nudeln und Fleisch, Joghurt und Pudding. Nahrungsergänzungsmittel gibt es nicht." Bruder Oliver, zwei Jahre älter und Sprinter, über den Titelgewinn: "Das hätte ich Alex wirklich nicht zugetraut. Ich habe mich riesig für ihn gefreut." Der frisch gebackene Meister vom Moritzberg hat in den letzten zwölf Monaten kräftemäßig zugelegt. Man sieht es ihm an. Das Krafttrai- ning, das er zusammen mit dem Olympiateilnehmer von Peking, Stefan Steding (Hannover 96), im SLZ absolviert, trägt Früchte. "Kniebeugen mit 200 Kilogramm und Bankdrücken - da wachsen die Muskeln", meint Alex. Überhaupt lobt er das gute Zusamm- enspiel mit Steding, dessen Bestweite bei 83,50m steht: "Er hat mir viel gegeben, besonders was die Wurftechnik angeht." Der Einträchtler hat sich zum Beginn seiner Leichtathletik-Karriere zunächst intensiv mit dem Mehrkampf beschäftigt. Einen Talentfördertest des NLV beendete er als Bester. Erst als A-Schüler verlegte er sich auf das Spezialgebiet Speerwerfen. Als 15- Jähriger verbesserte er mit dem 600g-Speer den Landesrekord auf die Weite von 64,37m. "Ich sammele jetzt die Rekorde", meint Teuteberg selbstbewusst. "Stedings A-Jugend-Bestmarke steht bei 69,33m. Die knacke ich." Sein Mathe-, Physik- und Sport- lehrer Johannes Teupen lobt den Zehntklässler: "Alexander ist bei unserem Konditionstraining, das von den Schülern nur wenig geschätzt wird, die absolute Nummer eins. Er kann eigentlich alles." Mit welchen Zielen geht Alexander Teuteberg in die Freiluftsaion 2009? Im Sommer finden in Brixen (Italien) die U 18-Weltmeister- schaften statt. Die beiden Besten in jeder Disziplin wird der Deutsche Leichtathletik-Verband nominieren. "Ich muss die Weite von Neubrandenburg noch einmal werfen. Aber ich hoffe natürlich, dass mein Speer im Sommer sogar bei 72 oder 73 Metern landet" - Teutebergs Ziele sind also klar formuliert. Sein NLV-Coach Marek Schulz hat ihm nach seinem Titelgewinn in Neu- brandenburg spontan ein paar trainingsfreie Tage gewährt. Der Moritzberger genießt es, Vater Uwe auch. 20 bis 25 Stunden pro Woche widmet der vierfache Niedersachsenmeister und aktuelle deutsche Jugendmeister seiner Lieblingsbeschäftigung, dem technisch anspruchsvollen Werfen des Speeres. Da bleibt neben seinem Sport kaum Zeit für andere Dinge, zum Beispiel für Musikhören. Alexander: "Ich höre alles, außer Klassik."
NORDSEE ZEITUNG vom 20. Februar 2009 Den Wehdelern Beine gemacht Wolfgang Lehmann hat die Leichtathletik ins Dorf geholt / Nach 38 Jahren als Sportfunktionär ist heute Schluss Wehdel (fix). Wolfgang Lehmann sprintet und springt für sein Leben gern. Als sechsjähriger Dreikäsehoch ist er in seinem Hei- matort Wehdel in der Kinderriege des TSV gestartet. Später machte er die Talente des Vereins als Trainer fit für Meistertitel. Heute Abend hängt der 57-Jährige sein Amt nach 38 Jahren als Leichtathletikwart des Vereins an den Nagel und lässt den Nach- wuchs ran. Eine Bilderbuchkarriere. So lange wie er halten es nur die wenigsten Sportfunktionäre im Amt aus. Das bestätigt auch der stell- vertretende Vorsitzende des Kreissportbundes, Hans-Dieter Hoffmeister aus Ihlienworth. Ganz Sportsmann, hat der langjährige Funktionär Lehmann rechtzeitig die Weichen für den erfolgreichen Stafettenwechsel gestellt. Für das Stühlerücken im Vorstand kann er drei junge Kandidaten präsentieren, die er aber erst heute Abend auf der Jahreshauptversammlung vorstellen möchte. “Alle jung, aktiv, dynamisch" sagt er. So, wie Leichtathleten eben sind. Der oder die Nachfolgerin erbt eine 250-köpfige Abteilung, in der sich Aktive, Trainer