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Zurück zur Übersicht (Porträts und Berichte über Leichtathleten) / Zurück zur vorherigen Seite / Zurück zur Startseite ----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Jana und Kim Elisa Sussmann LG Nordheide (11.3.2009) Christel Junker MTV Aurich (12.3.2009) Tina Versemann TV Sottrum (18.3.2009) Viktor Kuk OSC Damme (1.4.2009) Lars Ruchel Leer (9.4.2009) Horst Kassebaum SV Union Salzgitter (15.4.2009) Herwald Kloppe KLV Diepholz (18.5.2009) Patrick Jochmann LG Osnabrück (31.5.2009) Heiko Lersch SV Brake (5.6.2009) Richard Olbrich SVG Grün-Weiß Bad Gandersheim (5.6.2009) Helmut Frenzel Bremer LV (13.6.2009) Haika Laube TSV Wehdel (1.7.2009) Helmuth Böttjer TSV Gnarrenburg (4.7.2009) Christiane Pölking NLV-Kreis Delmenhorst (4.7.2009) Bruno Gärtner SV Werder Bremen (8.7.2009) Horst Baumgarten und Jan-Merten Janowski TSV Radbruch / LG Lüneburg Stadt-Land (8.7.2009) Fredrik Branscheidt OTB Osnabrück (11.7.2009) Petra Möhle NLV / LG Solling / Uslar (22.7.2009) Matthias Meyer LG Hanstedt/Wellendorf/Wriedel (25.7.2009) Etienne Diatta LG Weserbergland (25.7.2009) Clemens Löcke / Björn Lippold Salzgitter (1.8.2009) Johannes Chmielewski Edemissen (8.8.2009) Nikolai Juretzko LG Nienburg (8.8.2009) Yvonne Jungen TuS Alfstedt (14.8.2009) Marie Holzschuh LG Weserbergland (15.8.2009) Anton Ruscheinsky VfL Hameln (27.8.2009) Christin Bormann TSV Asendorf (31.8.2009) Enno Borchers VfL Rastede (4.9.2009) Christoph Stolz VfL Wolfsburg (5.9.2009) Jan-Ferdinand Lühmann Rot-Weiss Cuxhaven (10.9.2009) Klaus Peschke SC Bad Münder (11.9.2009) Katharina Homann TSV Lelm (17.9.2009) Herwig Renkwitz Bremer LV (17.9.2009) Nicol Kläres SV Germania Helmstedt (23.9.2009) Celina Gartzke Bookholzberger TB (1.10.2009) Tabea Brüning TSV Asendorf (15.10.2009) Annelore Giese Post-SV Buxtehude (16.10.2009) Muriel Pfläging SC Kirch- und Westerweyhe (20.10.2009) Luminita Zaituc LG Braunschweig (21.10.2009) Oliver Sebrantke LC Hansa Stuhr (22.10.2009) Detlef Peters TSV Eintracht Hittfeld (28.10.2009) Bastienne Bischof LGG Ganderkesee (29.10.2009) ----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- WINSENER ANZEIGER vom 11. März 2009 Jana rennt, und Kim geht lieber Tönnhausen. Bislang glichen sich die sportlichen Zwillinge der WA-Reihe immer wie ein Ei dem anderen - äußerlich jedenfalls. Bei den beiden jungen Leichtathletinnen ist das anders: Eine hat lockige dunkle Haare, die andere ist blond, eine ist Linkshänder- in, die andere schreibt mit rechts, eine ist extrem erfolgreich, die andere nicht ganz so - und trotzdem sind sie Zwillinge. Die Rede ist von Jana und Kim Elisa Sussmann aus Tönnhausen. Klar, die beiden 18-Jährigen sind zweieiige Zwillinge. Jana war bei der Geburt die Schnellere und hängte Kim um satte drei Minuten ab. Allerdings war Kim die erste bei der Leichtathletik und zu- nächst auch die bessere. “Das hat sich dann geändert”, gesteht Kim lächelnd. Jana läuft inzwischen im Nationaldress für Deutschland und ist gerade als Sportlerin des Jahres im Landkreis Harburg geehrt und zur Leichtathletin des Jahres in Nieder- sachsen gewählt worden! Als Achtjährige startete Kim mit der Leichtathletik im MTV Laßrönne. “Aber ich war immer die Jüngste, das war erstmal nicht so mein Ding”, erzählt die Abiturientin. Das ungleiche Duo probierte Judo, Tischtennis und Kunstturnen und kam mit zwölf zurück zur Leichtathletik in die LG Nordheide-Trainingsgruppe von Gerd Prüßmann. “Nee, ähnlich sind wir uns wirklich nicht”, behaupten auch die Sussmann-Girls eisern - wie wohl alle Zwillinge. “Jana ist ehrgeiziger und nimmt alles ernster. Das macht einfach auch ihren Erfolg aus”, beschreibt Kim ihre Schwester. “Kim, die wohl genauso talentiert ist wie ich, nimmt vieles lockerer. Sie macht Sport, um fit zu bleiben und sucht das Mannschaftserlebnis”, erzählt Jana wiederum über Kim. Vom Gleichsein halten die Zwillinge wenig: Sie sind von der Grundschule an in verschiedene Klasse gegangen - “Aber wir waren immer die jeweils Schnellsten!” -, Jana wählte auf dem Gymnasium Latein, Kim entschied sich für Französisch. “Wir tragen eigentlich nie die gleichen Klamotten, wir mögen unterschiedliche Süßigkeiten und finden andere Jungs gut”, sind sich beide einig. Allerdings wollen beide Medizin studieren, doch während es Jana zur Sportmedizin zieht, möchte Kim in die Pathologie. Jana wirkt quirliger, Kim ruhiger. “Stimmt, unser Vater sagt immer: Jana rennt die Treppen hoch, Kim geht lieber”, berichten die Zwillinge grinsend, und zwar plötzlich fast wie aus einem Mund. Also gibt es doch dieses unsichtbare Band zwischen den unter- schiedlichen Zwillingen? “Klar, als Kim für ein Jahr in den USA war, war das für mich ganz schön schlimm. So lange waren wir noch nie getrennt”, meint Jana. “Wir sind sogar zur selben Zeit krank geworden”, fügt Kim grinsend an. Und plötzlich sind sich beide super-einig: “Wir haben total denselben Humor!” Das Training ruft. Während Kim bei Gerd Prüßmann für die Quali mit der 4 x 400 m- und der 3 x 800 m-Staffel zur Deutschen Meisterschaft ackert, hat Jana 2009 ein anderes großes Ziel: die Europameisterschaft in Serbien. Beide gönnen sich den Erfolg und ganz Zwilling-like kommt am Ende doch noch raus: “Wir sind die besten Freundinnen und verstehen uns auch ohne Worte!”
OSTFRIESEN ZEITUNG vom 12. März 2009 Nach schwerer Krankheit auf Titeljagd Christel Junker ist an Brustkrebs erkrankt / Deutsche Senioren-Meisterin im Hammerwerfen Von Theo Gerken Bangstede. Kaum Zeit für die Ehrung zur Sportlerin des Jahres 2008 durch ihren Verein MTV Aurich hat Christel Junker aus Bangstede. “Vom 24. bis 29. März bestreite ich gerade meinen ersten Wettkampf bei den Hallen-Europameisterschaften im italienischen Ancona”, erzählt die 55-jährige Erzieherin. In den vier Wurfdisziplinen misst sie sich in der Altersklasse W 55 mit den besten Seniorinnen aus Europa. “Leider steht das Hammerwerfen nicht auf dem Programm”, stellt Junker bedauernd fest. Denn in der Disziplin gewann sie vor zehn Tagen mit einer Weite von 32,33 m in Düsseldorf die Deutsche Meisterschaft in ihrer Altersklasse. Auf ihre Ehrung muss sie allerdings nicht verzichten. Die findet jetzt eine Woche vorher statt. Ihre Leistung ist um so bemerkenswerter, weil die Ostfriesin einen Schicksalsschlag erleiden musste und im Gegensatz zu ihrer Konkurrenz nicht gesund ist. Eine Brustkrebserkrankung mit mehreren Operationen und einer Amputation warf sie zurück, doch sie ging danach noch konzentrierter in ihre Trainingseinheiten, die sie zumeist alleine absolviert. “Die Krankheit ist nicht weg, sie wird nur verdrängt”, ist ihre Art, damit umzugehen. Trotz der Krankheit und der Behinderung schaffte sie weiter sportliche Höchst- leistungen. So ist sie in der Weltrangliste ebenso vertreten wie in der Deutschen Rangliste. Dabei ist sie nur per Zufall zum Wurfsport gekommen. “Am 17. Mai 2006 habe ich meine Tochter Ann-Christin zu einem Wett- kampf von Fortuna Wirdum nach Marienhafe gefahren und habe dort jeweils die Kugeln nach dem Stoßen zurückgeworfen”, er- zählt Junker. Das ging so gut, dass ihr Talent auch ohne Sportbekleidung nicht verborgen blieb. Sie, die während der Schulzeit in der Realschule in Aurich schon eine gute Läuferin und Springerin war, schloss sich dem MTV Aurich an und nahm bereits ein halbes Jahr später an den Deutschen Meisterschaften in Aachen teil. “Ich bin zwar in der Vorrunde rausgeflogen, war aber trotz- dem glücklich”, weiß Junker heute noch genau. Besonders stolz ist sie auf ihre Deutschen Meisterschaften im Behindertensport. Am 21. Februar 2009 startete sie in der Altersklasse W 40 und gewann den Titel im Kugelstoßen mit 8,77 m und im Standweit- sprung mit 1,80 m. Eine persönliche Herausforderung ist für Christel Junker dabei immer die Finanzierung dieser Wettkämpfe. Vom Verein kommt keine Unterstützung, und Sponsoren hat sie so gut wie keine. Lediglich der Unterwäsche- und Prothesenproduzent Anita aus Brannenburg in Bayern hilft ihr nach Vermittlung des Auricher Sanitätshauses am Fernsehturm mit Sportbekleidung. So ist sie noch nicht sicher, ob sie die Reise zu den Weltmeisterschaften im finnischen Lathi überhaupt bezahlen kann. Allein die Melde- gelder betragen dort schon mehr als 200 Euro. Auf jeden Fall will sie weiter trainieren und ihrer Arbeit als Erzieherin an der Astrid-Lindgren-Schule in Moordorf nachgehen: “Das macht viel Spaß.”
ROTENBURGER KREISZEITUNG vom 18. März 2009 Tina Versemann blickt nach vorn Erfolgreiches Comeback nach einjähriger Auszeit / Trainingslager in der Türkei, Marathon in Hamburg Von Matthias Freese Scheeßel. Am Sonntag geht′s in die Türkei - aber nicht, um an der dortigen Riviera Urlaub zu machen. Tina Versemann, Lang- streckenläuferin des TV Sottrum und gleichzeitig Triathlon-Chefin des TV Scheeßel, hat ein Trainingslager gebucht. "180 Kilo- meter pro Woche stehen da an", verrät die am Montag 41 Jahre alt gewordene Athletin. Sie freut sich auf die Einheiten im warmen Side mit dem erfahrenen Lauftrainer Peter Greif. Schließlich musste sie ein Jahr lang mit ihrem Hobby aussetzen und legte beim 39. Oldenburger Straßenlauf gerade erst ein glänzendes Comeback hin. Die Scheeßelerin gewann an der Hunte in 1:51:32 Stunden die Frauen-Gesamtwertung im 25-Kilometer-Lauf. "Fürs erste Mal war es schon ganz in Ordnung und recht er- folgreich", bemerkte Tina Versemann nach dem Lauf durch den Oldenburger Dauerregen. Und ergänzte schmunzelnd: "Nach einem Kilometer hatte ich schon nasse Füße." Solche Umstände haben ihr jedoch nichts an. Peanuts, wenn sie an die Leidens- zeit des letzten Jahres zurückdenkt. Mehr liegend als laufend war Tina Versemann mehrere Monate anzutreffen gewesen. Ein nur mit starken Schmerzmitteln zu behandelndes Knochenmarksödem hatte für eine Vollbremsung gesorgt - quasi von 100 auf null. 2007 hatte sie immerhin 4500 Trainingskilometer in den Beinen gehabt. Vorsichtig wagte sich die Norddeutsche Marathon- und Deutsche Marathon-Feuerwehr-Meisterin von 2007 wieder heran. Der Crosslauf in Scheeßel vor wenigen Wochen war quasi ein Testlauf für sie, der Straßenlauf in Oldenburg nun die "ideale Vorbereit- ung" beziehungsweise Generalprobe für den Hamburg-Marathon im April. "Da werde ich aber nicht auf Zeit laufen, sondern gucken, ob die Muskulatur hält", sagt Tina Versemann. Sollte dem so sein, plant die Scheeßelerin im Herbst den Start beim Marathon in Bremen oder Berlin. Mit ihren Mitstreiterinnen des TV Sottrum, Ute Vehlow-Diekmann, Sonja Prüser und Margret Bucklitsch, peilt Tina Versemann aber in diesem Jahr noch ein anderes großes Ziel an. In Zeven werden im Herbst die nieder- sächsischen Meisterschaften im Halbmarathon ausgetragen. "Das nehmen wir ruhig mal mit, da wollen wir angreifen." Tina Versemann ist es nach der unfreiwilligen Auszeit - nahezu parellel übrigens mit der von Ute Vehlow-Diekmann - anzumerken: Sie hat wieder Blut geleckt. Getreu dem Motto, das auf einem ihrer Laufshirts steht: "Da wo wir sind, da ist vorn."
OLDENBURGISCHE VOLKSZEITUNG vom 1. April 2009 Dammer Talent auf dem Weg nach oben Damme. Die Laufexperten staunten nicht schlecht an jenem 13. Mai 2005. Quasi aus dem Nichts tauchte beim Pfingstlauf des OSC Damme ein junger Bursche in den Ergebnislisten auf, dessen Name bis dahin nur Fußball-Insidern etwas sagte: In 36:57 Minuten lief der damals 15-jährige Viktor Kuk über zehn Kilometer auf den dritten Platz - und das in seinem ersten Wettkampf überhaupt. Ein beeindruckendes Debüt, aus Viktor Kuks Sicht allerdings eins mit zwei Schönheitsfehlern: Zum einen musste sich der Schüler, damals noch Fußballer in der Jugend von RW Damme, seinem Lehrer Gerhard Kröger geschlagen geben - der gewann den Lauf in 35:37 min. Zum anderen weckte Viktors starke Zeit Zweifel in der eigenen Familie: "Mein Vater hat mir das nicht geglaubt", erinnert sich Viktor Kuk heute. Also blieb ihm nichts anderes übrig, als wenig später beim Volkslauf in Neuen- kirchen erneut anzutreten. Auch hier wurde er nach acht Kilometern in 29:19 min Dritter, und diesmal war sein Vater dabei. Knappe vier Jahre später ist Viktor Kuk eines der größten Leichtathletik-Talente der Region. "Er hat sich super weiterentwickelt. Er ist trainingsfleißig und ist in der Lage, sehr lange hohes Tempo zu gehen", sagt Bernard Bünnemeyer, Leichtathletik-Abteil- ungsleiter beim OSC Damme, über den heute 19-Jährigen. Zuletzt bewies Viktor Kuk seine Qualitäten am Wochenende beim Lauf am Lohner Motorpark, wo er bei nasskaltem Wetter die 10 km in 31:58 min gewann. Bünnemeyer: "Das war schon eine Klasseleistung." Dabei sind es eigentlich eher die kürzeren Strecken, die Viktor Kuk liegen: die 800 m, die 1000 m und die 2000 bzw. 3000 m Hindernis. Über 3000 m Hindernis hofft Kuk, im Sommer bei der Deutschen Juniorenmeisterschaft in Göttingen unter die ersten Acht zu laufen. Über Gerhard Kröger und Bernhard Bünnemeyer fand Viktor Kuk, der in Kasachstan geboren wurde, aber schon im Alter von zehn Monaten mit seinen Eltern nach Deutschland kam, zum OSC Damme. Eine Knieverletzung erleichterte ihm die Entscheid- ung, mit dem Fußball aufzuhören. Nach den Trainingsplänen seines Osnabrücker Coaches Andreas Wollherr trainiert der an- gehende Abiturient täglich, teilweise sogar zweimal. Mittlerweile hat er auch seinen Bruder Bernhardt und sogar seinen Vater fürs Laufen begeistert. "Der ist mehr so der Sprintertyp", sagt Viktor. Für sein neues Hobby hat der Vater sogar mit dem Rauchen aufgehört.
OSTFRIESEN ZEITUNG vom 9. April 2009 Wer in die Kamera winkt, fährt nach Hause Lars Ruchel ist Kampfrichter bei Leichtathletik-WM in Berlin und hat strenge Regeln zu befolgen Von Helen Drieling Leer. Lars Ruchel knackte keine Sprint-Bestzeit, schaffte keinen Rekord im Weitsprung und hat sich auch sonst nicht sportlich für die Teilnahme an der Leichathletik-WM qualifiziert. Trotzdem ist der 28-Jährige Leeraner auf jeden Fall im Sommer in Berlin mit dabei. Denn er ist einer der 350 Kampfrichter, die bei der WM dafür sorgen, dass alles mit rechten Dingen zugeht. “Eine Welt- meisterschaft ist schon etwas Besonderes. Eine solche Chance bekommt man nicht oft”, sagt der ehemalige Sprinter des VfL Germania Leer, der seit 2006 zum Kreis der Nationalen Technischen Offiziellen in der Leichtathletik gehört. Als Obmann im so genannten “Callroom” - einer Schleuse, die die Athleten vor dem Einlass ins Wettkampfstadion durchlaufen müssen - kontrolliert Lars Ruchel Spike-Längen, Trikotwerbung oder die korrekte Größe der Markenlabels auf der Kleidung. Auch alle technischen Geräte, wie Handy oder I-Pod werden Läufern, Kugelstoßern und Hochspringern abgenommen. “Jeder Sportler muss an uns vor- bei”, so der 28-Jährige. Aber auch für die Kampfrichter gibt es Vorgaben. “Dass wir alle die gleiche Kleidung tragen, ist ja ganz normal”, so Ruchel. Das strengste Reglement gibt dem Callroom-Team das Fernsehen vor. “Es gibt einen minutiös festgelegten Zeitplan. Und wenn die Sprinter um 12.17 Uhr ins Stadion laufen sollen, müssen wir bis dahin mit der Kontrolle fertig sein”, erklärt der Leeraner. Und noch etwas: Wer in die Kamera winkt, fährt nach Hause. “Die Kampfrichter sollen möglichst nicht auffallen. Wir dürfen nicht klatschen oder irgend jemanden anfeuern”, so Ruchel. Natürlich freut sich der 28-Jährige trotzdem auf Berlin und seine Aufgabe. Die erfordert vor allem Fingerspitzengefühl. “Die Sportler sind alle unterschiedlich nervös, und wir wollen die Leute möglichst wenig stressen”, sagt der Kampfrichter. “Vielleicht ist es da ein Vorteil, dass ich selbst mal Sportler war und weiß, wie man sich vor dem Wettkampf fühlt.” Damit bei der Verständigung alles auf Anhieb klappt, gibt es ein WM-Wörterbuch. “Die meisten Athleten sprechen zwar englisch, aber bei den Russen oder Süd- amerikanern könnte es noch spannend werden”, meint Lars Ruchel. Für den Notfall gebe es aber Dolmetscher. Möglichst viel von der Veranstaltung oder einen bestimmten Athleten zu sehen, ist nicht das Ziel des 28-Jährigen. Das ein oder andere Souvenir eines Sportlers würde er aber doch gerne mit nach Hause nehmen. “Auf dem Rückweg aus dem Stadion müssen die Starter wieder durch den Callroom, da kann man dann schon mal nach einem Autogramm oder der Startnummer fragen”, so Lars Ruchel. Auch wenn die WM in Berlin der Höhepunkt seiner bisherigen Kampfrichtertätigkeit ist, wird der Leeraner nicht zum Überflieger. “Das bedeutet nicht, dass ich jetzt darunter nichts mehr mache. Es gibt auch so viele tolle kleinere Veranstaltungen, zu denen ich weiterhin genauso gerne gehe”, erklärt Lars Ruchel. Aber es gibt auch noch etwas Größeres als eine WM. Viel- leicht steht Lars Ruchel ja irgendwann sogar bei Olympia im Kampfrichter-Dress im Stadion.