und Ehemalige tummeln. Lehmann möchte nur noch als Trainer und Kampfrichter weitermachen und seinen Posten als Pressewart des Kreisleichtathletikverbandes behalten. Dort arbeitet er auch schon seit 36 Jahren im Vorstand, machte die Fusion der ehemaligen Verbände in den Altkreisen zum großen Cuxhavener Verbund mit. Als Sechsjähriger gestartet Als Lehmann als Sechsjähriger in Wehdel in der Kinderriege loslegte, schickte ihn sein Förderer Hans Abraham schon bald nach Bremerhaven, wo ihn Kurt Dänighaus vom TV Lehe und Gerhard (Blacky) Schwarz vom OSC Bremerhaven weiter förderten. Lehr- meister, die Lehmann nie vergessen wird. “Alles, was ich bei ihnen lernte, hat mir geholfen, die Leichtathletikabteilung in Wehdel aufzubauen", sagt er. Einer seiner großen Träume wurde wahr, als 2003 die rote Kunststoffbahn auf dem Wehdeler Sportplatz fertig wurde. Das macht Wehdel, das ohnehin schon sportlich aktive Dorf, noch attraktiver. Seither kann der Sportverein Wett- kämpfe bis hin zu den Bezirks- und Landesmeisterschaften veranstalten. Durchschnittlich acht überregionale Veranstaltungen im Jahr bringen scharenweise Leichtathleten ins 2188-Seelen-Dorf. Und immer steht die rote Kunststoffbahn im Mittelpunkt, auf der Lehmann unzählige Einsätze auch als Kampfrichter und Trainer hatte. Deren Entstehung er hautnah miterlebte als Bauleiter und im Team mit anderen beim Klinkenputzen für Zuschüsse in Hannover. Lehmann läuft weiter Auch wenn er den Funktionärsposten jetzt verlässt, laufen will Lehmann weiter. Nur lässt er es ein bisschen sinniger angehen als in seiner Sturm- und Drangzeit. Früher waren 100-Meter-Sprint und Weitsprung seine Lieblingsdisziplinen. Heute joggt er lieber und erwirbt jedes Jahr das Sportabzeichen. Wolfgang Lehmann ist der lebende Beweis dafür, dass Sport dem Körper gut tut. Mit 57 Jahren, sagt er, passe er noch in die weißen Trikots, die er in jungen Jahren getragen und bis heute aufbewahrt hat.
NIEDERELBE ZEITUNG vom 23. Februar 2009 Ein gut vermessener Marathon ist genau 42,195 Meter zu lang Relef Saul ist der einzige Streckenvermesser in der Region / Cuxhaven erhält eine Alternativstrecke Von Frank Lütt Ein Fahrradfahrer mit orangefarbener Warnweste zog gestern Vormittag in Cuxhaven die Blicke auf sich. Und sicher hatten sich einige Autofahrer auch ein wenig über ihn geärgert, weil er mitten auf der Fahrbahn fuhr, manches Mal anhielt und doch nicht richtig Platz machte. Das kennt Relef Saul schon. Es ist ihm auch etwas unangenehm, aber "wat mutt, dat mutt". Der Wannaer ist weit und breit der einzige vom deutschen Leichtathletikverband (DLV) bestellte Vermesser. Gestern nahm er die Cuxhavener Marathonstrecke unter die Reifen seines Damenfahrrades. Seit über zehn Jahren geht der Angestellte eines Cuxhavener Kauf- hauses mittlerweile in der Freizeit dieser Tätigkeit nach. Der 43-Jährige ist Mitglied beim TSV Wanna. Er selbst bezeichnet sich nur noch als Hobbyläufer. Klar, dass er in seinem Hei- matort die Laufstrecken für 'Rund um Wanna' und 'Osterlauf' vermessen hat. Aber auch in Nordholz, Bremerhaven, Lüdingworth, Debstedt oder sogar im Kreis Stade sowie auf der anderen Weserseite in Nordenham war sein Fachwissen schon gefragt. Beim KSK Küstenmarathon zum Weltkindertag in Otterndorf hat er auch die unterschiedlichen Strecken vermessen, dort ist er auch im Organisationskomitee aktiv. Gestern hatte Saul von den Veranstaltern des 3. Cuxhavener Sparkassen Marathon zwei Aufträge erhalten: Die neue Strecke für die Kinderläufe - 2,5-Kilometer-Runde vom Kaemmererplatz bis Wetterstation und zurück - zu