SALZGITTER ZEITUNG vom 15. April 2009 Kleiner Fußballer mit großer Lunge Horst Kassebaum ist Unioner durch und durch / Liste der Erfolge wird immer länger Von Manfred Spittler Besonderes Prädikat des derzeit erfolgreichsten Leichtathleten der Stadt Salzgitter, Horst Kassebaum, ist, neben der beeindruck- enden Leistungsbilanz über Jahrzehnte, die Bescheidenheit. Eines der wenigen Urgesteine des städtischen Sports trägt seit dem 1. März 1959 nur ein Vereinsdress - die blau-weißen Farben des SV Union. Kassebaum ist ein Vorbild für junge und alte Sportler, zumal er bei des deutschen liebsten Kindes, dem Fußball, fast den Aufstieg in die zweite Bundesliga mit dem Verein erreicht hätte. Der Aufstieg blieb ihm zwar knapp verwehrt, "trotzdem war es eine tolle Zeit", resümiert der drahtige Jungsechziger. Die Liste seiner Erfolge ist lang, aber er spricht nicht gern darüber. 1966 wurde er Norddeutscher Jugendfußballmeister mit den Uni- onern, 1972 war es die Niedersachsenmeisterschaft mit der Herrenmannschaft und ab 1974 war er fester Bestandteil des er- folgreichen Union-Teams in der damals neu gegründeten Amateuroberliga. Im Jahr 1982 entdeckte er dann seine zweite Sportleidenschaft. Der kleine Fußballer mit der Riesenlunge wechselte zur Leicht- athletik. "Ich habe die Langstrecke favorisiert - für den Hochsprung bin ich ja zu klein", bekennt er schmunzelnd. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Mit seinen Mannschaftskollegen Dieter Goeht und Ulf Mietens wurde er damals niedersächsischer Marathonmeister. Aus diesem Jahre stammt auch seine Bestzeit von 2:29:58 std. Der Beruf zwang ihn zwischen 1990 und 2006 zum Kürzertreten. Die Laufschuhe dienten in dieser Zeit zur Stressbewältigung. 2007 steigerte er sein Trainingspensum wieder. Es kribbelte - prompt war Kassebaum auf dem obersten Treppchen der Leicht- athletik. Er sicherte sich nicht nur den Titel des Niedersachsenmeisters (M55) über 3000m in 10:52,90 min, sondern auch die Landesmeisterschaft im Halbmarathon in 1:25:04 std. Das vergangene Jahr übertraf jedoch alles bisherige. Kassebaum nahm an acht Meisterschaften teil. Mit den Mannschaftserfolgen waren dies elf Mal Gold. Einer der Titel erfüllt Kassebaum besonders mit Stolz: "Bei der Siegerehrung zur Norddeutschen Meisterschaft erhielten das Team und ich die Goldmedaille vom Doppelolympia- sieger im Marathonlauf, Waldemar Cierpinski."
REGIONALE RUNDSCHAU / SYKER KURIER vom 18. Mai 2009 Herwald Kloppe: Rekorde für die Ewigkeit Von Christiane Golenia Schwarme. Es sollte eine Überraschung werden. Deshalb hatte der Vorsitzende des Kreisleichtathletikverbandes Diepholz seinem Kassenwart zum Schein eine Buchprüfung angekündigt. Wilfried Becker wollte einfach sicher gehen. Schließlich wollte er Herwald Kloppe auch antreffen, wenn er ihn für seinen jahrzehntelangen Einsatz für die Leichtathletik im Kreisgebiet ehren wollte. Doch der 84-Jährige hatte Lunte gerochen. "Anderthalb Jahre nach Gründung des KLV bereits eine Buchprüfung? Ich bin doch nicht von gestern! Das konnte doch nicht stimmen", empfing Herwald Kloppe seine Gäste. Erschienen waren der jetzige KLV- Vorsitzende Wilfried Becker und dessen Vorgänger Berthold Buchwald. Aus familiären Gründen hatte Buchwalds Vorgänger Peter Voß kurzfristig absagen müssen. Unter allen drei Vorsitzenden hatte Herwald Kloppe die Kasse des KLV verwaltet, darüber gewacht, dass die Finanzen stimmten und über jede Geldbewegung Buch geführt. 25 Jahre lang. Noch länger währt sein Einsatz als Kampfrichter: Seit über 30 Jahren wissen die Wettkämpfer, dass sie unter Aufsicht von Herwald Kloppe nicht schummeln können. "Du hast alle Höhen und Tiefen im Kassenbestand und im Vorstand miterlebt. Alle drei Vorsitzenden konnten sich auf Dich verlassen. Du bist pflichtbewusst und zuverlässig, die Zusammenarbeit mit Dir macht einfach Spaß", eröffnete Wilfried Becker seine Rede. "Du bist für Deine gewohnt trockene, aber auch hintergründig-humorvolle Art bekannt", zitiert Becker aus alten Unterlagen, zu denen auch ein altes Sitzungs- protokoll gehört: "Da stand doch tatsächlich, dass Du hartnäckig und pingelig warst . . ." Neben dem ehrenamtlichen Mitarbeiter gab es aber auch den überaus erfolgreichen Sportler und Trainer Herwald Kloppe. Eben- falls über Jahrzehnte hatte sich Kloppe ganz und gar dem Gehsport verschrieben: "Ich war mit Leib und Seele dabei, da blieb nicht mal Zeit für die Gartenarbeit", bestätigt Kloppe. Von der LG Bückeberge wechselte Herwald Kloppe zum TSV Schwarme, übernahm dort von seinem Sohn Harun das Traineramt und war von 1971 bis 1995 Abteilungsleiter. Die von ihm trainierten Geher bescherten den Schwarmer Leichtathleten etliche Deutsche Meistertitel. Die Namen Maschendorf, Loerke, Sundermann, Wolters und Wortmann sind teilweise heute noch in den Rekordlisten präsent. Die von Herwald Kloppe im Alter von rund 60 Jahren selbst aufgestellten Kreisrekorde von 55:39 Minuten über 10 000 Meter Bahngehen und 1:50:28 Stunden über 20 Kilometer Straßen- gehen scheinen für die Ewigkeit gemacht. Doch Kloppe war auch international äußerst erfolgreich. Im World-Ranking über 20 Kilometer Gehen ist der Schwarmer in der M65 mit seinen bei der EM in Budapest erzielten 1:59,58 Stunden immer noch fünft- bester Deutscher. Doch Statistiken und Ergebnislisten allein geben eben nicht das wieder, was den Sport eigentlich ausmacht. An die vielen außerordentlichen Erlebnisse kann sich Kloppe bestens erinnern. Zum Beispiel sein Rennen in Neuseeland: "Eine Riesenstimmung, wie ich sie nie erlebt habe. Da kämpfst du wie ein Verrückter." Oder der Start von Christine Loerke bei der Hallen-DM: "Zwei Runden vor Schluss setzte sie zum Endspurt an. Die Zuschauer hat es nicht mehr auf den Plätzen gehalten. Zehn Meter mehr, und sie hätte gewonnen." Oder jene umstrittene Disqualifikation von Stefan Wolters bei der DM: "Was hab ich mich mit den Kampfrichtern angelegt", grollt Kloppe heute noch. Seine eigene sportliche Karriere hat Kloppe fast heimlich mit einem Start in Dänemark beendet: "Wenn die Technik nicht mehr stimmt, ist es Zeit aufzuhören." Neben der Ehrung von Seiten des DLV und des NLV erhielt Herwald Kloppe jetzt auch die eigentlich überfällige Ehrung durch den KLV. Eine Jubiläumsurkunde, ein Präsent und ein vom Vorsitzenden Wilfried Becker ausgesprochener herzlicher Dank: "Ein Leben für den Sport. Danke, Herwald!", rundeten einen besonderen Tag ab. Doch wie das so ist: Wenn der Vorsitzende seinen Kassenwart aufsucht, dann will er in der Regel Geld. Becker hatte die Rechnung für die neue Windmessanlage mitgebracht. Den aktuellen Kassenstand vor Augen, erklärt Kloppe ohne Zögern: "Das kriegen wir hin." Zum Einsatz kam die Anlage erstmals in Moordeich bei den Schüler-Bezirksmeisterschaften. Dort war Herwald Kloppe wieder im Einsatz, maß den Kugelstoßsektor ab und wachte anschließend als Kampfrichter mit strengem Blick darüber, dass alles regelgerecht zuging.
OSNABRÜCKER NACHRICHTEN vom 31. Mai 2009 (Hier veröffentlicht am 2. Juni 2009) Die härtesten Konkurrenten kommen aus Thüringen Jugend-Leichtathletik: Patrick Jochmann ist die Osnabrücker Medaillenhoffnung auf Bundesebene / Staffel und Einzel Osnabrück (eb). “Mit Ausnahme des Jahres 2008 hat Patrick seine Bestleistungen immer bei den Deutschen Meisterschaften gebracht”, unterstreicht sein Trainer Anton Siemer. Patrick - das ist der 19-jährige Patrick Jochmann, der aus Bad Laer stammt und seit fünf Jahren bei der LG Osnabrück kontinuierlich auf die Jagd nach neuen Bestzeiten geht. Bei den im Juli bzw. August anstehenden deutschen Jugendmeisterschaften der Leichtathleten in Ulm bzw. Rhede/Niederrhein gehört er zu den ernsthaften Medaillenanwärtern. Sowohl in der A-Jugend-Staffel (4x 100 m, 4x 400 m) als auch in den Einzeldisziplinen über 100 und 200 Meter. Jochmann ist aktuell Niedersachsens erfolgreichster Kurzsprinter der vergangenen Jahre: Bei den “Deutschen” holte er als B- Jugendlicher 2006 Bronze über 100 Meter, parallel sammelte er seitdem 19 Landesmeistertitel (11x Einzel, 8x Staffel) ein und erreichte bei nationalen Titelkämpfen u. a. acht Endlaufplatzierungen. “Patrick zählt, wenn er ohne Verletzung bleibt, zu den Medaillenkandidaten”, sagt auch Trainer Siemer, “erstes Ziel ist das Erreichen der Finals, dort ist dann fast alles möglich.” Doch der Osnabrücker muss sich auf harte Konkurrenz aus Thüringen einstellen. Robert Hering und Roy Schmidt (beide TuS Jena) heißen die Favoriten, die schon bei den Junioren-Europameisterschaften erfolgreich waren. “Zwei überragende Sprinter”, gesteht auch Jochmann-Trainer Siemer ein. Doch den Kopf stecken er und sein Schützling nicht in den Sand. Momentan bis zu acht Mal Training pro Woche steht für Jochmann auf dem Programm. Das alles neben seinem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) bei der TSG Burg Gretesch, das in eine dreijährige Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann übergeht. An der Geschwister-Scholl-Schule in Bad Laer hatte Jochmann 2006 die Mittlere Reife erworben, zwei Jahre später die Fachober- schulreife Wirtschaft an der Völker-Schule in Osnabrück. Sportlich heuerte er 2003 bei der LGO an. “Ich will Olympiasieger werden”, hatte er einem zunächst verdutzten Anton Siemer am Rande des ersten Trainings bei den “Roten” mitgeteilt. Seitdem arbeitet der Sprinter daran, Titel in Serie einzufahren. Ein Wechsel Jochmanns in die niedersächsische Kaderschmiede, das sogenannte Sportinternat Hannover, sei aber nie ein Thema gewesen. “Ich bin sicher, dass Patrick dort schon längst mit der Leichtathletik Schluss gemacht hätte”, sagt Trainer Siemer, “wahrscheinlich hätte er dort nie eine so umfassende Betreuung erhalten wie hier vor Ort.” Das bestehende Netzwerk mit der LGO als Verein, dem Elternhaus in Bad Laer, der Begleitung durch das Osnabrücker Gesundheitszentrum centrumed an der Parkstraße, den Sportarzt Stefan Schilling sowie den Laufanalysen durch sport molitor hat sich für Jochmann ganz persönlich bewährt. Der Sprinter und sein Trainer wollen nun im letzten A-Jugend-Jahr ihre fünfjährige Zusammenarbeit krönen, wenn nichts Unvorher- gesehenes - zum Beispiel eine schwere Verletzung - ihnen noch einen Strich durch die Rechnung macht. “Patrick ist generell auf die Minute top-fit und hochkonzentriert”, ist Coach Siemer für die Wettkämpfe in Ulm und Rhede äußerst zuversichtlich. Zufrieden durfte der Trainer zuletzt auch mit dem Abschneiden Jochmanns bei den Bezirksmeisterschaften Weser-Ems sein - einer Art Probelauf. Selbst in der Altersklasse Männer war der junge Osnabrücker hier Mitte Mai nicht zu stoppen. Die 100 Meter sprintete der Nachwuchsmann in Delmenhorst in 10,94 Sekunden. Zum Vergleich: Bei den A-Jugendlichen selbst lag die Siegerzeit an jenem Tag bei 11,38 Sekunden. Aufgestellt durch Jochmanns Vereinskollegen Jesse Okpure - einem weiteren LGO-Talent. Als nächste Standortbestimmung für Jochmann folgen nun Mitte Juni die niedersächsischen Landestitelkämpfe in Papenburg. ==> Ein weiterer Bericht über Patrick Jochmann vom 30. März 2008
DELMENHORSTER KURIER vom 5. Juni 2009 Bis über die Schmerzgrenze Der Geher Heiko Lersch und seine Rückkehr zum Sport Von Nils Hartung Delmenhorst. Er ist wieder zurück auf der Bahn und er strotzt nur so vor Vitalität. Heiko Lersch, 69-jähriger Geher aus Delmen- horst und für den SV Brake startend, hat sich viel vorgenommen für das Wochenende. Am Sonnabend startet er in Dessau (Sachsen-Anhalt) bei der Deutschen Meisterschaft über fünf Kilometer. Das ist schon sein vierter Wettkampf in dieser Saison - vor zwei Jahren hat er daran noch nicht mal im Traum zu denken gewagt. Damals, im Mai 2007, bekam er die Diagnose. Darmkrebs. Und zwar direkt nach seinem fünften Platz bei der Europameister- schaft in Regensburg. "Nach dem Gang hatte ich unheimlich viel Blut in meiner Hose. Daraufhin bin ich zum Arzt gegangen", erzählt er. Er war spät dran, die Krankheit war schon weit fortgeschritten. Lersch wurde in Oldenburg operiert, anschließend musste der Leichtathlet noch sechs Wochen Chemotherapie über sich ergehen lassen. "Zehn Kilo habe ich da verloren", erinnert er sich. Doch damit war der Alptraum noch nicht vorbei. Denn kurz darauf fanden die Ärzte in Lerschs Körper erneut etwas, dass sie stutzen ließ. Wieder musste er abwarten, Untersuchungen erdulden - und durfte vor allem nicht trainieren. "Das wird erst mal nix mehr mit ihrem Sport", beschied ihm ein Mediziner. Die nächste Hiobsbotschaft für den durchtrainierten Geher. "Das hat mir sehr gefehlt, ohne regelmäßiges Training bekomme ich sofort Kreislaufprobleme", betont der 69-Jährige. Doch dann kam die Entwarn- ung: Die verdächtige Stelle entpuppte sich als harmlos, Lersch durfte zur Reha nach Clausthal-Zellerfeld. Dort begann er mit Muskelaufbau, Beckenbodengymnastik und nach einiger Zeit auch wieder mit dem Gehen. "Unser Betreuer sagte uns, wir sollen mal eine schnelle Runde durch den Park gehen. Das habe ich dann auch gemacht", erzählt Lersch schmunzelnd. Als er in wahr- scheinlich neuer Park-Rekordzeit wieder eintraf, faltete der Betreuer ihn erstmal zusammen. "Ich musste ihm dann klarmachen, dass ich wirklich schon durch den ganzen Park gegangen war", sagt er. Danach durfte er für sich alleine trainieren. Das Gehen hat ihm auch ein bisschen das Leben gerettet. Denn ohne seinen robusten Körper hätte er die OP und alles, was danach kam, wahrscheinlich nicht so schadlos überstanden. Angefangen hat er 1970 beim Delmenhorster Volkslauf. Damals sprach ihn Julius Müller, die Geher-Legende von der Delme, an. "Wir brauchen noch einen Starter für unsere Mannschaft", sagte Müller. Lersch, der damals zwar regelmäßig lief, aber mit Gehen nichts am Hut hatte, sagte trotzdem zu. Seine Bilanz heute ist beeindruckend. Bei unzähligen Deutschen Meisterschaften, Europameisterschaften und Weltmeisterschaften ist er gestartet, oft mit Platzierungen unter den besten Zehn. Eine seiner schönsten Erinnerungen bleiben aber die drei Läufe von Rom nach Castel Gandolfo, dem Sommersitz des Papstes. 36 Kilometer sind das, mit anschließendem Festbankett. "Die Italiener am Straßenrand sind so enthusiastisch", erzählt der Delmenhorster. Lersch hat die Angewohnheit, auf den letzten 400 Metern vor dem Ziel noch mal Vollgas zu geben. "Da schließe ich die Augen und vergesse alles um mich herum", erklärt er. Mit dieser Taktik überholt er meist noch zwei, drei Konkurrenten. Doch er geht auch immer ein bisschen über seine Schmerzgrenze, manchmal ist er schon nach der Ziellinie zusammengebrochen. "Das werde ich in Zukunft vermeiden", gesteht er. Denn er will ein bisschen kürzer treten. Für dieses Jahr ist Dessau sein Saisonabschluss, danach geht es mit Frau Sylvia in den Urlaub. Doch so ganz ohne Gehen geht es da wohl auch nicht. ==> Ein weiterer Bericht über Heiko Lersch vom 24. Dezember 2007
Richard Olbrich - Mit doppeltem Fleiß zur EM Diesen Bericht finden Sie auf www.leichtathletik.de
Presseinformation des LSB Bremen Helmut Frenzel wird 90 Am heutigen Sonnabend, 13. Juni, wird Helmut Frenzel 90 Jahre alt - zweifellos ein Urgestein und eine Institution des Bremer Sports. Dabei hat er sich insbesondere um das Deutsche Sportabzeichen und das (Volks-)Laufen verdient gemacht. Helmut Frenzel gründete 1965 die Leichtathletik-Abteilung des Post SV Bremen, die er von 1969 ab auch als 1. Vorsitzender führte. In dieser Zeit organisierte er 15 Jahre lang den Volkslauf des Post SV Bremen. Helmut Frenzel hat selbst nicht nur an über 200 Volksläufen teilgenommen, sondern seit 1966 auch rund 20 Volksläufe selbst organisiert und galt deswegen als “Streckenfuchs” in der Bremer Leichtathletik. 1973 wurde er als Volkslauf- und Breitensportwart in den Vorstand des Bremer Leichtathletikverbandes (BLV) gewählt und be- kleidete dieses Amt bis 1999. In dieser Zeit gründete er 1973 den Lauftreff im Bürgerpark, nahm Sport- und Laufabzeichen ab und organisierte am Rande der Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften 1983 und 1995 im Bremer Weser-Stadion die Breitensport- programme und vieles mehr. Seit der Gründung des Referats Sportabzeichen im Landessportbund (LSB) Bremen im Jahre 1974 war er über 24 Jahre hinweg dessen Vorsitzender. Damit war er bei seinem Ausscheiden im Jahre 1998 neben Heinz-Helmut Claußen der dienstälteste Mitarbeiter in der Führungsriege des Landessportbundes. 1987 war er auf Bundesebene wesentlich an der damaligen Neugestaltung der Sportabzeichen-Prüfungen beteiligt. Dass der aus Sachsen stammende, heute dem TuS Vahr angehörende Helmut Frenzel selbst weit mehr als 30mal das Sportab- zeichen errang, versteht sich dabei fast von selbst. Ihm zu Ehren heißt der Lauftreff-Pavillon im Bürgerpark, wo sich dreimal wöchentlich Läufer/innen und Walker/innen beim Bremer Lauftreff einfinden, seit 1999 Helmut-Frenzel-Pavillon. Helmut Frenzel ist Ehrenvorstandsmitglied des Bremer Leichtathletikverbandes. Zu seinen zahlreichen weiteren Auszeichnungen gehören unter anderem die Ehrung durch den Senat der Freien Hansestadt Bremen und die Goldene und Silberne Ehrennadel des Landessport- bundes Bremen ==> Ein weiterer Bericht über Helmut Frenzel vom 14. September 2008
NORDSEE ZEITUNG vom 1. Juli 2009 Optimal für Schule und Sport Leichtathletin Haika Laube wechselt ins Internat nach Hannover Wehdel (le). Eines der größten Wurf-Talente des Landes Niedersachsen, die 15-jährige Haika Laube vorn TSV Wehdel, wechselt am 3. August die Schule und geht ins Sportinternat Hannover. "Den Verein werde ich nicht wechseln. Ich bleibe dem TSV Wehdel treu", sagt Haika Laube, die die heimische angenehme Atmosphäre so oft es geht, nicht nur auf Wettkämpfen, weiterhin pflegen will. Für sie geht ein Traum in Erfüllung, denn im Sportinternat am Sportleistungszentrum Hannover sind Schule und Sport optimal in Einklang zu bringen. Fast jeden Tag wird sie nun von Wurf-Landestrainer Thorsten Frey trainiert. Die Aufnahmeprüfung schaffte sie mit Bravour. “Ich werde dort noch zwei Jahre zur Realschule gehen und anschließend mein Abitur machen", erklärt Haika. Aber auch in sportlichen Dingen hat sie das notwendige Selbstbewusstsein, denn ihre zukünftigen Ziele hat sie dort auch abge- steckt. “Ich möchte im nächsten Jahr bei den Deutschen B-Jugendmeisterschaffen möglichst ganz vorne mitmischen", erklärt sie. Der TSV Wehdel ist froh, solch ein talentiertes Eigengewächs vorweisen zu können und unterstützt sie bei ihren Vorhaben weiter- hin tatkräftig. Ein Sponsor des TSV Wehdel zahlt ihr das Schulgeld für ihren Hannover-Aufenthalt als Stipendium. Auch in anderen Dingen steht ihr der TSV weiter zur Seite. Groß geworden ist Haika in der Leichtathletik-Talentschmiede des TSV Wehdel unter Klaus und Björn Müller. Ihr letzter Wehdeler Trainer war Uwe Rylewicz. Im Laufe der Jahre konnte Haika ihre Bestleistungen kontinuierlich in angemessenen Schritten steigern. Die Drei-Kilogramm-Kugel stieß sie jüngst beim Wehdeler Feriensportfest 12,40 m weit und stellte einen neuen Kreisre- kord auf. Der alte Rekord stammte aus dem Jahre 1982. Ihr 600-Gramm-Speer landete in dieser Saison bisher bei 36,98 m. In diesen Disziplinen holte sie sich in diesem Jahr, wie auch schon im Vorjahr, die Landes- und Landes-Vize-Meisterschaft. Deutsche Meisterschaften gibt es in ihrer Altersklasse in diesen Disziplinen noch nicht. Dickes Lob Ihre mehrkämpferischen Qualitäten bewies sie bei Blockwettkämpfen und im Siebenkampf. Ein dickes Lob zollt ihr auch Trainer Rylewicz. “Besonders bei wichtigen Meisterschaften zeigt Haika immer konzentriert ihr großes Kämpferherz. Sie wurde behut- sam aufgebaut und hat noch viel Potential vorzuweisen", so der 65-jährige Pädagoge, der nun nach seiner Schulpensionierung auch beim TSV Wehdel seine “Trainerpensionierung" eingereicht hat. ==> Ein weiterer Bericht über Haika Laube vom 2. August 2008
ZEVENER ZEITUNG vom 4. Juli 2009 “Bobby” lässt’s gemächlich angehen Vom Fußball zum Marathon: Helmuth Böttjer hat 160 Läufe absolviert - Wettkampf als gesellschaftliche Veranstaltung Von unserem Mitarbeiter Manfred Krause Gnarrenburg. Den ersten Marathon lief Helmuth “Bobby” Böttjer 1988 und absolvierte insgesamt 160 Rennen auf der Strecke. Der 63-Jährige lief viele Jahre für seinen Heimatverein, den TSV Karlshöfen, wo er als Fußballer groß wurde. Vor drei Jahren wechselte er zum Lauftreff des TSV Gnarrenburg, weil er dort Mitstreiter für sein Hobby fand. Dass manche Frau einen Schuhtick hat, ist nicht neu. Und auch Helmuth Böttjer schlägt in die Richtung, hat gleich 15 Paar Lauf- schuhe. Das hat seinen Grund: “Die Füße sollen sich nicht an ein Paar gewöhnen und daher wechsle ich täglich die Schuhe”, sagt Böttjer. Dass der “lange Blonde” (1,85 Meter/78 Kilogramm) sein Hobby Fußball mit der Langstrecke tauschte, lag an einer Verletzung. “Ich zog mir 1988 eine schwere Sehnenverletzung zu. Um wieder fit zu werden, bin ich in der Sommerpause ange- fangen zu laufen. Das hat mir viel Spaß gemacht und war der Beginn für ein neues Hobby”, so Böttjer, der auch heute noch dem Fußball treu geblieben ist. Allerdings als Coach der S40 des TSV Karlshöfen. Dort agierte er in der Vergangenheit als Trainer (1994-1997) und wiederholt als Interims-Coach. “Wenn die Trainer gingen oder ge- gangen wurden, bin ich halt eingesprungen. Allerdings ohne Bezahlung. Und auch die Kosten für die Marathon-Veranstaltungen bezahle ich aus eigener Tasche”, unterstreicht der Extrem-Sportler, der es 2007 auf sage und schreibe 15 Läufe im Jahr brachte. 1998 und 2002 waren es 14 Rennen. Wie steckt man diese Strapazen weg? “Wenn ich locker laufe, ist das kein Problem. Die Regeneration dauert dann gut einen Tag”, verrät Böttjer, der mit seinen 63 Jahren einen sehr guten Eindruck macht. Dass es der Kraftfahrzeugmeister derzeit eher ruhig angehen lässt, war nicht immer so. “Bis zur Jahrtausendwende war ich ständig auf Zeit- Jagd. Heute laufe ich kontrolliert und sehe den Wettkampf mehr als eine gesellschaftliche Veranstaltung. Da werden auf der Strecke neue Freundschaften geschlossen oder man tauscht sich aus”, berichtet der Karlshöfener. Seit knapp einem Jahr genießt er das Rentner-Dasein und hat die Schlagzahl im Training erhöht. “In der letzten Woche bin ich 118 Kilometer gelaufen”, so Böttjer. Während der Übungseinheiten hat er unter anderem seine Kumpels Dieter Sethmann, Werner Stelljes oder Ralf Rimkus vom Lauftreff Gnarrenburg an seiner Seite. Doch die “Sucht”, wie Böttjer es eingesteht, hat auch einige Narben hinterlassen. So erwischte es ihn 1997 hart, als er sich eine schwere Knieverletzung zuzog. Allerdings beim Fußball. “Da war ich lange außer Gefecht und habe es nur auf zwei Wettkämpfe in Hannover und Hamburg gebracht”, so Böttjer. In den ersten Jahren wurde er immer von seiner Frau Karla und den Söhnen Frank (42) und Marco (34) (beide Fußballer) in die Marathon-Hoch- burgen begleitet. Hamburg, Berlin, Hannover und Bremen waren immer ein Muss. Doch auch den Marathon in New York hat Böttjer erlebt. Das war 1991, seinerzeit lief er 3:50:25 Stunden. Verzückt von Berlin “Berlin ist die Stadt, wo alles am besten organisiert ist. Wer einen Marathon laufen möchte, muss dort gewesen sein. In Berlin bin ich zehn Mal am Stück gelaufen und habe damit eine Jubiläums-Nummer (343) erhalten. Damit bin ich ein Leben lang registriert und brauchte mich erst 14 Tage vorher zum Lauf anmelden”, sagt Böttjer. Den “Jungfernlauf” bewältigte er 1988 in der Landes- hauptstadt in 3:53:53 Stunden. Nur vier Jahre später legte er in Bremervörde seine Bestzeit (3:14:18) hin. In all den Jahren lagen die Zeiten im Drei-Stunden-Bereich. “In den letzten sechs Jahren habe ich schon häufiger die vier Stunden überzogen. Da habe ich es halt gemächlicher angehen lassen”, verrät Böttjer, der die Strecke auch an der Seite von Promis wie Willy Lemke (Bremen) und Felix Magath (Hamburg) lief. Böttjer: “Allerdings bin ich vor beiden im Ziel gewesen.” Vom Typ her bezeichnet er sich als gewissenhaft, ehrgeizig und als hilfsbereit. Das unterstrich er wiederholt auf der Marathon- Strecke, wenn es darum ging, angeschlagenen Mitstreitern zu helfen. “Da ist es schon vorgekommen, dass ich total erschöpfte Läufer zum Verpflegungsstand oder durchs Ziel brachte. Doch auch Tipps werden immer wieder gerne angenommen. Denn oft wird zu schnell gelaufen. Da kommt mein Rat, dosierter zu agieren, gut an”, berichtet Böttjer, der es in der Vergangenheit auf stolze 2614 Trainings-Kilometer brachte. Und wie sieht die Vorbereitung auf den Wettkampf aus? Böttjer: “Die Vorbereitung läuft bei mir nach keinen bestimmten Vorgaben ab. Das habe ich immer aus dem Bauch heraus gemacht. Was sich in den letzten Jahren geändert hat, ist, dass ich mehr Kilo- meter vor den Wettkämpfen gemacht. Das geht natürlich nur, weil ich nicht mehr im Berufsleben stehe.” Keller als Archiv Und da die Zeit ihm nicht im Nacken sitzt, trifft er sich gerne mit den Freunden seiner TSV-Lauf-Gilde. “Wenn es etwas vom Lauf- treff zu feiern gibt, gehen wir immer in meinen Party-Keller”, so Böttjer. Mit gut 75 Quadratmetern dient die untere Etage seines Hauses auch als Archiv und stellt drei Jahrzehnte Marathon aus. An den Wänden hängen Urkunden, Fotos und viele Pressebe- richte. Ein großes Poster mit dem König des Marathons, Haile Gebreselassie, sticht sofort ins Auge. Doch im Mittelpunkt stehen Helmuth Böttjer und sein eingeschworenes Team. “Das war unser erster Marathon in Berlin”, zeigt der 63-Jährige auf ein Foto. Hans-Heinrich Deppe, Werner Langer, Hans-Georg Deharde, Klaus Eichler und Rüdiger Pauer posieren stolz im grünen Langlauf- Dress. “Wir sind damals gemeinsam durchs Ziel gelaufen und haben in einer super Zeit von 3:53:53 Stunden unser Vorhaben wahr gemacht und die vier Stunden-Marke unterboten”, sagt Böttjer. Die Plakette, die er vom Landkreis Rotenburg für 100 Marathon-Läufe verliehen bekam, zeigt er mir mit Stolz. “Eine tolle Aus- zeichnung”, so Böttjer, den es in den kommenden Tagen zu den Norwegischen Fjorden und ans Nordkap zieht. Doch nicht, um dort auf die lange Piste zu gehen. “Meine Frau und ich machen eine Kreuzfahrt. Wichtig war für mich bei der Buchung, dass auf dem Schiff ein Jogging-Parcours ist”, sagt Böttjer. ==> Ein weiterer Bericht über Helmuth Böttjer vom 12. Oktober 2002
DELMENHORSTER KREISBLATT vom 4. Juni 2009 Zahlen gehören zu den ständigen Begleitern Christiane Pölking führt bei den Leichtathleten die Kasse und erstellt Listen Delmenhorst (er). "Kommissarisch" lautete ein wichtiger Begriff, als Christiane Pölking einst überredet wurde, den Posten der Schatzmeisterin beim Leichtathletik-Kreis Delmenhorst zu übernehmen. "Ich bin jetzt im elften Jahr als Kassenwartin tätig", lacht sie und ergänzt: "Die Arbeit macht mir Spaß". Renate Bartschat, seinerzeit Chefin und mittlerweile Ehrenvorsitzende des Zu- sammenschlusses, hatte ein stichhaltiges Argument geliefert: "Du hast doch immer mit Zahlen zu tun." Stimmt, denn - sagen wir's ruhig - Christiane Pölking arbeitet beim Bremer Finanzamt. Die benachbarte Hansestadt ist auch ihr Geburtsort, doch bereits seit 1978 wohnen sie und ihr Mann Manfred in Delmenhorst ("Ich möchte auch nicht mehr tauschen"). "Ganz früher" habe sie sich auch der Leichtathletik gewidmet, sagt sie. Dann traf sie die "Königin des Sports" vor rund zwei Jahrzehnten wieder, als der damals zehnjährige Sohn Thorben im Trikot des Delmen- horster Turnvereins Erfolge sammelte ("Insbesondere über die 400 Meter war er richtig gut"). Und wie es denn so ist: Die Pölkings begleiteten den Sprössling bei diversen Starts und es entstanden die ersten Kontakte. "Ich finde es wichtig, dass man ein Ehrenamt übernimmt", betont die 60-Jährige. Allerdings sei bei ihrer Arbeit ein Nachteil nicht von der Hand zu weisen: "Ich bin nur selten draußen." Das mutet merkwürdig an, bei einem Sport, der größtenteils unter freiem Himmel stattfindet. Doch bei Sportfesten im Stadion, bei denen sie zum "festen Personal" gehört, befindet sich Christiane Pölkings Arbeitsplatz im Stadiongebäude, also im Hintergrund. Dort nimmt sie Nachmeldungen entgegen und erstellt gemeinsam mit ihrem Mann, der in der Datenverarbeitung tätig ist und über einen entsprechenden Erfahrungsschatz verfügt, Ergebnislisten. Diese sind nicht nur für die Athleten selbst, sondern auch für Medien und Statistiker von großem Interesse. Listen, deren Umfang schon 'mal 30 oder 40 Seiten betragen kann. Listen mit vielen Namen und noch mehr Zahlen. Sportlich betätigt sich die Funktio- närin beim TuS Hasbergen: "Unsere Gymnastikgruppe besteht bereits lange und wir sind vor Jahren geschlossen vom damaligen Delmenhorster SC zum TuS gewechselt." Bei Christiane Pölkings Hobbys spielen Zahlen keine wesentliche Rolle. Sie und ihr Mann besitzen ein Theater-Abo für das Kleine Haus und besuchen gern kulturelle Veranstaltungen. Außerdem genießen Reisen einen hohen Stellenwert. Im Februar stattete man den Vereinigten Arabischen Emiraten einen Besuch ab und schon bald steht eine Irland-Rundreise auf dem Programm. "Und Radtouren", sagt Christiane Pölking. "Radtouren machen uns viel Freude".
ROTENBURGER KREISZEITUNG vom 8. Juli 2009 Bruno Gärtner erntet den Erfolg Rotenburger Sprinter sorgt im Trikot des SV Werder für DM-Überraschung / Rekord von 1964 geknackt Rotenburg/Bremen. Bremer Landesrekord geknackt, Platz acht bei der Deutschen Meisterschaft belegt und weitere Erfolge im Blick: Bruno Gärtner, beim TuS Rotenburg groß gewordener Sprinter, hat mit der 4x100-m-Staffel des SV Werder Bremen bei den nationalen Titelkämpfen in Ulm für ein Highlight gesorgt. In neuer Bestzeit von 41,47 Sekunden beendete das grün-weiße Quartett das Rennen. Als Bruno Gärtner vor sechs Jahren beim TuS Rotenburg mit der Leichtathletik begann, konnte er sich noch kein Bild davon machen, wie positiv seine Leistungsentwicklung in den nächsten Jahren sein würde. Der talentierte Nachwuchsathlet startete zu- nächst in allen Mehrkampfdisziplinen, um eine breite Ausbildung zu erhalten. Schnell kristallisierte sich allerdings heraus, dass Gärtners Stärken auf den Sprintstrecken 100 m, 200 m und 400 m liegen sollten. Dies bestätigte sich in den kommenden Jahren, als Gärtner mit Steigerung seiner Trainingshäufigkeit auch seine Bestzeiten auf 11,01 Sekunden (100 m), 22,15 Sekunden (200 m) und 52,05 Sekunden (400 m) verbesserte. Ein Problem allerdings blieb: Der Sprinter hatte im Trainingsalltag keine adä- quate Gruppe von mehreren Sprintern, die auf ähnlichem Leistungsniveau trainierten. Im Jahr 2007 sollte sich das ändern, als Gärtner bei einem Sportfest mit den Trainern des SV Werder Bremen ins Gespräch kam. Schnell wurde deutlich, dass in Bremen bessere Trainingsbedingungen vorzufinden und in einer starken Trainingsgruppe schnell- ere Leistungssprünge möglich waren. Bruno Gärtner entschloss sich, nach mehreren Probetrainingseinheiten in der Sprintgruppe von Trainer Andrei Fabrizius, zur Saison 2008 ins Trikot der grün-weißen Bremer zu wechseln. Es sollte sich auszahlen. Bereits in seiner ersten Saison im neuen Verein fuhr Gärtner zu den Deutschen Hallenmeisterschaften, wo er mit seinen Mannschafts- kollegen einen 14. Platz mit der 4 x 200-m-Staffel in 1:30,40 Minuten erreichte. Die Freiluftsaison verlief ähnlich erfolgreich. So- wohl mit der 4 x 100-m-Sprintstaffel als auch auf der 200-m-Einzeldistanz erreichte Bruno Gärtner die Deutschen Juniorenmeister- schaften. Seine sportlich bisher beste Saison erlebt der 21-Jährige in diesem Jahr. Erneut erreichte er mit seinen Vereinskollegen die Deutschen Hallenmeisterschaften, wo sie mit der 4 x 200-m-Staffel in 1:28,70 Minuten den zehnten Platz und mit der 4 x 400-m- Staffel in 3:21,40 Minuten sogar den neunten Rang belegten. In der Freiluftsaison fielen dann auch reihenweise Bestleistungen in den Einzeldisziplinen. Über 100 m durchbrach Bruno Gärtner bei den Landesmeisterschaften in Wilhelmshaven die Schallmauer von elf Sekunden - 10,88 Sekunden! Die persönlichen Bestzeiten auf der 200-m- und 400-m-Strecke sollten 2009 ebenfalls ver- bessert werden. In Zeven lief Gärtner 22,08 Sekunden auf der halben Stadionrunde, die ganze absolvierte der Rotenburger bereits in 49,55 Sekunden. Der bis dahin für Bruno Gärtner am höchsten zu bewertende Erfolg gelang Ende Mai beim Pfingstsportfest in Zeven, wo sich der Sprinter mit seinen Mannschaftskameraden in der 4 x 100-m- Staffel für die DM in Ulm qualifizierte. Und genau dort gelang den Grün-Weißen ein echter Überraschungserfolg. Gemeldet als zwanzigschnellste Staffel Deutschlands, verbesserten sich Jeffrey Muldrow, René Schwarz, Alexander Thyme und Bruno Gärtner auf Platz acht in Deutschland - und löschten mit ihren 41,47 Se- kunden den Uralt-Landesrekord von 1964.