vermessen und eine Alternativroute für die Läufer über zehn Kilometer, Halbmarathon und Marathon zu finden. Diese Strecke kommt aber nur zum Einsatz, falls eine Sturmflut oder ein deutlich zu hohes Hochwasser den Promenadenweg in der Grimmershörnbucht überspült. Der Tidenkalender lässt solche Befürchtungen für den 5. April durchaus zu. Im Fall der Fälle müssten die Teilnehmer dann in der Bucht auf dem Deich und nicht mehr unten laufen. Die Zehn-Kilometer-Läufer müssen dann etwa 80 Meter mehr absolvieren, die Halbmarathon- teilnehmer 14 Meter und die Marathonis 28 Meter. Für die Teilnehmer sicherlich kein Problem, wenn sie von den widrigen Um- ständen hören würden. "Lieber mehr Meter als zu wenig", erklärt Saul die Devise, um letztendlich auch Bestenlistenfähige Ergebnisse zu erzielen. Über- haupt sollte jeder Lauf sowieso länger sein als sein Name vermuten lässt. Ein gut vermessener Marathon (42,195 Kilometer) ist genau 42,195 Meter zu lang, also 42,237695 Kilometer. Das internationale und nationale Reglement schreibt vor, dass ein Sicher- heitsfaktor von einem Meter auf einen Kilometer eingebaut wird, damit die Strecke auf jeden Fall nicht zu kurz ist. Doch bevor Saul gestern überhaupt auf die Marathonstrecke konnte, musste er seinen Einheitenzähler am Fahrrad kontrollieren. Eine Rad- umdrehung sind schon über 40 Einheiten. Auf der Niedersachsenstraße im Cuxhavener Hafen hat er mit einem Maßband eine 450 Meter lange und ebene Gerade ausgemessen. Anschließend ging es mit dem Fahrrad zweimal hin und zurück, um dann letztendlich aus vier abgelesenen Werten einen Mittelwert zu erstellen. Dieser wurde dann auf 1000 Meter umgerechnet. Nach der Laufstreckenmessung musste der Wannaer übrigens noch einmal zum Abgleich auf seine Teststrecke im Hafen. Die Streckenvermesser haben einen hohen Aufwand bei der Protokoll-Erstellung zu betreiben. Die Strecke muss genau beschrieben werden. Jede wichtige Kreuzung muss unter Kilometerangabe beschrieben werden. Start- und Wendepunkte werden durch eine Dreipunktmessung festgehalten. Zwei Tage für einen Marathon Alles in allem braucht der Spezialist vom DLV gut zwei Arbeitstage für einen Marathon. Und die Arbeit geht offensichtlich nie aus. Saul war an einigen Orten schon mehrfach: "Die Veranstalter wollen schließlich ihre Strecke immer verbessern oder ihr Angebot erweitern."
HARKE am SONNTAG (Nienburg) vom 1. März 2009 Jetzt greift sie wieder an Für Sylvia Kuhlenkamp war die siebenmonatige Pause höchst ungewohnt Von Jan Herrmann Nienburg. Sylvia Kuhlenkamp ist in Nienburg bekannt wie ein bunter Hund. Wenn die Läuferin samstags auf dem Weserwall joggt, wird sie von fast allen Spaziergängern gegrüßt. In ihrer Trainingsjacke mit den schwarz-rot-goldenen Streifen fällt die 46- Jährige auf. “Sille” Kuhlenkamp hat nun etwas gemacht, was für die Vollblutläuferin höchst ungewöhnlich ist: Sie hat pausiert. Sieben Monate lief sie keinen einzigen Wettkampf. Für die Nienburgerin, die seit fast 20 Jahren regelmäßig gegen andere Läufer- innen antritt, war das eine völlig neue Erfahrung. Die Wettkampfpause legte sie aber nicht freiwillig ein: Eine Achillessehnenent- zündung zwang sie, kürzer zu treten. “Ich hatte es übertrieben”, sagt sie. In Vorbereitung auf die Deutschen Meisterschaften im vergangenen September in Karlsruhe hatte sie zu hart trainiert. Tagsüber war sie als Schwimmmeisterin im Nienburger Bad an der Mindener Landstraße aktiv, und abends absolvierte sie noch 20 Kilometer auf der Laufbahn - das war zu viel für den Körper. Drei Tage vor den Meisterschaften wachte sie mit