LANDESZEITUNG FÜR DIE LÜNEBURGER HEIDE vom 8. Juli 2009 "Opa ist ein cooler Trainer" Horst Baumgarten verrät seinem Enkel Hammerwurftricks Radbruch (so). Horst Baumgarten ist ein genauer Beobachter. "Du musst noch ein bisschen mehr in die Hocke gehen, den Blick etwas mehr nach rechts in Richtung des Fußball-Tors - und dann drehen." Der Zwölfjährige, dem diesen Anweisungen gelten, ist überhaupt nicht genervt. Konzentriert führt Jan-Merten Janowski den Übungswurf mit dem Hammer aus. Die beiden bilden ein in der hiesigen Leichtathletik-Szene wohl eher ungewöhnliches, aber durchaus erfolgreiches Trainer-Schützling-Duo. Horst Baum- garten ist Jan-Merten Janowskis Großvater und trainiert mit ihm seit eineinhalb Jahren Wurfdisziplinen. Jüngst verbesserte Jan- Merten seinen eigenen Hammerwurf-Kreisrekord bei den B-Schülern auf 22,31 Meter. Horst Baumgarten und Jan-Merten Janowski starten in der Leichtathletik für den TSV Radbruch (LG Lüneburg Stadt-Land). Außerdem betreiben sie Rasenkraftsport (Hammerwerfen, Steinstoßen, Gewichtwerfen) im TSV Hitzacker, weil diese Disziplin nur in wenigen Vereinen angeboten wird. Jan-Merten kam mit acht Jahren zur Leichtathletik. Zunächst stand der klassische Drei- kampf - Laufen, Springen, Werfen - auf dem Programm. Mittlerweile hat er sich überwiegend auf Kugelstoßen, Speerwerfen und Hammerwerfen spezialisiert. Nur der 75-m-Lauf fällt da ein bisschen "aus der Reihe". Jan-Mertens Liebe zu den Wurfdisziplinen begann vor eineinhalb Jahren. "Ich bin einfach mal mit meinem Opa mitgegangen zum Training. Und dann hatte ich die Idee, das auch zu machen", erzählt der HSV-Fan. Anfangs goss ihm sein Großvater noch einen Tennisball mit Beton aus, um zu üben. Doch schnell wechselte Jan-Merten zu den "richtigen" Sportgeräten. "Hammerwerfen zum Beispiel macht halt nicht jeder. Das ist mal etwas anderes", sagt der Enkel, "und mein Opa erklärt mir das total gut. Das macht Spaß. Opa ist ein cooler Trainer." Horst Baumgarten quittiert das Lob mit einem Lächeln. 1994, mit damals 58 Jahren, hat der Bahnbeamte im Ruhestand nach sage und schreibe 40-jähriger Pause wieder mit der Leichtathletik begonnen. "Vorher haben mich Beruf, Schichtdienst, Familie und Kinder voll auf Trab gehalten", erzählt er. Beinahe zufällig kam er dann zum Hammerwerfen. Mittlerweile hat Baumgarten neben vielen Erfolgen auf regionaler Ebene auch zwei Teilnahmen bei Senioren-Europameisterschaften und drei Starts bei Seni- oren-Weltmeisterschaften (Gateshead, Brisbane, Sindelfingen) in seiner sportlichen Vita stehen. 2001 in Brisbane wurde er Achter in der M 65. "Sport verbindet weltweit. Man trifft immer wieder bekannte Leute. Das ist genau wie Tanzen, was ich seit 30 Jahren mit meiner Frau regelmäßig betreibe", erzählt Baumgarten. Werte, die er jetzt neben dem sportlichen Training auch an seinen Enkel weitergibt.
NORDWEST ZEITUNG vom 11. Juli 2007 Verbissener Kampf gegen die Nervosität Leichtathletik: Fredrik Branscheidt aus Löningen hat ein großes Talent und eine große Schwäche Von Wolfgang Grave Löningen/Osnabrück. Welcher Sportler kennt das nicht? Da bereitet man sich wochen- beziehungsweise monatelang gezielt auf ein Großereignis vor, erarbeitet sich die Form seines Lebens und am Tag des großen Wettkampfes klappt nichts, aber auch wirklich gar nichts. Fredrik Branscheidt kann davon ein Lied singen. Als am Sonntag die deutsche Elite um Charles Friedek, Konstantin Gens und Andreas Pohle in Ulm um den Titel im Dreisprung kämpfte, fehlte der Löninger, der für den Osnabrücker TB startet. Sein großes Ziel, die Teilnahme an einer Deutschen Meisterschaft hatte er verpasst. Und das ärgert ihn. Man kann ihn verstehen. Seine Bestweite beträgt 14,35 Meter. Die sprang er in diesem Jahr beim Pfingstsportfest in Zeven. Damit egalisierte er zugleich den Vereinsrekord des Osnabrücker TB. Das macht ihn stolz, klar. Aber so richtig freuen kann er sich nicht. Als es zwei Wochen später in Wilhelmshaven um die Landesmeisterschaft ging, war für ihn bei 14,04 Metern Schluss. Wie so oft hatte er im entscheidenden Moment verkrampft. Schon am Tag vor einem großen Wettkampf sei er meist so angespannt, dass er Schlafprobleme bekomme und deshalb sein Können nicht abrufen könne, erzählt er. “Vielleicht sollte ich abends vorher einfach mal ausgehen, um den Kopf freizubekommen”, rätselt Branscheidt. Auf der Suche nach einer Lösung für sein Problem hat er jetzt in Zusammenarbeit mit dem Löninger Diplom- Mediziner Michael Utesch einen neuen Weg eingeschlagen. Er versucht, seine Nervosität mit Hypnose in den Griff zu kriegen. In der vergangenen Woche hatte er den ersten Termin “Das war okay. Ich hoffe, dass ich das jetzt auch alles umsetzen kann”, sagt Branscheidt. Allerdings ist ihm klar, dass alles seine Zeit braucht. Er müsse geduldig bleiben und dürfe nicht verzweifeln, sagt er. Von seinen Zielen rückt er aber kein Stück ab. “Ich will 14,50 Meter und weiter springen”, sagt er. Er spürt einfach, dass er diese Weiten in den Beinen hat. Sein Coach Erik Spielenburg und sein Vater Roger, mit dem er ebenfalls häufig trainiert, teilten diese Meinung. “Sie sagen, dass das locker drinsitzt.” Branscheidt ist jetzt 26 Jahre alt, also - wie man so schön sagt - im besten Alter für einen Sportler. “Aber das Alter spielt gar keine so große Rolle”, sagt er, lacht und verweist auf den ehemaligen Weltmeister Charles Friedek, der in Ulm mit 37 Jahren noch Dritter wurde. Technisch sei er ganz gut ausgereift, glaubt er. “Meine Anlaufge- schwindigkeit kann ich noch verbessern. Außerdem muss ich die Flugphase verlängern.” Daran feilt er täglich 90 bis 120 Minuten. Die Trainingszeiten richten sich dabei ganz nach seinem Job: Als Physiotherapeut hat er Früh- und Spätschicht. Am Wochen- ende trainiert er auch noch häufig auf der Anlage seines Heimatvereins VfL Löningen. Schon am 18. und 19. Juli folgt die nächste Bewährungsprobe: die Norddeutsche Meisterschaft in Lübeck. Eigentlich dürfte es für Branscheidt diesmal keinen Grund geben, nervös zu sein. Im Normalfall müsste er ja hinter seinen eigenen Erwartungen zurückbleiben. ==> Ein weiterer Bericht über Fredrik Branscheidt vom 24. Dezember 2007
HESSISCHE NIEDERSÄCHSISCHE ALLGEMEINE vom 22. Juli 2009 Der Weltklasse ganz nah Uslarer Leichtathletin ist als Kampfrichterin im Berliner Olympiastadion dabei Uslar. Mittendrin und nicht nur dabei: Das gilt für die Uslarerin Petra Möhle. Sie ist vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) als Wettkampfrichterin für die Leichtathletik Weltmeisterschaft (WM) im August in Berlin nominiert. Die 39-jährige Angestellte der Stadt Uslar freut sich schon sehr, die Größen der Welt hautnah zu erleben. Als Leichtathletin lag ein Start bei Weltmeister- schaften für die Läuferin nie drin. Als Kampfrichterin ist sie vom 15. bis 23. August dieses Jahres im Olympiastadion mit dabei, wenn es um Titel und Medaillen geht. Fast 30 Jahre lang war Petra Möhle aktive Leichtathletin, hatte die Mittelstrecken als Lieblingsdisziplin und probierte sich auch in vielen technischen Disziplinen wie Weitsprung, Kugelstoßen und Diskuswerfen aus. Auch Fünf- und Siebenkämpfe hat die für den OLV Uslar startende Petra Möhle etliche bestritten. Nicht zuletzt für eine gute Mannschaftswertung innerhalb der Leichtathletik- Gemeinschaft (LG) Solling. Nach der Teilnahme bei den Deutschen Senioren-Meisterschaften im 1500-Meter-Lauf im Jahr 2004 hängte sie ihre Laufschuhe allerdings an den Nagel. Ein Grund war eine dauerhaft schmerzende Achillessehne, die ein konse- quentes Training behinderte. Heute ist sie noch bei Volksläufen in der Umgebung mit am Start und hält sich mit Laufen, Rad- fahren, Inlineskaten und Badminton fit. Seit 20 Jahren ist sie ehrenamtlich im Vorstand des Kreis-Leichtathletik-Verbandes und seit 1998 im Niedersächsischen Leichtathletik-Verband tätig. Vier Jahre im Kader berufen Für ihren Job bei der Weltmeisterschaft wurde sie, wie all die anderen Offiziellen auch, lange vorbereitet. Vor zwei Jahren wurden vom DLV bundesweit "Nationale Technische Offizielle (NTO)" für den Einsatz bei der WM ausgebildet. Die Prüfung nach einer umfangreichen Ausbildung schaffte die OLVerin mit 26 anderen Bewerbern bei 75 Teilnehmern. Für vier Jahre ist sie nun in den NTO-Kader berufen. Nach zahlreichen Test-Einsätzen bei Deutschen Meisterschaften und nationalen Leichtathletik-Wettkämpfen steht jetzt der Einsatz bei der WM fest: Petra Möhle, die seit zwei Jahren Vizepräsidentin "Wettkampforganisation" im Nieder- sächsischen Leichtathletik-Verband ist, wurde als Obmann Innenraumkontrolle aufgestellt. Zu ihren Aufgaben gehört unter ander- em die Ordnung im Innenbereich des Stadions, das Freihalten von Werbebanden, die Einlasskontrolle zum Innenraum und nicht zuletzt die Athletenbegleitung zum WC während der Wettkämpfe. "Die Tatsache, dass diese Aufgabe einen frühen Einsatzbeginn an jedem Wettkampftag und ein spätes Verlassen des Stadions mit sich bringt, kann die Freude, bei allen Wettkämpfen im Stadion hautnah dabei zu sein, nicht trüben", sagt Petra Möhle. Sie freut sich schon riesig auf die WM in Berlin und sieht es ein wenig als Belohnung für ihre bisher geleistete ehrenamtliche Arbeit für die Leichtathletik. Vielleicht entdecken die Zuschauer im Stadion und vor dem Fernseher ja neben den vielen Weltstars der Leichtathletik auch die Wettkampfrichterin aus dem Uslarer Land. (jdx) ==> Ein weiterer Bericht über Petra Möhle vom 4. November 2006
ALLGEMEINE ZEITUNG UELZEN vom 25. Juli 2009 "Eine tolle Geschichte" Matthias Meyer: Rekordsprung an der University of Virginia Von Alexander Barklage Suhlendorf/Charlottesville. Was haben der Literaturnobelpreisträger William Faulkner, der ehemalige US-Präsident Woodrow Wilson, Robert F. Kennedy, der ehemalige NATO-Generalsekretär Javier Solana und der Wellendorfer Matthias Meyer gemein- sam? Auf den ersten Blick könnte man denken - nichts! Doch weit gefehlt, denn all diese Herren studierten oder studieren an der Virginia University in Charlottesville, USA. Der 21-jährige Leichtathlet der LG Hanstedt/Wellendorf/Wriedel ergatterte aufgrund seiner überdurchschnittlichen Leistungen im Weitsprung und Sprint im vergangenen Jahr ein Sport-Stipendium an der renommier- ten amerikanischen Universitiät im Bundesstaat Virginia (AZ berichtete). Nach dem Abitur wagte er den Sprung über den Großen Teich. "Für Sportler sind die amerikanischen Universitäten einfach top. Die Bedingungen hier sind nicht mit denen in Deutschland ver- gleichbar," sagt Meyer. Seit September 2008 lebt, lernt und trainiert er an der University of Virginia (UV). Als "Freshman" (Be- zeichnung für Studenten in ihrem ersten Studienjahr) hat sich Meyer seine Studienkurse immer auf den Vormittag gelegt, damit er am Nachmittag Zeit hat zu trainieren. "Ich trainiere hier jeden Tag um die zweieinhalb Stunden, anschließend gehe ich noch für zwei Stunden ins Lerncenter und erledige meine Hausaufgaben," erläutert der Wellendorfer seinen Tagesablauf. Sein individueller Trainingsplan wird von seinem Sprungtrainer aufgestellt, der hauptamtlich für die Universität arbeitet. College-Sport in den USA ist nicht mit dem Uni-Sport in Deutschland vergleichbar. In Amerika genießt er einen sehr hohen Stellenwert, deshalb kann sich glücklich schätzen, wer ein Sport-Stipendium erhält. Das Football-Stadion der Virginia University fasst 61 000 Zuschauer und ist in der Regel ausverkauft, obwohl Charlottesville nur etwa 40 000 Einwohner zählt. Die Uni besitzt eine Basketballhalle mit einem Fassungsvermögen von knapp 15 000 Zuschauern - gigantische Dimensionen. Auch Matthias Meyer wurde bei den ersten Trainingseinheiten von den Eindrücken nur so erschlagen. "Die sportliche Förderung, das ganze uni- versitäre System - alles ist hier auf die Spitzensportler abgestimmt. Unsere Leichathletik-Meisterschaften sind teilweise besser besetzt als jede Deutsche Meisterschaft. Das Niveau ist hier sehr hoch," erklärt der Wellendorfer. Angst, dass er diesem Druck nicht standhalten kann, hat er nicht. Im Januar setzte er an der VU das erste Ausrufezeichen, als er bei einem Hallenmeeting mit 7,52 Metern den Universitäts-Rekord im Weitsprung knackte und sich so in die Annalen der Uni eintrug. Meyer: "Ich habe einem berühmten Ex-Footballspieler den Rekord abgejagt, das war schon eine tolle Geschichte." Nur ein paar Wochen später war die Euphorie des Rekordes allerdings schnell verflogen, denn Meyer zog sich bei einem Meeting in New York einen Ermüdungsbruch im Fuß zu. Die Saison war für ihn beendet. "Ich lief drei Monate auf Krücken, das war für mich wie ein Schlag ins Gesicht," sagt der 21-Jährige. Doch jetzt nach gut einem halben Jahr ist alles bestens verheilt, weiß Meyer, der sich momentan für einen Monat auf Heimaturlaub in Uelzen aufhält. Auf die faule Haut kann er sich jedoch nicht legen. "Ich habe einen detaillierten Trainingsplan bekommen, nach dem ich mich richten muss. Wenn ich Ende August nach Virginia zurückkehre, muss ich fit sein." Wegen seiner Verletzung konnte er beim Saisonhöhepunkt, den Uni-Meisterschaften in Texas nicht starten. Umso motivierter geht Meyer in die neue Saison. "Ich möchte mich weiter verbessern. Mein Ziel ist es, um die 7,80 Meter zu springen und mich für die Uni-Meisterschaften 2010 in Fayetteville im Bundesstaat Arkansas zu qualifizieren." ==> Ein weiterer Bericht über Matthias Meyer vom 5. Juli 2008
DEISTER- UND WESERZEITUNG (DEWEZET) vom 25. Juli 2009 Etienne Diatta - sie nennen ihn den “schwarzen Blitz” Von Hans-Jürgen Kroggel Etienne Diatta lächelt. Er lächelt eigentlich immer. Der 19 Jahre alte Leichtathlet von der LG Weserbergland ist ein “netter und sympathischer Bursche - und ein richtig guter Sportler”, sagt Toni Ruscheinsky. Der muss es wissen, denn seit zwei Jahren trai- niert der 67 Jahre alte Hamelner den jungen Afrikaner, den sie in Leichtathletikkreisen schon respektvoll den “schwarzen Blitz” nennen. Meistermacher Ruscheinsky scheint die großen Talente geradezu magisch anzuziehen. Nach Deborah Brodersen, der Experten sogar die Olympiateilnahme 2012 in London zutrauen, hat er wieder einen Rohdiamanten. Jetzt ist Feinschliff angesagt, denn Diatta steht erst am Anfang seiner Karriere. Der 1990 in Gambia geborene Sohn senegalesischer Eltern kam 2007 nach Hameln. “Bis dahin hatte ich mit Sport nichts am Hut”, berichtet der 1,80 m große und 72 kg schwere Athlet. Beim Stadtlauf vor zwei Jahren lief er “nur so zum Spaß” mit - und eine Runde zu viel. Dennoch wurde er Dritter. Ein kurioses Debüt. Inzwischen ist Diatta Mitglied bei Eintracht Hameln und auf dem besten Weg, ein Großer zu werden. Seine Bestzeiten versetzen auch Landestrainer Edgar Eisenkolb in Erstaunen. Das Muskelpaket sprintet die 100 m in 10,9 Sekunden, über 200 m stehen 22,00 zu Buche, und die 400 m läuft der junge Afrikaner in 48,02 Sekunden. Demnächst will er auch noch die 400 m Hürden in Angriff nehmen. “Über die Stadionrunde ist eine 46er Zeit drin” “Etienne befindet sich nach wie vor in der Aufbauphase. Seine Sprintfähigkeit muss er noch deutlich verbessern. Dann ist auch eine 46er Zeit über die Stadionrunde drin”, sagt Ruscheinsky. Ohne Fleiß kein Preis: deshalb fließt viermal in der Woche der Schweiß in Strömen. Nicht nur im Stadion, sondern auch im rehamed-Fitnessstudio. Hier steht unter Aufsicht und Anleitung von Peter Bassara, der selbst einmal ein guter Leichtathlet war, Körperaufbautraining auf Diattas Stundenplan. Der bereits sehr gut Deutsch sprechende Modellathlet bereitet sich derzeit an der Eugen-Reintjes-Schule auch auf das Berufsleben vor. Für Hobbys bleibt da keine Zeit mehr. “Und eine Freundin habe ich auch nicht”, schmunzelt der 19-Jährige, der später einmal Schlosser werden möchte. Jetzt will er aber erst einmal den einen oder anderen Rekord knacken. Und wie es sich für einen Sprinter gehört, hat Diatta zwei ganz schnelle Vorbilder: den jamaikanischen Wunderknaben und Olympiasieger Usain Bolt und den dreifachen Weltmeister Tyson Gay aus Amerika.
SALZGITTER ZEITUNG vom 1. August 2009 Salzgitteraner bei Weltmeisterschaft Clemens Löcke und Björn Lippold sind als Helfer bei Großveranstaltung in Berlin im Einsatz Von Katharina Pahl Lebenstedt. "Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin" - dieser Ausruf ist immer mit Freude verbunden. Auf das Abenteuer "Haupt- stadt" freuen sich auch Clemens Löcke und Björn Lippold. Die beiden Salzgitteraner sind als Helfer bei der Leichtathletik-Welt- meisterschaft im Olympiastadion aktiv. Insgesamt reisen zwölf helfende Niedersachsen an. Clemens Löcke wurde vom Internationalen Leichtathletikverband engagiert - er wird in der Woche Foto- und Medien Chef Innen- raum sein. Pressevertreter aus der ganzen Welt reisen an - 1000 Journalisten berichten, 250 Fotografen wollen die besten Bilder schießen. "Und nicht jedem können wir den Eintritt in den Innenraum gewähren", erklärt Löcke. Deshalb muss er mit seiner Truppe täglich eine Auswahl treffen: Welcher Fotograf darf aus nächster Nähe ablichten. Auch beim Marathon müssen die Foto- grafen zu den besten Plätzen der Stadt gelangen - erstmals ist der Start- und Zielbereich nicht im Stadion. Am Brandenburger Tor geht es los. Zusätzliche Hürde: Am Tag des Marathons am 22. August gibt es ein weiteres Spektakel in der Hauptstadt: Das Bundeskanzleramt öffnet seine Tore. Berlin erwartet also viele Besucher. Löcke, Salzgitters Kreissportbund-Vorsitzender, hat Erfahrung mit solchen Großveranstaltungen: Bereits 1993 war er bei der WM in Stuttgart im Einsatz. Insgesamt hat Salzgitter eine lange Tradition, was das Helfen bei solchen Wettkämpfen angeht: Schon 1972 bei den Olympischen Spielen in München waren Salzgitteraner im Einsatz. Der damalige Helfer Karl-Heinz Steinhoff ist heute Ehrenvorsitzender des KSB. Das erste Mal mittendrin ist Björn Lippold. Der erfolgreiche Hammerwerfer aus Salzgitter-Bad gehört dem Kampfgericht Wurf als Ringbeobachter an. Bei vielen Meisterschaft stellte der 27-Jährige seine Fähigkeiten unter Beweis - und wurde nun vom Deutsch- en Leichtathletik-Verband berufen. Bis zum 21. August ist Lippold im Einsatz. "Danach gucke ich mir auf jeden Fall weitere Wett- kämpfe an", so der Unioner. Die Erfahrungen, die beide in Berlin sammeln werden, wollen sie zu Hause gleich weitergeben - denn eine Woche später finden im Stadion am Salzgittersee die Norddeutschen Meisterschaften der Leichtathleten statt. Auch darauf freuen sich Löcke und Lippold schon riesig.
BRAUNSCHWEIGER ZEITUNG (Peine) vom 8. August 2009 Chmielewski bei Weltmeisterschaft Edemisser ist als Helfer bei Leichtathletik-Großveranstaltung in Berlin im Einsatz Von Katharina Pahl "Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin" - dieser Ausruf ist immer mit Freude verbunden. Auf das Abenteuer "Hauptstadt" freut sich auch der Edemisser Johannes Chmielewski. Dabei ist es nicht das erste Großereignis für den pensionierten Lehrer - so zählen unter anderem die Olympischen Spiele in Barcelona 1992 als auch die Weltmeisterschaften in Stuttgart ein Jahr später zu den Veranstaltungen, die der 67-Jährige als Kampfrichter begleitete. Die Liste ließe sich beliebig fortführen: Auch in Göteborg, Edmonton, Osaka gehörte er zum Richterstab. "Von der Stimmung und dem Flair war Stuttgart am schönsten", berichtet Chmielewski, der als Schulleiter an der Grund- und Hauptschule Dollbergen tätig war. 1967 kam Chmielewski nach Peine - und zum Sport. "Ich war ein durchschnittlicher, aber begeisterter Leichtathlet", berichtet der Edemisser. Über diese Schiene wurde er Übungsleiter bei Marathon Peine und schließlich Kampfrichter. Bereits am kommenden Dienstag geht es für Chmielewski und die anderen Niedersachsen in die Hauptstadt - vor der großen Weltmeisterschaft findet ein Ländervergleichskampf statt. Zwölf Kampfrichter kommen aus dem Land Niedersachsen. Nur Chmielewski und Clemens Löcke aus Salzgitter waren bereits 1993 in Stuttgart dabei. Chmielewski wurde für die kommende Aufgabe vom Deutschen Leichtathletikverband beauftragt. Rund 2000 Athleten kämpfen im Berliner Olympiastation um Siege - eine der Hauptattraktionen sind wieder einmal die Läufe. Der Edemisser gehört dem Zielgericht an. "Ich überwache beispielsweise die Zieleinläufe", berichtet Chmielewski. Der 67-Jährige saß oft "oben" in der Zielmessung. Dieses Mal ist er unten direkt dabei. Mit den Stars wird das Mitglied der LG Peiner Land nach eigener Aussage jedoch nicht oft in Berührung kommen. Die letzte Veranstaltung soll Berlin nicht sein: "Solange es noch Spaß macht, bin ich dabei."
DIE HARKE (Nienburg) vom 8. August 2009 Die Leistungsexplosion von Nikolai Juretzko Leichtathletik: Der 13-Jährige ist in ähnlicher Erfolgsspur wie sein großer Bruder Alexander Nienburg (hhg). Ein zweiter Juretzko ist auf dem besten Weg, in die Fußstapfen seines großen Bruders zu treten und eine eben- so erfolgreiche Karriere in der Leichtathletik anzutreten: Nikolai Juretzko vom MTV Nienburg (LG Nienburg) sorgt mit beeindruck- enden Leistungen für Aufsehen und steht nicht nur in der Bestenliste des Niedersächsischen Leichtathletik-Verbandes (NLV), sondern auch beim Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) gleich mehrfach auf vorderen Plätzen und wiederholt die Entwicklung von Alexander Juretzko (LG Hannover), der mittlerweile zur deutschen Spitze über 400 Meter gehört. Der Leistungssprung von Nikolai Juretzko begann bereits am Ende der Freiluftsaison des vergangenen Jahres und setzte sich im Winter in der Halle fort. Das durchschlagendste Erfolgserlebnis gab es für den 13-jährigen Realschüler im Mai beim Schülermehrkampf in Lehrte, als er neben 1,60 m im Hochsprung und sagenhaften 60,50 m mit dem 200-Gramm-Ball auch noch 1995 Punkte im Vierkampf erzielte und sich hier beim NLV jeweils souverän an die Spitze der Altersklasse M13 setzte. Seine Sprintstärke stellte Nikolai Anfang Juni mit 9,36 sec über 75 m unter Beweis, die bisher ebenfalls kein Gleichaltriger unterbot. Gute Ergebnisse gab es ebenso Ende Juni in Stuhr-Moordeich mit 10,24 sec über 60 m Hürden und 5,18 m im Weitsprung, aber vor allem 2492 Punkte im Blockwettkampf Sprint und Sprung, die ihm den Spitzenplatz in der DLV-Bestenliste einbrachte. Als jüngste Großtat lief Nikolai Juretzko beim Feriensportfest in Delmenhorst 300 m in hervorragenden 41,17 sec und katapultierte sich damit in die Niedersächsische Bestenliste der A-Schüler M14 auf Platz drei - diese Strecke wird für 13-Jährige überhaupt noch nicht ausgeschrieben! Bei optimalen äußeren Bedingungen musste sich der Weserstädter auf der Dreiviertel-Stadionrunde nicht einmal vollständig verausgaben. Ob sich die positive Leistungsentwicklung des Ausnahmetalentes im bisherigen Tempo fortsetzt, wird sich bei den anstehenden Meisterschaften auf Kreis- und Bezirksebene herausstellen. Ohne Verletzungen ist davon auszugehen. Zu erwarten ist auch die Aufnahme in den NLV-Nachwuchskader, eben in den Fußstapfen des großen Bruders.
BREMERVÖRDER ZEITUNG vom 14. August 2009 Die Ebersdorfer sind stolz auf Yvonne Jungen Umfangreiches Training und Unterstützung durch die Familie führen zum Erfolg in der Leichtathletik Ebersdorf (bz). Mit Spannung verfolgt man auch in ihrem Wohnort Ebersdorf die derzeitigen Auftritte der 17-jährigen Yvonne Jungen. Schon seit Jahren trainiert die Leichtathletin im Nachbarort Alfstedt bei Hans-Hinrich und Ulrike Kahn sowie Patrick Hilbrecht. Zuletzt startete Yvonne Jungen über 400 Meter Hürden bei den Deutschen Jugendmeisterschaften in Rhede. Dass die Trainer ihren Job gut gemacht haben, zeigt die Vielzahl der errungenen Titel. Bei den niedersächsischen Landesmeister- schaften in Wilhelmshaven hatte die Mehrkämpferin zuletzt mit einer Zeit von 64,35 Sekunden im 400-m-Hürdenlauf überlegen den Titel gewonnen, zugleich neuen Kreisrekord gelaufen und sich somit gleichzeitig auch an die elfte Stelle der Meldeliste für die weibliche Jugend B bei den Deutschen Jugend-Meisterschaften platziert, wo sie am vergangenen Sonnabend im B-Finale einen beachtlichen fünften Platz erreichte. Den A-Endlauf hatte sie nur um zwei Zehntelsekunden verpasst. Ebenfalls konnte die Ebers- dorferin, die für den TuS Alfstedt startet, vor drei Wochen erfolgreich ihren Titel bei den Norddeutschen Meisterschaften in Lübeck verteidigen. Auch dafür hat sie hart trainiert. Vier bis sechs Einheiten pro Woche stehen auf dem Plan. Neben der Crew ihrer Leichtathletikgruppe erhält die Schülerin Unterstützung insbesondere auch von ihren Eltern und dem Rest der Familie, die ihr immer den zeitlichen Rahmen für den Sport ermöglichen. Und so wollen ihr Mutter Christa, Vater Harald, Bruder Fabian sowie auch ihre Großeltern am letzten Augustwochenende wieder ganz besonders fest die Daumen drücken, wenn für sie in Lage bei Detmold die Deutschen Titelkämpfe im Siebenkampf auf dem Programm stehen.
DEISTER- UND WESERZEITUNG (DEWEZET) vom 15. August 2009 Die schnelle Marie sprintet auf Mutters Spuren Leichtathletik (olz). Sie eilt von Erfolg zu Erfolg und ist zur Zeit die schnellste deutsche Schülerin über 200 Meter: die 14-jährige Marie Holzschuh von der LG Weserbergland steht vielleicht vor einer ganz großen Karriere. Ihr starkes Finalrennen bei den deutschen Meisterschaften in Rhede, wo sie in 24,59 Sekunden bei der B-Jugend gegen meist zwei Jahre ältere Konkurrentinnen den sechsten Platz belegte, hatte nicht nur ihren Trainer Werner Scharf, sondern auch ihre Mannschaftskameradinnen, Eltern und Betreuer jubeln lassen. “Das Finale im vollbesetzten Stadion war eines meiner tollsten Erlebnisse im Sport, denn das Rennen war hammerhart”, erinnert sich Holzschuh, die in Halvestorf wohnt, das Hamelner Vikilu-Gymnasium besucht und Mathe, Sport und Kunst zu ihren Lieblingsfächern zählt. Beim ESV erhielt sie die Grundausbildung “Die Staffelrennen mit Monja Hahn, Deborah Brodersen, Lea Marie Lange und Nele Lenhard machen mir auch sehr viel Spaß, weil wir hier gemeinsam Erfolge erreichen”, sagt die junge Sportlerin. 2003 stieß sie zur Nachwuchsabteilung des ESV Eintracht Hameln und erhielt dort die leichtathletischen Grundkenntnisse. Sie profitierte dabei ohne Zweifel von den Genen ihrer Eltern, denn Mutter Andrea war mehrfache DDR-Meisterin im Marathon (Bestzeit: 2:37 Stunden) und im Crosslauf und Teilnehmerin an drei Weltmeisterschaften. Nach der Wende startete sie für LAC Quelle Fürth und wurde mehrfache deutsche Meisterin in der Mannschaft und im Halbmarathon. Im Trikot der LG Weserbergland errang Holzschuh die Senioren-Vizeweltmeisterschaft. Sie wurde Vize-Europameisterin über 800 Meter und Europameisterin mit der deutschen 4 x 400-m-Staffel. Vater Gerd Holzschuh hat Sport studiert, ist Diplom-Sportlehrer, spielte Fußball, war Triathlet und sprintete die 100 Meter immerhin in 11,4 Sekunden. Sportliche Vorbilder hat Marie Holzschuh nicht. “Ich würde aber gerne die Erfolge der ehemaligen LG-Sprinterin Cathleen Tschirch erreichen”, sagt die Athletin, die dreimal in der Woche bis zu drei Stunden bei Trainer Werner Scharf trainiert. “Im nächsten Jahr will ich als B-Jugendliche die Schwerpunkte auf die 100 und 200 m legen und im Bundeskader internationale Erfahrungen samm- eln”, definiert sie klar ihre Ziele, wohl wissend, dass sie auch die weniger geliebten Kugeln und Speere in die Hand nehmen muss, denn sie wird in der Siebenkampf-Mannschaft gebraucht. Scharf ist davon überzeugt, dass “Marie noch ganz viel Potenzial nach oben hat”. Schöne Aussichten …
DEISTER- UND WESERZEITUNG (DEWEZET) vom 27. August 2009 Ruscheinsky: "Geld in eigene Jugendarbeit investieren Leichtathletik (aro). Anton Ruscheinsky ist beim VfL Hameln Trainer und Chef der Leichtathletiksparte - und einer der Gründer- väter der LG Weserbergland. Im Interview mit Dewezet-Mitarbeiter Andreas Rosslan spricht der 67-jährige über die internen Que- relen bei der LG, sein Verhältnis zu Werner Scharf und seinen angekündigten Rücktritt als Abteilungsleiter. Anton Ruscheinsky, warum haben Sie keine Lust mehr, als Trainer für die LG zu arbeiten? Weil ich mich mit den Zielen der LG nicht mehr identifizieren kann. Bei der Gründung stand die Förderung heimischer Talente an erster Stelle. Ich habe den Eindruck, dass durch die Erfolge der viermal 100 Meter Staffel die ursprünglichen Ziele aus den Augen verloren wurden. Zwischen Ihnen und Werner Scharf stimmt die Chemie nicht... Es ist der falsche Weg, Athleten aus ganz Norddeutschland zu holen. Die Vereine kostet es sehr viel Geld, wenn auswärtige Sportler bei überregionalen Wettkämpfen starten. Das Geld können wir in die eigene Jugendarbeit investieren. Ein weiterer Kritik- punkt ist, dass durch die starke Konkurrenz in den Reihen der LG einige unserer Talente auf der Strecke geblieben sind. Können Sie ein konkretes Beispiel nennen? Eine Silke Rauchberger oder Monja Hahn waren in der Staffel nur das fünfte Rad am Wagen. Ihre guten Leistungen reichten nicht aus, weil es Läuferinnen gab, die noch besser waren. Als Trainer hätte ich dem eigenen Nachwuchs eine Chance gegeben. Aber Deborah Brodersen kommt auch nicht aus Hameln... Deborah kommt nicht aus Potsdam oder Dresden, sondern aus Rinteln. Deborah ist im VfL groß geworden. Das ist ein Unter- schied zu vielen anderen Neuzugängen, von denen ich teilweise noch nicht einmal die Namen kenne. Sie sind einer der Gründerväter. Setzen Sie mit dem Austritt des VfL nicht das aufs Spiel, was Sie sich mühsam aufgebaut haben? Es ist schade, dass es soweit gekommen ist. Mit dem ESV, dem TSC Fischbeck und dem MTV Coppenbrügge haben wir gut zusammen gearbeitet. Ich persönlich könnte mir den VfL auch zukünftig in einer LG vorstellen - aber ohne Stadtoldendorf. Der Fördervereinsvorsitzende Markus Hedemann befürchtet, dass die Vereine jetzt wieder gegeneinander arbeiten... Diese Aussage fand ich nicht gut. Gegeneinander treten wir nur im Wettkampf an. Manfred Scholz vom ESV sagt, dass die LG in der ersten Liga spielt. Hat er recht? Die Zeiten der “Golden Girls” sind vorbei. Nur weil eine Schülerin deutsche Meisterin wird, spielt man noch nicht in der ersten Liga. Bei den Erwachsenen trennt sich die Spreu vom Weizen. Trotz der Querelen ist es mit der LG Weserbergland gelungen, die Kräfte zu bündeln und ein Wir-Gefühl zu erzeugen... Das stimmt - im Großen und Ganzen jedenfalls. Ich hatte aber zuletzt das Gefühl, gegen Windmühlen zu kämpfen, weil ich oft anderer Meinung war als die anderen Trainer. Die Interessen des VfL kamen in der LG zu kurz. Das kann man so sagen. Hat der VfL Hameln die Nachwuchsarbeit vernachlässigt? Nein. Mit Mara Zielonka haben wir beim VfL eines der hoffnungsvollsten Talente in unseren Reihen. Mara kann einmal in die Fuß- stapfen von Deborah Brodersen treten. Und warum sind viele Kinder und Jugendliche in den ESV Hameln eingetreten und nicht in den VfL? Ein Grund ist, dass beim ESV der Vereinsbeitrag ein paar Euro billiger ist als beim VfL. Bei der LG Weserbergland spielte es keine Rolle, aus welchem der fünf Vereine die Kinder und Jugendlichen stammen. Es gab ja gemeinsame Trainingsgruppen. Wie geht es für Sie persönlich weiter? Als Trainer bleibe ich dem VfL bis auf weiteres erhalten.
REGIONALE RUNDSCHAU / SYKER KURIER vom 31. August 2009 Ehrgeizig, erfolgreich und vereinstreu Christin Bormann möchte im kommenden Jahr zur DM Von Justus Seebade Landkreis. Seit sie vier Jahre alt war, erzählt Christin Bormann, sei ihr Sport die Leichtathletik. Vor drei Jahren spezialisierte sich die 15-Jährige vom TSV Asendorf dabei auf die Disziplin Kugelstoßen und zählt seit geraumer Zeit zu den erfolgreichsten Athletinnen ihres Fachs. Ihr nächstes Ziel: Die deutschen Meisterschaften im kommenden Jahr. "Das ist auf jeden Fall realistisch und ihr auch absolut zuzutrauen", sagt Christin Bormanns langjährige Förderin und Trainerin Ute Schröder. Schon in diesem Jahr hätten nur wenige Zentimeter zur DM-Norm gefehlt. Ganz andere Mentalität Schröders Ziel ist es, ihre Athletinnen und Athleten immer dorthin zu bringen, wo sie sich sportlich wie menschlich weiterentwick- eln können. Dies ist ihr auch bei Bormann gelungen, die zum neuen Schuljahr auf die Humboldtschule in Hannover wechselte. Die nach dem bekannten Forscher Alexander von Humboldt benannte Schule kooperiert mit dem niedersächsischen Landessport- bund und umfasst noch sehr viele andere Sportarten. "Dort ist es nicht so wie vorher in Bruchhausen-Vilsen", meint das Nach- wuchstalent, "die Mentalität ist eine ganz andere in der Stadt." Hinzu komme die deutlich höhere Anzahl der Schüler, aber an- sonsten laufe Schule für sie ab wie für alle anderen auch. Zwei Besonderheiten gibt es allerdings doch: Zum einen kann Bormann für Trainingslager, Lehrgänge oder größere Wettkämpfe freigestellt werden, zum anderen gibt es die Möglichkeit, den Unterricht durch Sport zu ersetzen. Der verpasste Stoff muss dann nachmittags nachgeholt werden. Der Heimatverein bleibt Um sich aber noch etwas besser einzugewöhnen, ist Christin Bormann in der letzten Sommerferienwoche ins Internat in die Region Hannover gezogen. Trotzdem startet sie weiterhin für ihren Heimatverein TSV Asendorf. Zu den Lieblingsfächern der mehr- fachen Kreismeisterin zählen Sport, Geschichte und Englisch. Die Hobbys der 15-Jährigen, die ebenfalls schon drei Landes- meistertitel erringen konnte, sind unter anderem ins Kino gehen, lesen und natürlich der Sport. Zum Kugelstoßen gekommen ist Christin Bormann dadurch, "dass sie schon immer Spaß am Werfen hatte", so Ute Schröder, die auch die Nachbarin von Bor- mann in Asendorf ist und sie schon ihr ganzes Leben lang kennt. Als ehrgeizig, wissbegierig, beständig und vereinstreu würde Schröder die ambitionierte Kugelstoßerin beschreiben. Selbst würde Christin Bormann als ein paar ihrer Eigenschaften ebenfalls den Ehrgeiz, aber auch die Kontaktfreudigkeit nennen. "Dass muss man auf Wettkämpfen sein, man kann dort ja nicht nur her- umstehen", sagt sie. Bormanns Talent und ihr Willen sollen sie zur Deutschen Meisterschaft in den Endkampf bringen. Doch dieses Event ist "nur" das Nahziel. "Ich möchte auch bei noch größeren Veranstaltungen erfolgreich sein", blickt Bormann, die nebenbei den Diskus wirft, schon einmal in die Zukunft. Ihre Vereinkameradin Neele Eckhardt hat's vorgemacht.