Schmerzen in der Achillessehne auf: “Ich konnte nicht mehr auftreten.” Weil alles organisiert war und sie trotzdem antreten wollte, bat sie ihren Arzt um entsprechende Medikamente. Der wiegelte ab und verordnete eine Ruhepause. Die Wochenenden waren plötzlich frei. “Sille” hatte wieder mehr Zeit für ihren Partner, für Freunde, einen Kinobesuch oder einfach nur zum Ausspannen. Viele Menschen erkundigten sich, ob sie mit dem Laufen aufgehört habe. Es war ungewohnt, keine Ergeb- nisse von ihr in der Zeitung zu lesen. Auch um den Kopf wieder frei zu bekommen, war diese Pause hilfreich. "Bei jedem Wett- kampf ist ja dieser Druck da", erzählt sie, “das ist schon auch Stress”. Erst wenn das Rennen beginnt, verliert sich die Anspann- ung und die Aufregung. Ganz vom Laufen konnte sie ihre Finger in dieser Wettkampfpause aber nicht lassen: Locker trainiert hat sie immer - auch unter Schmerzen. “Es ist schon eine gewisse Form der Sucht.” Nach einer Rippenentzündung, die sie zwang, ihr Comeback zu verschieben, ist die Leichtathletin jetzt wieder fit - und motiviert wie eh und je. Diesen Monat will sie bei den Landesmeisterschaften über zehn Kilometer starten. Fünf bis sechs Trainingseinheiten pro Woche umfasst ihr Programm schon wieder. In den nächsten Tagen kommt sie vom Trainingslager aus der Türkei zurück. Auch wenn die 46-Jährige zweimalige Welt- meisterin mit der Mannschaft geworden ist, ist sie weiter hungrig auf Erfolg. “Vor meinem 50. Lebensjahr möchte ich noch mal eine Einzelmedaille gewinnen.” Und wer “Sille” kennt, weiß, dass sie damit nicht die Bronze- oder Silbermedaille meint.
WESER KURIER vom 4. März 2009 "Es geht um Siege, Weiten sind da zweitrangig" Weitspringer Sebastian Bayer über die anstehende Hallen-EM, den Wechsel von Leverkusen nach Bremen und seine Freundin Carolin Nytra Heute Morgen um 9.30 Uhr steigt Sebastian Bayer hier in Bremen in den Flieger. Via Frankfurt geht es nach Turin. Dort finden am Wochenende die Hallen-Europameisterschaften in der Leichtathletik statt. Die Experten trauen Sebastian Bayer im Weitsprung eine Überraschung zu. Mit 8,17 Metern legte der amtierende Deutsche Hallenmeister vor fünf Tagen beim Meeting in Chemnitz das zweitbeste Ergebnis des Jahres hin - weltweit. Unser Redakteur Marc Hagedorn sprach mit dem 22-Jährigen, der seit Jahres- beginn in Bremen lebt und für den Bremer LT/TuS Komet Arsten startet. Frage: Herr Bayer, was machen Sie am Sonntag um 18.10 Uhr? Sebastian Bayer: Um 18.10 Uhr? Das Weitsprungfinale ist doch um 16 Uhr! Für 18.10 Uhr ist die Siegerehrung angesetzt... Ach so (lacht). Na dann möchte ich gerne dabei sein. Die Vorzeichen sind gut. Na ja, mein erstes Ziel ist es, den Sonnabend, also die Vorkämpfe, zu überstehen. Klingt bescheiden! Die Qualifikation kann sehr schnell zu einem Stolperstein werden. Ich weiß leider Gottes, wovon ich rede. Weil Sie bei der EM in Göteborg und bei Olympia 2008 das Finale verpasst haben... Das geht manchmal sehr schnell. Aber insgesamt bin ich natürlich sehr zuversichtlich. Ich habe zuletzt sehr starke erste Ver- suche hingelegt. Deutscher Meister mit 8,13 Metern in Leipzig, Sieger in Chemnitz mit 8,17 Metern. Im Fußball würde man sagen, dass Sie zurzeit einen Lauf haben. Es läuft momentan wirklich sehr gut. Aber mit dem Fußball kann man das eigentlich nicht vergleichen. Fußballer haben eine sehr gute Saison gespielt, wenn sie konstant 90 Prozent ihrer Leistung abgerufen haben. Wir Leichtathleten dagegen müssen anders arbeiten. Wir haben zwei, drei Höhepunkte im Jahr, und genau zu diesen Zeitpunkten müssen wir bei 100 