NORDWEST ZEITUNG vom 4. September 2009 Enno Borchers läuft und läuft und läuft Sport: Jeder Kilometer wird im Tagebuch festgehalten - Fernziel: Strecke von 1000 Marathonläufen Von Wolfgang Müller Rastede. Laufen ist eigentlich nichts Besonderes - es sei denn, man führt akribisch Buch über jeden Kilometer. Enno Borchers aus Rastede hat auf diese Weise seine sportliche “Laufbahn” im besten Sinne des Wortes festgehalten - und damit auch ganz besondere Ereignisse. Sportlich war der heute 65-Jährige eigentlich schon immer. Tischtennis hat er einst auf seinem Dorf in der Wesermarsch gespielt, bis hinauf zur Verbandsliga hat es das Team geschafft, bis die Gegner verzichteten: die wollten bei den Auswärtsspielen nicht im dunklen Saal des Gasthauses spielen, das Borchers’ Team als “Sportstätte” diente. In der Bestenliste Eine Lehre als Bankkaufmann folgte, dann die Bundeswehr. Enno Borchers schloss sich dem Oldenburger Verein “Tura 76” an. Als Leichtathlet sprang er knapp an die Sieben-Meter-Marke heran und war lange Zeit in der Bestenliste des Bezirks. Später folgten Beruf, Ehe und Hausbau in Rastede. Sport wurde reduziert - bis ihn Helmut Jacobs und Karl Afken (beide sind inzwischen verstorben) 1976 zu Volksläufen in der Region mitnahmen. Das reichte Enno Borchers Ende der 70-er Jahre nicht mehr aus. Er stellte fest, dass der Schlosspark “bestens geeignet ist, um sich fit zu halten - und geradezu ideal ist zum Laufen”. Und 1979 hatte er die Idee, seine gelaufenen Kilometer aufzuschreiben: “Ich wollte wissen, wie viel ich so ’runtertrabe.” Und so führt Enno Borchers seit dem 1. September 1979 Buch über jeden Kilometer - und über Besonderheiten. Jubiläum auf der Insel So lief er am 21. Juli den 10 000. Kilometer im Urlaub auf der Insel Juist. 5000 Kilometer weiter gab es das Jubiläum wieder auf einer Insel, nämlich auf Wangerooge. Mitte dieser Woche hatte der Rasteder 37 819,3 Kilometer auf der Liste. Die 40 000 Kilo- meter will er in zwei Jahren erreicht haben, das nächste Ziel sind - wieder zwei Jahre später - 42 195 Kilometer, das würde der 1000-fachen Marathonstrecke entsprechen. Den “einfachen” Marathon hat Enno Borchers schon sechsmal gelaufen - in seiner persönlichen Bestzeit in 3:18 Stunden. Den schönsten Marathon hat er nach der Wende in Berlin erlebt, mit dem Zieleinlauf durchs Brandenburger Tor: “Ein unbeschreibliches, überwältigendes Glücksgefühl.” Ellernlauf gewonnen Gelaufen ist der Rasteder auch 1977 beim ersten und einzigen Ellernlauf, damals organisiert vom VfL. 4:25 Minuten reichten zum Sieg. Die Urkunde und die Medaille aus Ton (Klinker statt Klunker) hat er heute noch. 42. Sportabzeichen Kein Problem ist es für den 65-Jährigen, die Bedingungen für das Sportabzeichen zu erreichen, für das er in diesem Jahr in der 42. Wiederholung läuft, springt, wirft und schwimmt. Wobei er Zeiten und Weiten erreicht, die in der Altersklasse der 40- bis 45- Jährigen gefordert sind, und das selbst bei seinem “Stiefkind” Schwimmen. Denn das hat er erst während seiner Zeit bei der Bundeswehr gelernt, frühmorgens im Flötenteich, “wenn dort noch nichts los und ich immer schön sicher am Rand schwimmen konnte”. Die Familie trägt die sportlichen Ambitionen gerne mit. Schließlich bleibt der Ehemann, Vater und seit zehn Monaten auch stolze Großvater (“Meine Enkeltochter ist mein schönstes Hobby”) auf diese Weise fit, und bei jedem Kilometer-Jubiläum wird die Familie zum Essen eingeladen. ==> Weitere Berichte über Enno Borchers vom: 29. Januar 2005 / 6. Oktober 2006
WOLFSBURGER NACHRICHTEN vom 5. September 2009 Nach 20 Jahren verlässt Weitspringer Christoph Stolz den VfL Wolfsburg Leichtathletik: Sportler und Verein einigen sich nicht auf neuen Kontrakt Von Stefani Franzke Wolfsburg. Der VfL Wolfsburg verliert seinen besten Leichtathleten: Christoph Stolz verlässt den Verein zum Jahresende - nach ganz genau 20 Jahren. "Ich möchte sportlich eine neue Herausforderung suchen, ein neues Umfeld und andere Bedingungen. Leicht fällt mir dieser Schritt nicht. Ich hatte eine schöne Zeit beim VfL", betont Stolz. Mehr wollte der 29-Jährige gestern zu den Hintergründen nicht sagen. Deutlicher allerdings wurde VfL-Geschäftsführer Stephan Ehlers auf Nachfrage: "Es ist schade, weil wir einen unserer letzten Top-Athleten verlieren. Aber das, was sich Christoph Stolz an Unterstützung für das nächste Jahr vor- gestellt hat, können wir nicht leisten." Der Vertrag des Weitspringers mit dem VfL laufe zum 31. Dezember 2009 aus, auf einen neuen Kontrakt hätten sich beide Seiten in Gesprächen und Verhandlungen nicht einigen können. "Wir sind an unsere Schmerz- grenze gegangen. Ich habe Christoph Stolz dann im Gespräch gesagt, er soll für sich den besten Weg finden. In seinem Alter ist es sicher die letzte Chance, bei einem anderen Verein ein besseres Angebot anzunehmen", erklärte Ehlers. In den Verhandlung- en sei es nicht nur um finanzielle Unterstützung gegangen, sondern auch um verbesserte Rahmenbedingungen wie medizinische Betreuung. Nach der zuletzt verpassten Qualifikation für die Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Berlin will der 8-Meter-Springer im nächsten Jahr noch einmal angreifen. Von einem Karriereende ist keine Rede. Für einen neuen Verein habe er sich jedoch noch nicht ent- schieden: "Es gibt mehrere Angebote, ich verhandele gerade mit den Klubs", sagt der Wolfsburger. Neben dem bereits fest- stehenden Vereinswechsel schließt Stolz auch einen Trainerwechsel nicht aus. "Das hängt davon ab, für welchen Verein ich mich am Ende entschließe", lässt der Wirtschaftswissenschaftler seine sportliche Zukunft offen. Seinen Job bei VW in Wolfsburg wolle Stolz jedoch keinesfalls aufgeben. Dort hat er eine Sportförderstelle. Gut möglich also, dass der Weitspringer zumindest Niedersachsen erhalten bleibt. Christoph Stolz wohnt übrigens in Hannover…
NIEDERELBE ZEITUNG vom 10. September 2009 Jan-Ferdinand Lühmann hat den Küstenmarathon fest im Blick Am Sonntag geht der FSJler in Otterndorf über zehn Kilometer an den Start (mh). Nur noch drei Tage sind es, dann heißt es zum zehnten Mal: Start frei für den Küstenmarathon in Otterndorf. Einer der Starter ist der 20-Jährige Jan-Ferdinand Lühmann. Der ehrgeizige Läufer von Rot-Weiss Cuxhaven absolviert nach seinem Abitur das erste Sport-FSJ in ganz Cuxhaven. Innerlich scheint sich Jan-Ferdinand Lühmann bereits warm zu machen für den traditio- nellen Küstenmarathon, der am Sonntag in Otterndorf startet. “Es ist eine sehr schöne und schnelle Strecke. Außerdem holen die Veranstalter immer starke und professionelle Läufer an den Start, da kann man sehr gut Bestzeiten laufen", sagt er mit Vor- freude auf das Rennen. Familie und Freunde feuern an der Strecke an Der 20-Jährige wird für seinen Verein über zehn Kilometer an den Start gehen. Seine persönliche Bestzeit liegt hier um die 35 Minuten, sagt er. Die wird er dieses Mal wohl nicht angreifen können. Erst Anfang Juli ist er wieder ernsthaft ins Training einge- stiegen. “Wegen meinem Abi am AAG konnte ich lange nicht trainieren", sagt er. Doch entgehen lassen wird er sich das Event in der Heimat natürlich trotzdem auf keinen Fall. “Viele Zuschauer werden da sein, man wird permanent motiviert. Außerdem stehen natürlich Familie und Freunde an der Strecke und feuern einen an. So um die 36 oder 37 Minuten will ich trotz allem schon laufen." Davon träumt jeder Hobbyläufer, der nicht, wie der 20-Jährige, fünf Mal pro Woche die Laufschuhe schnürt. Highlight in der Hauptstadt Laufen gehört für Jan-Ferdinand Lühmann schon lange zum Leben. Er war in der sechsten Klasse, als er bei Rot-Weiss Cux- haven der Leichtathletikabteilung beitrat. Der Verein entdeckte sein Talent bei einem Schulwettkampf. “Am Anfang hab ich Laufen nur als Spaß neben der Schule betrieben. Erst in den letzten Jahren hat sich das bei mir zum Leistungssport entwickelt." Sein persönliches Highlight erlebte er vergangenes Jahr in Berlin. Bei den Deutschen Jugendmeisterschaften durfte er, wie sonst die Leichtathletik-Elite, ins Olympiastadion einlaufen. Als FSJIer bei Rot-Weiss tätig Seitdem Jan-Ferdinand Lühmann sein Abi in der Tasche hat, absolviert er ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in der Geschäfts- stelle des Rot-Weiss Cuxhaven. Sein Trainer Hannes Mahler hatte ihm das angeboten. Für ihn wurde diese Stelle eigens aus dem Boden gestampft. Es ist in ganz Cuxhaven die erste FSJ-Möglichkeit im Sport. In der Bleickenschule bringt er nun Sechst- klässlern Leichtathletik bei und versucht, seine Begeisterung an den Nachwuchs weiterzugeben. “Mir macht die Arbeit im Sport und mit den Kindern riesig Spaß", sagt er. Nebenbei macht er seinen C-Übungsleiterschein. Die Profikarriere will er allerdings nicht einschlagen. Ihm schwebt ein Studium der Betriebswirtschaft vor. “Weit weg von Cuxhaven", sagt er grinsend. Mit Ende 20 will er dann auch mal den Marathon anpeilen.
NEUE DEISTER-ZEITUNG vom 11. September 2009 Eine Woche Pause - mehr ist nicht drin Am runden Geburtstag zu Fuß auf die Zugspitze Leichtathletik (jab). Andere Rentner legen die Füße hoch - Klaus Peschke tut genau das Gegenteil. Der Springer ist noch immer im Lauftreff des SC Bad Münder aktiv und geht nach wie vor bei Marathons an den Start. Und auch heute, an seinem 70. Geburtstag, macht es sich Peschke nicht auf dem Sofa gemütlich. Er wandert von Österreich aus zum Gipfel der Zugspitze. “Das war schon lange mein Wunsch”, so der ehemalige Werkzeugmacher. Schon auf dem Weg in die Alpen hat Peschke einen sport- lichen Zwischenstopp eingelegt. Mit seinem Schäferhund Vimo startete er bei den Deutschen Hundesport-Meisterschaften in Feucht bei Nürnberg. In der Klasse der über 61-Jährigen belegte er im Geländelauf über 5000 Meter den zweiten und über 2000 Meter den fünften Platz. Vor 30 Jahren packte Peschke das Lauffieber. “Ich war übergewichtig und hatte Probleme mit dem Rücken”, erinnert er sich. Ein Arbeitskollege brachte ihn zum Jogging - bis heute seine große Leidenschaft. “Ich hoffe, fünf Jahre kann ich noch laufen”, sagt er. Zweieinhalb Jahrzehnte lang trat er für die LLG Springe an, vor fünf Jahren wechselte er zum SC-Lauftreff. “Da bin ich toll aufge- nommen worden”, sagt er, “das Umfeld stimmt.” Etwa 100 Marathons hat Peschke absolviert, allein neunmal auf Helgoland. “Das ist ein Highlight”, sagt er. “Den verbinden wir immer mit einem Urlaub”, berichtet seine Frau Dorothea, die natürlich auch läuft und ihren Mann fast überallhin begleitet. Achtmal etwa zum Swiss-Alpine-Marathon über 78,5 Kilometer und 1000 Höhenmeter. Oder zum 100-Kilometerlauf, zuletzt 2008 in Biel. Oder zu den 24-Stunden-Läufen, die Peschke absolviert hat. “Dass es mit der Laufer- ei so gut geklappt hat, habe ich nur ihr zu verdanken”, sagt er. Die Ultraläufe will Peschke langsam zurückschrauben. Einen Marathon könnte er aber noch jederzeit aus dem Ärmel schütteln - tut er aber nicht. Um ohne gezielte Vorbereitung die 42 Kilometer in Anspruch zu nehmen, ist er noch zu ehrgeizig: “Ich will schließlich eine gute Zeit laufen. Seine Bestzeit von 2:55:59 Stunden lief er vor 25 Jahren in Berlin - dort tritt er heute nicht mehr an: “Da sind mir zu viele Leute.” Stattdessen überlegt er, im Herbst in Frankfurt zu laufen. Aber selbst nach einem Marathon kann er nicht lange die Füße still halten: “Eine Woche Pause halte ich aus”, sagt Peschke, “dann muss ich wieder was machen.”
BRAUNSCHWEIGER ZEITUNG (Helmstedt) vom 17. September 2009 Das harte Training zahlt sich aus Leichtathletin Katharina Homann wird gleich fünffache Bezirksmeisterin Von Matthias Schultz Lelm. Die Gewinnerin von 2007 greift wieder an. Zwei Jahre nach ihrem Sieg bei der Helmstedter Sportlerwahl will es Katharina Homann wieder wissen. Und die Leichtathletin kann auch in diesem Jahr wieder eine ganze Reihe von Erfolgen aufweisen. Be- sonders in ihrer Paradedisziplin 400 Meter Hürden machte sie einen gewaltigen Sprung nach vorne - und verbesserte ihren eigen- en Kreisrekord um mehr als fünf Sekunden. "Es ist besonders schön zu sehen, dass sich das harte Training auszahlt", sagt die 17-Jährige, die es bis zu den deutschen Jugendmeisterschaften über 100 Meter Hürden geschafft hat. Darüber hinaus gilt sie als besonders vielseitig. So gewann sie den Bezirkstitel in gleich fünf verschiedenen Disziplinen. Ein be- achtliches Resultat, das ihr ganz nebenbei die Einladung in den Landeskader sicherte. "Ich freue mich über jeden Sieg riesig, es ist immer wieder eine Bestätigung für mich", sagt die erfolgsverwöhnte Athletin des TSV Lelm. Bei ihrer Bilanz wenig verwunder- lich, dass sie die deutsche Meisterschaft im Erwachsenenbereich anstrebt. "Da mal unter die ersten acht Plätze zu kommen, das ist ein großer Traum von mir. Allerdings muss das auch mit der Schule oder dem Studium vereinbar sein", unterstreicht die Gymnasiastin. Die Leichtathletik werde demnach auch weiterhin nur ein Hobby bleiben - auch wenn sie für Katharina Homann kaum wegzu- denken wäre, wie bis zu sechs Einheiten pro Woche verdeutlichen. Überhaupt scheinen Homann und die Sportart wie füreinander geschaffen: "Als ich fünf Jahre alt war, hatte meine Mutter immer richtige Probleme, mich ins Auto zu bekommen. Ich wollte immer weitertrainieren", sagt sie. Als sie sich später noch einem Handballverein anschloss und es zu Überschneidungen der Wettkämpfe kam, war klar, welche Sportart dran glauben musste. "Die Entscheidung für die Leichtathletik ist mir überhaupt nicht schwer gefallen. Es macht mir einfach viel mehr Spaß", betont die Siegerin von 2007.
WESER KURIER (Stadtteil-Kurier) vom 17. September 2009 Ein Bremer am Regiepult Herwig Renkwitz Organisationschef bei Leichtathletik-WM in Berlin Von Stefan Freye Bremen. Millionen Menschen blickten auf Berlin und waren begeistert von den Leistungen der Athleten: Die Leichtathletik-Welt- meisterschaft zog Zuschauer und Besucher in ihren Bann. Doch bevor die Topstars zu großer Form auflaufen konnten, musste die Organisation stehen - und hier half ein Bremer ganz wesentlich mit. Herwig Renkwitz ist nicht nur Vizepräsident des Bremer Leichtathletikverbandes, er ist auch im Bundesausschuss "Wettkampforganisation" des DLV. In dieser Funktion war er gefragt bei der WM, und wie. Noch bevor der erste Startschuss fiel, war Renkwitz allein acht, neun Mal in der Hauptstadt. Dabei ging es vor allem um die so genannten Regie-Bücher der Veranstaltung. Die führte Herwig Renkwitz vor zehn Jahren ein, als der BLV be- gann, seine Meisterschaften gemeinsam mit dem niedersächsischen Verband auszurichten. Was Regie-Bücher betrifft, ist der 38-Jährige ein alter Hase. Minutiös wird dort festgelegt, was zu welcher Zeit passiert im Stadion. "Sie sind in 30 Sekunden getaktet", erklärt der Bremer. Wann wird was auf den Videoleinwänden gezeigt? Zu welcher Zeit laufen die Athleten ein? Und wann fällt der Startschuss? Fragen über Fragen, die in den Regie-Büchern beantwortet werden. Aber die Erstellung eines detaillierten Veranstaltungsablaufes ist nur eine Sache. Eine andere, zu überwachen, dass dieser Plan auch eingehalten wird. Zu diesem Zweck hatte Herwig Renk- witz einen der besten Plätze bei der Weltmeisterschaft. Er saß als Assistent des Veranstaltungsmanagers auf der Haupttribüne, gemeinsam mit einem Koordinator des Fernsehens und dem Event-Manager, der zuständig war für die Videowände und die Moderatoren. Wenn mal etwas nicht der Veranstaltungsregie entsprach, mussten die drei sich abstimmten. Die letzte Ent- scheidung traf dann Herwig Renkwitz. So wie bei der Ehrenrunde der siegreichen Siebenkämpferinnen. Das Fernsehen wollte keine Feier, weil gleich darauf mit dem 100 Meter-Finale der Männer das Highlight schlechthin anstand. Aber Renkwitz ließ die Athletinnen zumindest eine halbe Runde drehen und die Ehrenrunde erst dann abbrechen. Ein Kompromiss, der ihm die Pfiffe der 50 000 im Stadion einbrachte. "Es war aber relativ schnell wieder ruhig", meint er schmunzelnd. Herwig Renkwitz geht auf in dieser Aufgabe, und weil er gar nicht kann ohne die Organisation von sportlichen Wettkämpfen, steht schon der nächste vor der Tür. Am Wochenende 3. und 4. Oktober fungiert er als sportlicher Leiter des swb-Marathons in Bremen. Da sitzt Renkwitz auf dem Motorrad und überwacht den Ablauf der einzelnen Läufe. Eine intensive Zeit der Planung wird er auch in diesem Fall bereits hinter sich haben.
BRAUNSCHWEIGER ZEITUNG (Helmstedt) vom 23. September 2009 Der "Jugendtraum" Helmstedter Marathonass ist norddeutsche Meisterin Von Steffen Erkenbrecher Helmstedt. Norddeutsche Meisterin ist sie längst - Landesmeisterin sowieso. Die Rede ist von Marathonläuferin Nicol Kläres, die nach einer schweren Verletzung ein letztes großes Ziel vor Augen hat: "Die magische Grenze von 3:30 Stunden" soll endlich fallen. Lange Zeit war der Marathon nur "ein Jugendtraum" von Kläres, die 1973 zur Welt kam. Das änderte sich erst 2006, als sie durch Kollegen beim SV Germania Helmstedt landete. "Zwar hatte ich schon als Jugendliche Leichtathletik gemacht. Der Traum vom Marathon war jedoch dann durch andere Verpflichtungen in den Hintergrund gerückt", berichtet sie. Das erste Ziel erreichte die Germanin schnell: Binnen kürzester Zeit war die Vier-Stunden-Marke geknackt. An dem nächsten Ziel, "der magischen Grenze", arbeitet die Leichtathletin hingegen noch immer. Am dichtesten dran war sie im September 2008 in Bremen, als sie die 42 km in persönlicher Bestzeit von 3:38 Stunden bewältigte. Im gleichen Monat feierte die Germanin zudem ihren größten Erfolg: In Halle sicherte sich Kläres den Titel der norddeutschen Meisterin im Halbmarathon (21,0975 Kilometer). "Darüber habe ich mich natürlich sehr gefreut - das ist ja schließlich schon was", erklärt Kläres, die im Mai diesen Jahres erneut ganz oben auf dem Treppchen stand. Beim Marathon in Hannover lief die Helm- stedter Leichtathletin allen davon und darf sich somit auch Landesmeisterin (3:42) nennen. Für die Wenddorferin war es jedoch vorerst einer der letzten Wettkämpfe. Eine Herzmuskelentzündung zwang sie zu einer viermonatigen Pause, die erst langsam ihr Ende findet. "Normalerweise laufe ich um die 30 Kilometer. Jetzt habe ich mit drei Kilometern angefangen und hatte Muskel- kater", erklärt die Marathonläuferin, die trotzdem an ihrem Ziel festhält: "Ich möchte gerne mehr und effektiver trainieren, um die 3:30 zu packen. Zudem ist es für mich natürlich auch eine Ehre, für die Sportlerwahl nominiert zu sein!"
DELMENHORSTER KREISBLATT vom 1. Oktober 2009 Leistungskurve zeigt beständig nach oben Die Bookholzbergerin Celina Gartzke widmet sich seit fünf Jahren erfolgreich der Leichtathletik Von Klaus Erdmann Bookholzberg. Philipp Mehrtens, Direktor des renommierten Meetings “Run For Help” und zweiter Vorsitzender der Leichtath- leten von Werder Bremen, hat am 13. Mai seinen Ohren nicht getraut. “Sagst du mir noch mal die Zeit, bitte”, bat er seinen Mit- arbeiter Andriy Wornat. Antwort: “3,89 Sekunden”. Mehrtens schüttelte den Kopf und lächelte. “Schuld” an der Nachfrage des Bremers hatte Celina Gartzke, die zuvor einen fulminanten 30m-Sprint absolviert und sich mit ihrer Zeit locker an die Spitze der Qualifikationswettbewerbe gesetzt hatte. Beim eigentlichen Meeting startete die Elfjährige über die 50 Meter lange Distanz und behauptete sich mit 7,41 Sekunden - natürlich mit deutlichem Vorsprung. Wenn es um die Sprintstrecken geht, bezeichnet Egon Budde, Leichtathletik-Abteilungsleiter des Bookholzberger Turnerbundes (BTB), seinen Schützling als “enormes Lauftalent”. Der Experte muss es wissen, denn er kennt das Mädchen seit 2004, als es sich als Sechsjährige dem Verein anschloss. Seinerzeit gehörten ausschließlich männliche Jugendliche der Trainingsgruppe an und die “Neue” war zwei Monate lang das einzige Mädchen. Doch nach und nach kamen gleichaltrige junge Damen dazu und zeitweise zählten die Verantwortlichen bis zu 15 Sportlerinnen. “Celina beteiligte sich mit sehr viel Freude und Eifer am Training”, erinnert sich Budde. Er attestiert seinem Schützling ein beachtliches Auffassungsvermögen: “Alle stilistischen Kleinigkeiten, die im Training vorgestellt und geübt werden, setzt sie am schnellsten um und hat somit Vorteile.” Beim Laufen, Springen und Werfen gehe ihre Leistungskurve bereits seit zirka zwei Jahren stetig nach oben. Celina Gartzke blickt mit wenigen Worten auf ihre Leichtathletik-Anfänge zurück: “Ich hab’s mal ausprobiert und es hat mir Spaß gemacht.” Budde verweist auf ihre hervorragenden Ergebnisse. Beim Weitsprung habe sie immer wieder Sprünge über die Vier-Meter-Marke geschafft, betont er und erinnert sich an einen Wettkampf, der am 15. August in Bremen-Blumenthal über die Bühne gegangen ist. 4,26 Meter und Rang zwei standen bei ihr zu Buche, während die führende Konkurrentin 4,35 Meter vorgelegt hatte. Dem sechsten Sprung der Bookholzbergerin gingen ein kraftvoller und schneller Anlauf sowie ein optimaler Absprung voraus. Die Weite: 4,49 Meter. In der Klasse W 11 bedeutete dieses Ergebnis Kreisrekord. Für die alte Bestmarke hatte die Huderin Petra Neumann am 6. Oktober 1979 (!) gesorgt. Budde: “Das war auch für mich ein sehr schöner Tag”. Mit ihren 7,41 Sekunden über die 50 Meter belegt die C-Schülerin im Kreis ebenfalls Rang eins. Budde startet mit der jungen Aktiven bei Sportfesten in der Region, wählt aber auch Wettkämpfe in der weiteren Umgebung aus. Er freut sich darüber, dass die Eltern ihre Tochter Celina - und deren neunjährige Schwester Sophie, die ebenfalls zu den Leicht- athleten des BTB gehört - unterstützen und “voll und ganz hinter diesem Sport stehen”. Handelt es sich bei den Eltern auch um Leichtathleten? “Nein”, antwortet Vater Henry Gartzke. Gleichwohl seien seine Frau Alexandra, die in Oldenburg Fußball gespielt habe, und er, der in der ehemaligen DDR ein Kanute gewesen sei, sportlich tätig gewesen. “Celina ist durch Kinder aus der Nach- barschaft zur Leichtathletik gekommen”, erinnert er sich. Sie sei stets mit Ehrgeiz und Spaß bei der Sache gewesen und man habe sie natürlich immer unterstützt. Wenn es die Zeit erlaubt, greit Celina Gartzke zu einem Buch oder trifft sich mit Freundinnen. Sie besucht die sechste Klasse des Gymnasiums Ganderkesee und ihre Lieblingsfächer sind Deutsch, Biologie und - natürlich - Sport. Wenn es um Laufen, Springen und Werfen geht, bevorzugt sie den 50-m-Sprint. Schließlich gilt sie, von der man sicherlich noch einiges hören wird, als “Lauftalent”.
REGIONALE RUNDSCHAU / SYKER KURIER vom 15. Oktober 2009 Der Bundeskader lockt Nach Neele Eckhardt ist jetzt auch Tabea Brüning berufen worden Von Jens Hoffmann Asendorf. Die Antwort folgt der Frage prompt, spontan, ohne großartig nachdenken zu müssen. "Ja, kann sie", bestätigt Ute Schröder. Die Leichtathletik-Trainerin des TSV Asendorf ist davon überzeugt, dass ihr 15 Jahre junger Schützling Tabea Brüning eine ähnliche Entwicklung nehmen kann wie Neele Eckhardt, die mittlerweile zu den jugendlichen Top-Athletinnen im Weit- und Dreisprung in Deutschland zählt. Einen vielleicht schon entscheidenden Schritt in diese Richtung hat Tabea Brüning jetzt ge- macht: Sie ist in den D/C-Bundeskader berufen worden. Eine offizielle und tolle Bestätigung ihrer bisherigen Leistungen! Für Heimtrainerin Ute Schröder kommt die nationale Wertschätzung nicht von ungefähr, sie weiß: "Tabea ist sehr ehrgeizig und na- türlich sehr talentiert." Treffen beide Komponenten aufeinander, steht einer sportlichen Laufbahn auf hohem Niveau im Prinzip nichts im Wege. Neele Eckhardt hat es vorgemacht, auch wenn sie von ihrem Naturell her ein etwas anderer Typ ist als Tabea Brüning. "Tabea ist etwas offener, Neele dagegen sehr überlegt", sagt Ute Schröder. Was beide eint: Sie wollen das Maximum. Einen Meilenstein in diese Richtung setzte Tabea Brüning zuletzt bei den Norddeutschen Meisterschaften in Lübeck im Drei- sprung. Mit 11,79 Meter lag sie knapp über der Bundeskadernorm von 11,70 Meter für ihren Altersbereich. "Trotzdem haben wir nicht mit einer Einladung gerechnet", sagt Ute Schröder ehrlich. Bis kürzlich das entsprechende Schreiben ins Haus flatterte. Jetzt ist es amtlich: Am kommenden Wochenende wird Tabea Brüning gemeinsam mit Neele Eckhardt zum ersten Bundeskadertraining der Saison 2009/2010 ins westfälische Warendorf reisen. Dort werden die beiden von Nationaltrainerin Elke Bartschat erwartet. Auf dem Programm stehen drei Tage lang verschie- dene medizinische und physiotherapeutische Maßnahmen, disziplinspezifische Einheiten nebst Videoanalysen. Ute Schröder wird mit vor Ort sein und ihren beiden Schützlingen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Ob sie nicht ein wenig traurig ist, dass ihr nach Neele Eckhardt jetzt ein zweites großes Talent ein Stück weit weggerissen wird? "Gar nicht", versichert die Trainerin, "ich sehe das nur positiv. Ich möchte schließlich für meine Athleten, dass sie das Beste aus ihrem Talent machen." Tabea Brüning ist auf dem besten Wege dorthin.
BUXTEHUDER TAGEBLATT vom 16. Oktober 2009 Allein mit Nessie in Schottland Annelore Giese startet mit 72 Jahren beim Marathon Buxtehude. Das sagenumwobene Ungeheuer Nessie hat Annelore Giese im schottischen Inverness nicht gesehen, aber das Ziel - und das war der 72 Jahre alten Läuferin beim Loch Ness Marathon auch viel wichtiger. Mit der Zeit von 4:51:32 Stunden be- legte sie gegen die durchweg jüngere Konkurrenz Platz 14 in der Altersklasse über 55 Jahre. "Als ich jung war, habe ich Sport gehasst", sagt Annelore Giese. Die zierliche Frau mit 1,55 Meter Körpergröße und 50 Kilo- gramm Gewicht sitzt aufrecht im Sessel in ihrem Wohnzimmer in Buxtehude. Die Hände hat sie im Schoß gefaltet, ein zufrieden- er Ausdruck hinterlässt kleine Lachfalten in ihrem Gesicht. In Griffweite, auf dem Tisch liegen zwei volle Ordner mit Startnummern und Urkunden. Sammelstücke aus sechs Jahren Läuferleben, denn länger hat sich die Starterin des Post SV Buxtehude noch nicht dem Sport verschrieben. Seitdem hat sie unter anderem acht Marathonläufe absolviert. "Als mein Mann starb, habe ich einen neuen Weg gesucht", sagt Annelore Giese und ganz kurz weicht das Lachen aus ihren graublauen Augen. Ein halbes Jahr war die ehemalige Fremdsprachen-Sekretärin damals im Ruhestand. Es gab viele gemein- same Pläne für das Alter, doch die schwere Krankheit ihres Mannes machte Annelore Giese von da an zur Einzelkämpferin. Und die Rentnerin nahm den Kampf an. "Man kann so viel beim Laufen verarbeiten, was einem da alles im Kopf rumgeht", sagt die Mutter von zwei Söhnen, die beide ebenfalls Ausdauersport betreiben, der eine auf dem Rennrad, der andere mit Laufschuhen. Annelore Giese hat sich das Laufen über Strecken wie 42,195 Kilometer selbst beigebracht und sie trainiert bis heute allein. "Da kann ich mein eigenes Tempo gehen", sagt sie. Von anderen zu besseren Zeiten angespornt werden will sie nicht - übrigens auch nicht von ihrer eigenen Uhr. "Da schaue ich während des Marathons nie drauf", sagt sie. Das Wichtigste ist für sie das Erreichen des Ziels, und das hat sie bisher immer geschafft. Dreimal in Hamburg, einmal in Berlin, je einmal im finnischen Helsinki und im schwedischen Stockholm, einmal im dänischen Odense und nun auch entlang des Sees Loch Ness, vom Start in Whitebridge bis nach Inverness. "Das ist ein tolles Gefühl, wenn man es wirklich geschafft hat und rund herum stehen die ganzen jungen Leute", sagt die Buxtehuderin. "Ich war übrigens die einzige norddeutsche Starterin", sagt die 72-Jährige, die über einen Augsburger Reiseveranstalter das Angebot speziell für Läufer gebucht hatte. Angst vor der Fremde hatte sie bisher bei keinem ihrer Auslandsläufe. Vielleicht liegt das an ihrem Lebenslauf. Als Flüchtlings- kind einst von Schlesien nach Schweden umgezogen, machte sie nach zehn Jahren ihr Abitur im skandinavischen Nachbarland. Der schwedischen Sprache ist sie bis heute treu geblieben. Annelore Giese gibt an der Volkshochschule Schwedisch-Kurse. "Det är roligt att springa" heißt übrigens übersetzt: Laufen macht Spaß.
ALLGEMEINE ZEITUNG UELZEN vom 20. Oktober 2009 Und 2016 vielleicht bei Olympia in Rio Die Uelzener Leichtathletin Muriel Pfläging trainiert am Sportgymnasium Magdeburg Von Barbara Kaiser Uelzen/Magdeburg. Mit sechs Jahren lief sie ihren ersten Stadtlauf mit. Jetzt ist sie 13 und sagt bescheiden wie selbstbewusst: "Wenn ich nicht mal Olympiasiegerin werden wollte, hätte ich das alles nicht gemacht." Das hochgesteckte Ziel ist hier eher ein Symbol für den Traum einer jeden Sportlerkarriere; aber Muriel Pfläging weiß sehr wohl, was sie will. Geboren 1996 in Gifhorn, besucht sie, nachdem die Familie nach Uelzen umgezogen war, die erste Klasse der Grundschule Westerweyhe, später die Sternschule. Danach lernt sie am Lessing-Gymnasium. Sie wird Mitglied des SC Kirch.-/Westerweyhe, ist dessen "Sportlerin des Jahres 2009". Eigentlich aber wollte das sympathische Mädchen immer mehr. Mehr trainieren, auf eine Sportschule gehen. In Hannover jedoch nehmen sie Schüler erst mit 14 Jahren auf. Mit Hochachtung sprechen Muriel und ihre Mutter von der Trainerin im hiesigen Sportclub, Birgit Meißner, die gefördert hat wo es ging und nie sagte, es sei genug oder gar zu viel... Da hilft der Zufall. Nein, nicht der Zufall, sondern die gezielte Suche nach sportlichen Talenten, wie sie im Osten des Landes offensichtlich aus einem untergegangenen Staat herüber gerettet wurde. Klaus Lindner, Trainer am Sportgymnasium Magdeburg, spricht Muriel im Sommer 2008 nach einem Lauf in Uelzen an. Wie sehr da Angebot und "Nachfrage" aufeinander treffen, konnte der Mann nicht wissen. Jedenfalls bekommt Muriel Pfläging die Chance, nach Probetrainingslager, Probewohnen im Internat und Schulbesuch auf Probe im laufenden Schuljahr 2008/09 in die Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt zu wechseln. Seit Januar 2009 gibt es Familienleben nur an Wochenenden. "Das war schon schwer", spricht Mutter Dorothee für die Eltern, "aber wir wussten ja, wie sie ist." Das klingt nach Verständnis, auch wenn man nicht leichten Herzens ausgerechnet die Kleine der Fa- milie, zu der noch zwei 18- und 16-jährige Gymnasiasten gehören, ziehen lässt. Muriel sieht es, nach dem Heimweh befragt, eher pragmatisch: "Ich habe dort meine Leistungen schon in kurzer Zeit gesteigert, da war das Heimweh schnell weg." Außerdem habe sie Freunde gefunden; ihre "beste Freundin" kommt aus Magdeburg und ist sportlich ihre Konkurrentin. Ja, das halte die Freundschaft aus, ist sie sich sicher. Muriel war Ende September beim Bundesfinale "Jugend trainiert für Olympia" in Berlin dabei. Die Mannschaft ihrer Wettkampf- klasse (Jahrgänge 1994/97) belegte hinter dem Sportgymnasium Jena einen beachtlichen zweiten Platz. Die Stimmung im Mommsen-Stadion sei wunderbar gewesen, sagt das Mädchen. Das Anfeuern auch der Konkurrenten sprach die Sprache von Kameradschaft. Muriel springt zurzeit 5,10 Meter weit, die Latte im Hochsprung bleibt bei 1,51 Meter liegen. Die 800 Meter seien ihre Lieblingsdisziplin und der Sprint ist auch nicht so schlecht mit 10,7 auf 75 Meter. Als Läuferin kam die Sportlerin nach Magdeburg, jetzt trainiert sie Mehrkampf. Als Siebenkämpferin würde sie später gern starten, aber die Zeit für eine Spezialisie- rung ist noch ausreichend. Und wenn die zielstrebige 13-Jährige, die zudem Klassenbeste ist und wenn Zeit bleibt, gern Fantasie- bücher liest oder sich ans Klavier setzt, in Rio wirklich ein Treppchen erklimmen kann, dann denkt sie vielleicht an all diejenigen, die ihr Starthilfe gaben.