Prozent sein. Und? Sind Sie es? Ich glaube, ja. Ich bin zwar im Moment ein wenig müde, aber bis zum Wochenende ist das weg. Sie haben jüngst in einem Interview von 8,20 Metern als nächste große Marke gesprochen. Fällt die schon in Turin? Das weiß ich nicht. Das ist mir für Turin aber auch ziemlich egal. Bei einer EM geht es um Siege, da sind Weiten erstmal zweit- rangig. Wenn ich mit 8,10 Metern unter die ersten Sechs komme, ist das okay. Wenn schon 8,00 Meter für einen Platz ganz weit vorne reichen, wär’s mir auch egal. Am Ende zählt nur die Platzierung. Nimmt man die aktuelle Weltjahresbestenliste, steht nur der Grieche Louis Tsatoumas mit 8,20 Metern vor Ihnen. Das macht Sie zu einem Medaillenkandidaten. Da spielen viele Faktoren eine Rolle. Ich kenne zum Beispiel die Bedingungen in Turin gar nicht. In Chemnitz und Leipzig waren die Anlagen super. Ein paar Worte zur Konkurrenz? Ich beobachte natürlich, was die anderen machen. Der Grieche zum Beispiel ist sehr früh sehr gut in die Saison gekommen, jetzt ist er aber angeblich vergrippt. Die beiden Franzosen (Salim Sdiri und Kafétien Gomis, Anmerkung der Redaktion) kenne ich, sie sind sehr stark. Und gegen Marcin Starzak aus Polen bin ich gerade in Chemnitz gesprungen. Es kommt am Ende auf die Tagesform an. Haben Sie die Konkurrenz im Wettkampf auch im Blick? Oder ist man da als Athlet mit sich alleine? Also ich registriere schon, was die anderen machen. Nicht im Sinne einer Analyse, sondern eher als Motivationshilfe. Wenn ich zum Beispiel im Vorkampf mit 7,98 Metern auf Platz fünf stehe, dann zwei Springer acht Meter nachlegen und ich zurückfalle, dann sind die Weiten der anderen ein echter Ansporn für mich. Apropos Ansporn: Ihre Freundin, die Hürdensprinterin Carolin Nytra, startet auch in Turin, allerdings schon am Freitag. Da können Sie ihr noch kräftig die Daumen drücken. oder? Na ja, ich habe klare Vorgaben von meinem Trainer Jens Ellrott bekommen. Ich muss mich auch auf meinen Wettkampf vorbe- reiten. Aber natürlich fiebere ich am Freitag mit. Ich hoffe, dass sie in Turin drei Läufe hat, also ins Finale kommt. Ein Rennen davon werde ich bestimmt auch in der Halle live erleben, die anderen dann aber wohl eher im Fernsehen. Wegen Carolin Nytra sind Sie von Bayer Leverkusen nach Bremen gewechselt. Von einer Leichtathletik-Hochburg in eine eher überschaubare Szene. Ehrlich gesagt, habe ich darüber gar nicht so viel nachgedacht. Der Wechsel ist gut für mich und gut für die Beziehung. Sonst war es für uns beide oft nicht leicht, alles unter einen Hut zu bekommen. Wenn man jedes Wochenende 600 Kilometer im Auto von Bremen nach Leverkusen oder umgekehrt fährt, ist das nicht unbedingt leistungsfördernd. Trotzdem ist Bremen schon eine etwas kleinere Hausnummer. Na klar, so einen Trainingskomplex wie in Leverkusen für 21 Millionen Euro gibt es hier natürlich nicht. Aber ich bin Weitspringer, ich brauche keine Rundbahn. Und ganz ehrlich: Wenn ich nach dem Training im Weserstadion zu meinem Physio in die Neustadt fahren muss, dann ist das zwar umständlicher als in Leverkusen, wo alles unter einem Dach ist. Aber das sind alles nur Kleinig- keiten, das ist für mich überhaupt kein Problem. Noch mal zurück zu Turin: Wenn Sie da ihre 8,17 Meter von Chemnitz wiederholen, wo landen Sie dann mit dieser Weite? Dann bin ich auf jeden Fall am Sonntag um 18.10 Uhr bei der Siegerehrung dabei! ----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Nach oben Zurück zur Übersicht (Porträts und Berichte über Leichtathleten) Zurück zur vorherigen Seite Zurück zur Startseite
|