BRAUNSCHWEIGER ZEITUNG vom 21. Oktober 2009 Der letzte große Wettkampf Luminita Zaituc verabschiedet sich Sonntag in Frankfurt von der Marathonstrecke Von Ute Berndt Braunschweig. Die Pressemitteilung aus Frankfurt kam ihr höchst ungelegen. Luminita Zaituc werde mit dem Frankfurt-Mara- thon am Sonntag ihre Karriere beenden, hieß es dort. Auch wenn sich die Gedanken an ein Ende der Leistungssport-Laufbahn bei einer 41-Jährigen geradezu aufdrängen, tut sich die Läuferin der LG Braunschweig schwer mit dem endgültigen Abschied. "Es ist so rausgekommen", sagt sie vage und ohne Bestätigung zu der Meldung, mit deren Hilfe der Veranstalter ihr die gebotene Auf- merksamkeit zuteil werden lassen wollte - und damit natürlich auch seiner Veranstaltung. Was Zaituc einräumt: Der Frankfurt-Marathon, für den sie als deutsche Spitzenläuferin verpflichtet wurde, soll ihr letzter großer Wettkampf sein. "Es ist schwer, die Leistung, die man schon so viele Jahre lang bringt, immer weiter abzurufen", hat sie erkannt. Aber aufhören? Nein, das will sie nicht ankündigen und argumentiert mit dem nächsten Wettkampf, der auf jeden Fall noch an- steht. Beim "Worldtrail Masters" in Dortmund Anfang November wird sie mal den Untergrund wechseln. An drei Tagen in Folge bewältigen renommierte Spitzenathleten ein 5-Kilometer-Rennen, ein 33-km-Rennen und ein 19-km-Rennen im Gelände. "Danach mache ich drei Wochen Pause, und dann werde ich sehen, zu welchen Leistungen ich nächstes Jahr noch Lust habe", redet die viertschnellste deutsche Marathonläuferin aller Zeiten eher einem allmählichen Ausklingenlassen der Karriere das Wort. Feste Pläne für die Zukunft gebe es noch nicht, sagt Zaituc und spürt auch keine Not, etwas übers Knie zu brechen. Seit einem Jahr ist sie zwar aus Altersgründen nicht mehr Sportsoldatin, doch kann sie fünf Jahre lang durch Bundeswehr-Lehrgänge noch Geld verdienen. "Ich denke erstmal nur bis zu den Wettkämpfen", betont sie. Für Frankfurt hat sich die gebürtige Rumänin viel vorgenommen. Nach der verpatzten Heim-Weltmeisterschaft, wo sie nach 20 Kilometern ausgestiegen war, weil sie nach der Ver- wechslung einer Trinkflasche mental wie körperlich aus dem Gleichgewicht geraten war, hatte sie voll weitertrainiert. Um den Ärger und Frust wegzulaufen, aber auch, um im Herbst nochmal zuschlagen zu können. "Hätte ich eine Pause gemacht, hätte ich keinen Marathon mehr laufen können." Zwei 10-km-Rennen hat sie in der Zwischenzeit bestritten und fühlt sich richtig fit. "Vielleicht noch ein bisschen fitter als im August in Berlin." Die internationale Konkurrenz wird stark sein in Frankfurt. Und an eine neue Bestzeit glaubt Zaituc im Karriereherbst auch nicht. Mit vorne landen will sie aber schon. Vor allem sehnt sie sich nach den Jahren der Krankheiten und Pannen beim letzten großen Auftritt nach der allumfassenden Zufriedenheit: "Ich möchte mit dem Gefühl ins Ziel kommen, diesmal alles richtig gemacht zu haben." Gelingt das, dürfte der großen alten Dame dann auch das Loslassen leichter fallen.
REGIONALE RUNDSCHAU / SYKER Kurier vom 22. Oktober 2009 Der ganz persönliche Marathon des Marathon-Mannes Oliver Sebrantke vom LC Hansa Stuhr bewältigt innerhalb von vier Wochen dreimal die klassische Distanz und bleibt jeweils unter 2:40 Stunden Von Jens Hoffmann Frankfurt·Varrel. Die Mittagspause hat er an diesem Tag mal wieder ganz in seinem Sinne genutzt, so wie er es für gewöhnlich immer macht. Es muss schon einiges passieren, damit Oliver Sebrantke seinen Arbeitsplatz in der Bankenmetropole Frankfurt nicht für zwei Stunden gegen einen zügigen Lauf am Main entlang eintauscht. Der gebürtige Bremer, der seit nunmehr zehn Jahren unter der Woche in Hessen lebt und arbeitet, ist ein Läufer aus Leidenschaft und Überzeugung. Kein verbissener, aber da- für ein umso ambitionierterer. Der 33-Jährige ist ein klassischer Autodidakt. Bestehende Trainingslehren überprüft er gerne mal auf ihre Allgemeingültigkeit - nicht der Sache wegen, sondern weil es sich einfach so ergibt. Beispiel gefällig? Gerne! Zuletzt ab- solvierte Oliver Sebrantke, der Wochenende für Wochenende zu Freundin und gemeinsamer Wohnung nach Varrel zurückkehrt, drei Marathons in vier Wochen. Davon würde wohl ein Gros der Experten ernsthaft abraten, Sebrantke tat es trotzdem. Und das höchst erfolgreich. Er kennt eben sich und seinen Körper genau. Dreimal unterbot er sein selbst gestecktes Zeitlimit, dreimal blieb er unter der 2:40-Stunden-Marke. Berlin, Bremen und Mallorca erlebten einen unverkrampften, zufriedenen, aufgeräumten Oliver Sebrantke. "Ich laufe eben einfach gerne", sagt der IT-Fachmann lapidar. Deshalb läuft er besonders oft und besonders ausdauernd. Auch das ist irgendwie nachvollziehbar. Es hat Spaß gemacht Und wie hat sich der Marathon-Mann unter den Marathon-Läufern nach seinem Dreierpack gefühlt? "Gut", versichert er, "es hat Spaß gemacht". Besonders Bremen wird ihm wohl ewig in Erinnerung bleiben. In der Geburtsstadt mit persönlicher Bestzeit als Gesamtsieger die Ziellinie zu passieren, war ein Gefühl, das Oliver Sebrantke mit jeder Faser aufgesogen hat. Er strahlte, er winkte in Kameras, er war zu Scherzen aufgelegt, von Schmerzen keine Spur. "Ein Highlight", sagt er selbst. Und von Mallorca weiß er eine andere nette Episode zu berichten. Oliver Sebrantke wurde dort als bester deutscher Teilnehmer geehrt, was ihm im Ziel jedoch erst mit Verzögerung deutlich wurde. Während des Laufes habe er sich nämlich angeregt mit einem anderen deutsch- sprachigen Kollegen unterhalten. Ausgerechnet dieser habe ihm dann auf den letzten Kilometern noch rund zwei Minuten abge- nommen und vor ihm gefinisht. "Dann erfuhr ich aber, dass dieser Läufer kein Deutscher, sondern Österreicher ist", schmunzelt Sebrantke. Der Titel des besten Deutschen war ihm somit sicher. Mallorca sollte eigentlich nicht das letzte Kapitel der Aktivitäten des Oliver Sebrantke gewesen sein. Eigentlich wollte er dieses Wochenende in seiner zweiten Heimat Frankfurt starten. Marathon Nummer vier in kürzester Zeit wäre das gewesen. Wie gesagt: wäre. Denn dazu kommt es nicht. Allerdings nicht aus sportlichen Gründen, wie Sebrantke versichert. "Die Ursachen sind andere." Er selber wäre bereit gewesen. Aber: Ein Wochenende ganz ohne sportliche Herausforderung wäre auch nicht im Sinne des 33-Jährigen. Also macht er aus der Not eine Tugend und startet beim Geestlauf in Stuhr. Diesmal nicht über die gewohnten 42,195 Kilometer, sondern über exakt die Hälfte. Ein Halbmarathon steht auf dem Programm. Klingt nach einem Kinderspiel für jemanden, der sich gerne auch auf der Ultra-Distanz ausprobieren möchte. Doch: Ganz so einfach ist es nicht. Im Gegenteil. "Ich bin ein Marathonläufer", unterstreicht Sebrantke, "die halbe Distanz fällt mir deutlich schwerer". Die Einteilung des Rennens sei eine komplett andere, zudem sei der Streckenbelag für ihn ungewohnt. Waldboden statt Asphalt, dezente Steigungen statt eines rein flachen Verlaufs. "Also, Favorit bin ich jedenfalls nicht", schätzt Oliver Sebrantke, der sich nichtsdestotrotz freut, bei der Ver- anstaltung seines LC Hansa Stuhr aktiv dabei zu sein. Dass er überhaupt einmal einem Verein beitreten würde, war vor einigen Monaten noch gar nicht abzusehen. Dann jedoch wuchs in Oliver Sebrantke der Wunsch, auch mal an Meisterschaften teilzunehmen. Und das wiederum funktioniert nur mit einem gültigen Startpass, den man wiederum nur als Mitglied eines Vereins erhält. Oliver Sebrantke ist demnach für die Zukunft ge- wappnet. Er kann seine sportliche Jahresplanung noch ausgewogener gestalten. Ultra-Strecke im Visier Und was nimmt sich ein Mann, der im langsam zu Ende gehenden Jahr so ziemlich alles erreicht hat, was man als Hobbyläufer erreichen kann, für die Zukunft vor? Wie bereits angedeutet, spekuliert Oliver Sebrantke mit einem Ultra-Marathon. "50, 60 oder 70 Kilometer", hat er sich vorgenommen. Je nachdem. Eine erste, fest geplante Teilnahme musste er unlängst auf Grund eines Rippenbruchs absagen. Aber aufgeschoben ist in diesem Fall tatsächlich nicht aufgehoben. Der Ultra-Sebrantke wird kommen, ganz sicher. Und dann hofft der Varreler noch auf einen klassischen Marathon unter perfekten Bedingungen, die er bei seinen jüngsten drei Starts nie hatte. "In Berlin war es zu warm, in Bremen zu windig und auf Mallorca zu regnerisch und zu glatt." Seien die Voraus- setzungen besser, sei eine Zeit von 2:37 Stunden möglich, glaubt Sebrantke. "Vielleicht sogar 2:36 Stunden." Er sieht sich noch nicht am Ende seiner Möglichkeiten. Und dann gibt es ihn ja auch noch: den einen, den ultimativen Traum. Den von Übersee. Oliver Sebrantke würde nur zu gerne einmal in New York oder in Boston laufen. Einmal die spezielle Atmosphäre der beiden weltweit wohl bekanntesten Marathon-Veranstaltungen aufsaugen. "Dazu bräuchte ich aber doch die Unterstützung von Sponsor- en", stellt Sebrantke sogleich fest. Wer ihn unterstützen möchte, ist deshalb jederzeit willkommen.
HARBURGER ANZEIGEN UND NACHRICHTEN vom 28. Oktober 2009 Der Marathon-Mann Detlef Peters sportliche Leidenschaft ist die klassische Distanz von 42,195 Kilometern / Inzwischen hat er diese zum 101. Mal absolviert Von Joachim Peters Harburg. Fast Viereinhalbtausend Marathon-Kilometer in 23 Jahren: Detlef Peters hat jüngst zum 100. Mal die sogenannte klassische Distanz von 42,195 Kilometern bewältigt. In Berlin - dort, wo vor knapp einem Vierteljahrhundert die Marathon-Leiden- schaft des in Eckel lebenden 47-Jährigen begonnen hatte. "Laufen ist mein Lebenselixier", sagt der überzeugte Single, für den die aus den 1970er-Jahren stammende Volkswagenwerbung für den "Käfer" wie gemacht erscheint: Er läuft und läuft und läuft ... am liebsten Marathons. An das erste Mal kann sich Peters noch ganz genau erinnern: "Das war am 28. September 1986." Drei Jahre vor der Wende: Der Berlin-Marathon führte seinerzeit noch nur durch den Westteil der deutschen Hauptstadt. Während er heute quasi alle Berliner Stadtteile verbindet. "Ich stand damals mit knapp 15 000 anderen Läufern vor dem noch nicht sanierten Reichstagsgebäude, wartete ungeduldig auf den Startschuss und bekam eine Gänsehaut", sagt Peters mit Blick auf seine Mara- thon-Premiere. Nach exakt 2:49:47 Stunden lief der damals 24-Jährige als 941. der Gesamtwertung und 350. seiner Alterklasse der 16. Berlin-Marathon-Auflage durchs Ziel. Und geboren war der Marathoni Detlef Peters. Es folgten vier weitere Berlin-Teil- nahmen und dann große und kleine - namhafte und weniger namhafte, aber alle wichtigen wie New York, Boston, London, Paris, Rom, Rotterdam und Athen - Marathons auf allen fünf Kontinenten. Peters war dann "ziemlich schnell klar, dass ich meinen 100. Marathon, wenn ich ihn dann laufen sollte, in Berlin bestreiten würde". Eigentlich war der Jubiläumslauf bereits für 2006 geplant, also genau 20 Jahre nach seinem ersten Marathonstart: Eine hartnäckige Fußverletzung verhinderte dies jedoch. Vor rund vier Wochen war es dann aber endlich soweit. Und der Dauerläufer, der in 27 Jahren zusammen rund 100 000 Kilometer über die verschiedensten Distanzen zurückgelegt hat, verspürte, als er auf der Straße des 17. Juni diesmal mit rund 40 000 Marathonis auf den Startschuss wartete, ein Kribbeln wie beim ersten Mal. Oder wie es Peters sagt: "Ich bekam sofort wieder dieses Gänsehautgefühl." Dass Berlin unter Marathonis zu Recht als "schnelles Pflaster" gilt, hat der für den TSV Eintracht Hittfeld startende Läufer zweimal bewiesen: 1993 und 1996 durchbrach er mit Zeiten von 2:29 Stunden jeweils die Marathon-Schallmauer von zweieinhalb Stunden. Lediglich 1991 in Frankfurt am Main war er mit 2:28 Stunden noch schneller. Bei seinem Jubiläumslauf 2009 in Berlin ließ es Peters, der übrigens amtierender 3000-m-Landes- meister und Norddeutscher 1500-m-Meister der Altersklasse M45 ist, ruhiger angehen. Nach 3:03 Stunden erreichte er das Ziel am Brandenburger Tor. Als "meine Sternstunde" bewertet Peters jedoch den Marathon 1994 in Timmendorfer Strand: Im Alleingang überquerte er als Deutscher Sparkassenmeister nach 2:29 Stunden die Ziellinie. Doch auch an einige andere Marathonläufe erinnert sich Peters immer wieder gern: "Der Big-Sur-Marathon in Kalifornien auf dem berühmten Highway No. 1 gehört wohl zu den beeindruckend- sten Landschaftsläufen. Beim Honolulu-Marathon wurden wir morgens um 5 Uhr mit einem Feuerwerk auf die Strecke geschickt. Und beim Lake-Kawaguchi-Marathon in Japan hatten wir immer den Fujiyama im Blick." Am "anspruchsvollsten, weil am an- strengendsten" war aber Peters’ 99. Marathon im vergangenen August in Sonthofen: "Da mussten wir 1400 Höhenmeter bewälti- gen." Was auf die Zeit schlug: Nach 4:03 Stunden lief der Weltenbummler in Sachen Marathon" als 33. von 194 Marathonis durchs Ziel. Mit dem runden Marathon-Jubiläum war für Peters aber noch lange nicht Schluss: Schon zwei Wochen nach Berlin stand er in Köln zum 101. Mal am Marathonstart:Im Trikot seines Arbeitgebers, der HSH Nordbank, bei der der Wirtschaftsinformatiker seit 17 Jahren als Anwendungsprogrammierer arbeitet, nahm Peters an den internationalen Sparkassen-Meisterschaften teil und be- legte in der Jahresbestzeit von 2:55 Stunden den zweiten Platz. Ob bei soviel Laufbereitschaft noch Zeit für andere Hobbys bleibt? "Na klar", antwortet Peters: "Alles eine Frage der Selbstorgani- sation. Zum Ausgleich fahre ich Rad, gehe gern tanzen und höre bisweilen Live-Musik." Und was macht den grundsätzlichen Reiz des Marathon-Laufens aus? "Es ist ein tolles Gefühl zu spüren, was der Körper zu leisten vermag. Man sagt ja auch, Marathon- laufen ist die {sbquo}Mount Everest’- Besteigung des kleinen Mannes", weiß Peters. Einen Lieblings-Marathon gibt es für ihn übrigens nicht: "Jeder hat seinen ganz speziellen Reiz. Bei Stadtmarathons wird man durch die vielen Zuschauer gepuscht, bei Landschaftsläufen kann man die Natur genießen." Am "intensivsten erlebt" und damit "ganz besonders in Erinnerung" hat der Eckeler jedoch zwei Berlin-Marathons: "Mein erster 1986 und der Wiedervereinigungs-Marathon 1990, als wir erstmals durchs Brandenburger Tor laufen konnten.”
NORDWEST ZEITUNG vom 29. Oktober 2009 “Traum vom Fliegen“ wird wahr Leichtathletiik: Bastienne Bischof springt bei Gehörlosen-Olympiade auf Platz fünf Von Gerrit Pfennig Ganderkesee. Für Bastienne Bischof ist der Moment nach dem Absprung das schönste, wenn sich für kurze Zeit das Gefühl der Schwerelosigkeit einstellt. „Für mich ist es einfach befreiend, aus eigener Kraft fliegen zu können“, erklärt Bastienne, die am Sonntag ihren 18. Geburtstag feierte. Bastienne ist Leichtathletin der LGG Ganderkesee und trainiert seit drei Jahren bewusst den Hoch- und den Weitsprung. „Ich wusste, dass ich in diesen Disziplinen bei den Deutschen Meisterschaften der Gehörlosen mehr Chancen auf Erfolge haben würde“, meint die gehörlose Leichtathletin. Mit dieser Einschätzung sollte sie recht behalten, denn in den letzten drei Jahren holte sie bei den Gehörlosenmeisterschaften insgesamt sechs Goldmedaillen im Hoch- und eine im Weitsprung. Ihr größter Erfolg war der dritte Platz im Hochsprung, auf den sie sich 2008 bei der Gehörlosenweltmeisterschaft im türkischen Izmir katapultierte. Angefangen hat Bastienne vor rund zwölf Jahren - damals noch in der Kinderleichtathletik. Bastiennes Mutter Birgit Bischof war zu dieser Zeit Trainerin einer Delmenhorster Leichtathletik-Gruppe. „Da ich damals noch zu klein war, um alleine zuhause zu bleiben, hat sie mich immer mitgenommen. Irgendwann war ich dann alt genug, um in ihrer Gruppe mitzumachen - bei den Großen, die einige Jahre älter als ich waren“, so Bastienne. Der Sport hat ihr gleich soviel Spaß gemacht, dass sie dabei blieb und mit elf Jahren zur LGG nach Ganderkesee wechselte. Die Leichtathletik ist zu einem wichtigen Teil von Bastiennes Leben geworden. Sie trainiert zwei- bis dreimal in der Woche. Dazu kommen Ausdauer- und Krafttraining. „Ich finde immer wieder interessant, ob mein Körper die Leistung erbringen kann“, be- schreibt die 18-Jährige. Ihr Körper kann es und das hat er schon oft unter Beweis: Im Juni gewann sie Gold im Hoch- und Weit- sprung bei den Deutschen Meisterschaften der Gehörlosen und im September führte ihr Weg zu den „Deaflympics“, der Olympi- ade der Gehörlosen, nach Taiwan. Hier belegte sie mit 1,53 Metern den fünften Platz im Hochsprung und mit 5,13 Metern den achten Platz im Weitsprung. „Die Deaflympics haben mich sehr geprägt, da ich mit Sportlern aus anderen Sportarten drei Wochen lang zusammen sein konnte“, erinnert sich Bastienne. Gern denkt sie auch an die niedersächsischen Landesmeister- schaften der Hörenden zurück, bei denen sie 2008 antrat und eine persönliche Hochsprung-Bestleistung aufstellte. „Es war für mich einfach ein tolles Erlebnis, unter den besten aus Niedersachsen mitspringen zu dürfen.“ Bastienne sieht die Leichtathletik aber trotz der Erfolge als Hobby und möchte daraus keinen Beruf machen. „Mein Sport ist meine Ablenkung und mein Spaß“, erklärt die Schülerin. Ihr nächstes Trainingsziel hat sie sich bereits gesetzt: Die „Deaflympics“, die in vier Jahren in Athen statt- finden werden. ----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Nach oben Zurück zur Übersicht (Porträts und Berichte über Leichtathleten) Zurück zur vorherigen Seite Zurück zur Startseite
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